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USA-Tipp: Vielseitige Hafenstadt mit Geschichte und Geschichten: Galveston/Texas

Ein Reisetipp von den Autoren mehrerer USA-Bände bei Iwanowskis, darunter „USA-Texas“ und „USA-Westen“, Margit Brinke – Peter Kränzle, Mai 2018

Galveston befindet sich am äußersten Süd-Ost-Zipfel von Texas, nahe der Grenze zu Louisiana, auf einer dem Festland vorgelagerten Insel am Golf von Mexico. Die einstige Hafen- und Piratenstadt, die Mitte des 19. Jh. zu den wohlhabendsten und bedeutendsten Städten an der Golfküste zählte, liegt direkt an der Zufahrt zum Hafen von Houston. Heute fungiert die alte Hafenstadt in erster Linie als Kreuzfahrtschiff-Hafen – es handelt sich um den viertgrößten Cruise Ship Terminal in den USA!

Zuflucht für Piraten und verheernde Hurricanes

Gegründet 1816 als Rückzugsort von und für Piraten, darunter der legendäre Freibeuter Jean Lafitte (ca. 1776–ca. 1823), mauserte sich der Ort zum wichtigen Hafen, in dem Mitte des 19. Jh. auch zahlreiche deutsche Auswanderer erstmals amerikanischen Boden betraten. Die sowohl strategisch bedeutende als auch geografisch attraktive Lage am Golf und an der Zufahrt zur Houston Bay Area hatte und hat jedoch eine Schattenseite: Galveston Island, die anderen Inseln und die Stadt Galveston selbst sind konstant der Bedrohung durch Wirbelstürme ausgesetzt.
Dem verheerendsten Hurricane in der Stadtgeschichte fielen im September 1900 Tausende von Menschen und zahlreiche Gebäude zum Opfer. Auch 2008 und zuletzt 2017 setzten Stürme die Region erneut unter Wasser und das trotz der 16 km langen und 5 m hohen „Seawall“, einer Flutmauer, die die Strandstraße vom endlosen Sandstrand abtrennt.

Sehenswerte Architektur und große Kultur

Dennoch hat sich eine sehenswerte Altstadt (www.downtowngalveston.org), der Historic Downtown Strand Seaport District (Foto), erhalten. Besonders „The Strand“, wie die Einheimischen die zentrale Strand Street nennen, ist einen Bummel wert. Historische Bauten, in die Lokale, Boutiquen, Galerien und Cafés, aber auch Souvenirshops eingezogen sind, lassen sie wie eine Mischung aus New Orleans und karibischer Beachtown wirken. In der nahen Postoffice Street steht noch ein besonderes Architekturjuwel: die Grand 1894 Opera.
Jenseits des Harborside Drive befindet sich der Hafen und Pier 21 (www.pier21galveston.com) mit dem Texas Seaport Museum und dem historischen Schiff, 1877 Tall Ship ELISSA. Hier wird regelmäßig der Film „The Great Storm of 1900“ gezeigt, und wer mehr über Ölförderung erfahren möchte, besucht das nahe Ocean Star Offshore Drilling Rig & Museum. Am Pier legen Krabbenfischer ebenso an wie Sportboote, die Touren anbieten.
Am Broadway, der Hauptverkehrsachse, die als I-45 die Stadt mit Houston verbindet, haben sich noch einige hochherrschaftliche Häuser aus der Zeit vor 1900 erhalten. Besonders sehenswert sind die „Broadway Beauties“: der Bishops Palace von 1892 (Foto li.) oder, drei Jahre jünger, die Moody Mansion (Foto re.) (www.moodymansion.org), der luxuriöse Wohnsitz einer reichen texanischen Familie. Beide können besichtigt werden.

Museum der Extraklasse und eine spannende Geschichte

In das Orphans Home von 1895, ein Stück weiter, ist das sehenswerte Bryan Museum (www.thebryanmuseum.org) eingezogen. Das Waisenhaus, vom Sturm 1900 beschädigt und renoviert, diente bis 1984 als Heim. Seit 2015 ist hier nun die qualitätvolle, umfangreiche Sammlung von J.P. Bryan untergebracht: Kunst und Dokumente aus der Geschichte von Texas und dem amerikanischen Westen. Bryan selbst, Gründer eines florierenden Energieunternehmens, ist ein Nachkomme von Stephen F. Austin, einem der Gründerväter der texanischen Republik. Ihm gehört neben dem neuen Museum auch das historische Gage Hotel in Marathon, dem Ausgangsort zum Big Bend National Park.
In drei Abschnitten werden Besucher in dem historischen Bau durch die texanische Geschichte geführt: „Spanish Colonial“ umfasst die Zeit bis 1821, blickt aber auch zurück auf die indianischen Völker, die hier schon vor der spanischen Kolonisation siedelten.

Es folgt die „Texas Frontier“, die Zeit von der mexikanischen Herrschaft ab 1821 über den Unabhängigkeitskrieg bis zur Republik (1836-1845). Die letzte Abteilung widmet sich dem „Statehood & Beyond“, der Periode als US-Bundesstaat bis 1945.

Relaxen an schönen Stränden und Ausstellungs-Pyramiden

Die Sandstrände am Golf machen die Stadt zum beliebten Naherholungsziel, speziell bei den Städtern aus dem Großraums Houston. An die 50 km an Stränden laden zum Relaxen ein und auf Höhe der 25th Street bietet der Galveston Island Historic Pleasure Pier (www.pleasurepier.com) Fahrtgelegenheiten, Lokale und anderen Vergnügungen.
Ein Stück weiter den Seawall Blvd. entlang, stößt man auf die Hauptattraktion von Galveston: die Moody Gardens (www.moodygardens.com, Foto: Beitragsbanner). Der Komplex befindet sich landeinwärts am Offats Bayou und ist aufgrund seiner drei ungewöhnlichen Glaspyramiden weithin sichtbar.
Die blaue Pyramide beherbergt das Aquarium, in der weißen Pyramide befindet sich ein Rain Forest mit entsprechender Flora und Fauna, und in der pinkfarbenen Pyramide sind Wechselausstellungen unter dem Motto „Discovery“ zu sehen. Dazwischen und ringsum: ein botanischer Garten, ein Golfplatz, ein Waterpark, ein Hotel, ein historischer Raddampfer und andere Vergnügungen.

Informationen
• Infos Galveston: www.galveston.com
• Galveston Island Visitor Center, 2328 Broadway. Das Besucherzentrum befindet sich in ehemaligen Kutschengebäude der Ashton Villa von 1861 – heute Sitz und Museum der Galveston Historical Foundation (www.galvestonhistory.org).

© Text: Dr. M. Brinke – Dr. P. Kränzle, Fotos: © M. Brinke

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