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Houston Bay Area – Verstecktes Juwel zwischen NASA und Hafen

Ein Reisetipp von den Autoren mehrerer Iwanowski-Bände, darunter „USA-Texas / Mittlerer Westen“ und „USA-Westen“, Dr. Margit Brinke – Dr. Peter Kränzle, April 2018

Bei dem Begriff „Bay Area“ denkt man zunächst an San Francisco, eher nicht an die texanische Metropole Houston. Doch Houston verfügt nicht nur über den zweitgrößten Seehafen der USA, die Stadt selbst, am Buffalo Bayou gelegen, ist nur rund 80 km von der Küste des Gulf of Mexico entfernt. Mehrere Buchten – Galveston Bay, East Bay oder Trintiy Bay – reichen von der schmalen Hafenzufahrt bei Galveston tief ins Landesinnere hinein und bilden die sogenannte Houston Bay Area.

Zukunft und Vergangenheit – Raketen und Battlefields

Bekannteste Attraktion dort ist das Lyndon B. Johnson Space Center, dessen Museum, das Space Center Houston (https://spacecenter.org), vielbesucht ist, besonders seit hier auch ein Trainings-Space Shuttle mit der zugehörigen Transport-Boeing zu sehen ist. Eine neue Attraktion für Luftfahrtfreunde ist dagegen das Lone Star Flight Museum (www.lonestarflight.org). Es ist kürzlich von Galveston in zwei neue, große Hangarhallen am Ellington Airport nahe dem NASA-Gelände umgezogen. Ausgestellt sind Militärflugzeuge aus den 1940er- bis 1960er-Jahren, außerdem stellt eine Douglas DC3, die 1935 erstmals in die Luft ging, einen Markstein in der Entwicklung des Passagiermaschine dar.

Historisch bedeutend ist die Hafenregion wegen ihrer Rolle im texanischen Unabhängigkeitskrieg 1836. Im Süden des heutigen Houston, am Zusammenfluss von San Jacinto River und Buffalo Bayou, fand am 21. April 1836 die entscheidende Schlacht zwischen den texanischen Freiheitskämpfern um General Sam Houston und der mexikanischen Armee unter General Antonio López de Santa Anna statt.

Die Texaner überrumpelten die zahlenmäßig weit überlegene mexikanische Armee, Santa Anna kapitulierte und musste die Unabhängigkeit von Texas anerkennen. Heute erinnert die am Houston Ship Channel gelegene San Jacinto Battleground State Historic Site mit dem San Jacinto Museum of History (www.sanjacinto-museum.org) an jene Ereignisse.

Familienspass, Pelikane und immergrüne Eichen

Ein beliebtes Sonntagsausflugsziel für Familien aus Houston ist der Kemah Boardwalk (www.kemahboardwalk.com).

Direkt am Wasser lockt ein 1998 eröffnetes Vergnügungsareal mit einer großen Auswahl an Shops und Lokalen, Spielearkaden, Ausflugsschiffen, Aquarium, Eisenbähnchen, Karussells und Fahrgeschäften, wie Riesenrad und Holzachterbahn, mit Straßenkünstler und Shows.
Im Zentrum des Ganzen: das Kemah Boardwalk Inn, ein familienfreundliches Hotel. Von den Balkonen der rund 50 Zimmer kann man das bunte Treiben ringsum (und in der Galveston Bay) beobachten und am Wochenende den Bands auf der kleinen Bühne zuhören. Die Zimmer sind „nautisch“ mit viel Blau und maritimen Motiven eingerichtet, es gibt schöne Sitzecken und es fehlt an nichts: Kaffeemaschinen, iPod-Docking Stations, Safe und Bademäntel.
Die Gegend um Kemah hat mehr zu bieten. Der Name erinnert an die einst hier lebenden Karankawa-Indianer, in deren Sprache „Kemah“ „Wind in the Face“ bedeutet. Nur durch eine Brücke von Kemah getrennt ist Seabrock, bekannt wegen des Pelican Path Projects (http://seabrookpelicanpath.com).
Die gesamte Golfküste, so auch die Houston Bay Area, ist Durchzugsgebiet von Zugvögeln und weiße und braune Pelikane sind überall zu sehen. Daher macht es auch Sinn, mit überlebensgroßen Vogelfiguren zu werben. Lokale Künstler haben die Vögel individuell für lokale Geschäfte und Unternehmen gestaltet. Eine Sammlung davon steht im Pelican Park am zentralen Community House.

Wildwest-Feeling in League City

Im Hinterland liegt League City, mit fast 85.000 EW die größte Ortschaft in der Bay Area. Wo sich einst ein Dorf der Karankawa-Indianer befand, ließen sich Mitte des 19. Jahrhunderts Siedler nieder und nach einem davon wurde der Ort benannt. Unter den Ersten befanden sich die Butlers, die um 1855 aus Louisiana gekommen und mit der Zucht von Longhorn-Rindern begonnen hatten. 1872 entstand die Butler-Ranch im heutigen League City, an der Eisenbahnlinie zwischen Galveston und Houston – idealer Ausgangspunkt für die Verschiffung der Rinder nach Norden. Mit Milby Butler (1889–1971) endete die Ära der Longhorn-Rinderzüchter in der Gegend und das (derzeit wegen Sturmschäden geschlossene) Butler Longhorn Museum (www.butlerlonghornmuseum.com) erinnert an jene Tage.
Die nachgebauten historischen Häuser im zentralen Historic District, an der alten Bahnlinie, geben einen guten Eindruck vom ehemaligen „Wildwest-Dorf“.
Sehenswert sind zudem die imposanten Live Oaks (immergrüne Eichen) im Ort, entlang der East Main Street oder in den beiden Stadtparks, League Park und Helen’s Garden.
League City liegt am Clear Lake, der zwischen Seabrook und Kemah in die Trinity Bay übergeht. Entlang seinem Ufer reihen sich prächtige Villen und Marinas auf. In der Ortschaft Nassau Bay liegt das NASA-Gelände, doch daneben gibt es zahlreiche Naturschutz- und Vogelschutzgebiete mit einladenden Trails und Einrichtungen wie dem Armand Bayou Nature Center (www.abnc.org) am Clear Lake.

Schlemmen und Bierprobe

Kulinarisch ist ebenfalls Einiges geboten: In Seabrook gibt es gleich mehrere Seafood Markets, Fischhändler, die frischen Fisch und Meeresfrüchte in Hülle und Fülle offerieren. Bei einigen – z. B. Pier 8 Seafood – , kann man sich das Gewünschte an der Theke aussuchen, zubereiten lassen und draußen auf einer Terrasse an der Bucht genießen.
Gerade recht für den kleinen oder großen Hunger ist der Kemah Lighthouse District (www.kemah.net/lighthousedistrict.html), z. B. am Morgen bei Art of Coffee – regional gerösteter Kaffee und lokale Backwaren – oder sonst mit der Stuttgarden Tavern (deutsch-texanische Küche und etwa 50 Biere aus aller Welt vom Fass) oder Skullywag Sud’s N’Grub, mit über 40 regionalen Craftbeers vom Fass.
Apropos Bier: Der Boom der Craft Breweries hat längst auch die Houston Bay Area erreicht. So lohnen einige Kleinbrauereien einen Besuch wie z. B. die Galveston Bay Beer Co. (www.galvestonbaybeer.com), die auf eine über 120-jährige Geschichte zurückblicken kann. Zwar wurde die alte Brauerei 1982 geschlossen, doch 2013 eröffnete man mit Hilfe des neuen Chefs, des Bezirksrichters Mark Henry, die Brauerei neu. Neben Ales experimentiert Braumeister Skyler Forshage gerne, z. B. mit den derzeit in den USA angesagten Sour Beers, eine Art Gosebier.
2013 eröffnet die Texas Beer Refinery (www.texasbeerrefinery.com). Die Brauerei füllt inzwischen in Flaschen ab und so sind ihre Biere überall im Großraum Houston zu haben. Gleich drei junge Braumeister – Luis Barrera, John Hearn und Michael Youngkin – kümmern sich um die Brauerei. Besonders die IPAs (India Pale Ale) wie das Mexican IPA und das Catalyst IIPA (9,6%!) zählen zu den besten Bieren in Texas.

INFORMATIONEN
• Infos Houston Bay Area: www.visitbayareahouston.com, www.visitleaguecity.com, www.seabrooktx.gov/visitors, www.kemah.net/visit.htm
• Unterkunft: Boardwalk Inn, 8 Kemah Waterfront, www.kemahboardwalkinn.com

© Text: Dr. M. Brinke – Dr. P. Kränzle, Fotos: © M. Brinke außer: Reenactment San Jacinto Battlefield (©San Jacinto Museum) und Kemah Lighthouse District (©KemahTX.gov).

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