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Fischreiche Gletscherseen und skandinavische Holzkirchen – Auf Tour im Zentrum North Dakotas

Reisebericht von den Autoren mehrerer USA-Bände, darunter „USA-Westen“ und „USA-Texas Mittlerer Westen“, Dr. Margit Brinke – Dr. Peter Kränzle, Dez. 2019

Devils Lake, ein Städtchen mit rund 8.000 Einwohnern im östlichen Teil des US-Bundesstaats North Dakota, liegt nur rund 100 km von der kanadischen Grenze entfernt und die nächste Großstadt, rund dreieinhalb Fahrtstunden weg, ist deshalb Winnipeg/Manitoba. Die „Lake Region“ erstreckt sich um ein riesiges, sich krakenartig ausbreitendes Gewässer, der größte natürliche See North Dakotas. Erst in den 1990er-Jahren wurde die Seenregion, die nach der letzten Eiszeit entstanden ist, touristisch entdeckt und ist seither vor allem bei Anglern und Eisfischern – Devils Lake gilt als „Barsch-Hauptstadt“ der Welt – sowie bei Wassersportlern, aber auch zum Jagen (und Golfen) beliebt.
An den Ufern des Sees liegen neben dem zentralen Städtchen Devils Lake, 1884 entstanden, im Norden, Fort Totten im Süden und Minnewaukan im Westen. Im See, durch eine Brücke mit dem Festland verbunden, befindet sich zudem Graham Island mit dem gleichnamigen State Park.

Heimat des Spirit Lake Tribe

Bis heute sind am südlichen Ufer die Dakota-Sioux-Indianer zu Hause. 1867 wurde für drei Gruppen – Sisseton, Wahpeton und Pabaske – hier die Spirit Lake Indian Reservation eingerichtet. Das Südufer des Devils Lake gehört zum Reservat des Spirit Lake Tribes, der auch das Spirit Lake Casino (https://spiritlakecasino.com) auf einer Halbinsel, mit Strand, Resorthotel und Konzertbühne, betreibt.

Nicht weit entfernt, ebenfalls am südlichen Seeufer, liegt Sullys Hill National Game Preserve (www.fws.gov/refuge/sullys_hill_national_game_preserve), eine ausgedehnte hügelige Marsch-, Prärie- und Waldlandschaft und ein großes Schutzgebiet für Wild. Die Preserve wurde 1904 ins Leben gerufen, wobei Teddy Roosevelt damals das Gebiet eigentlich zum Nationalpark erklären lassen wollte. Neben Rothirschen (elk) und Präriehunden gibt es eine Herde Bisons, etwa 20 Tiere.

Auf Reservatsgrund befindet sich auch ein historisches Denkmal: die Fort Totten State Historic Site (www.history.nd.gov/historicsites/totten). 1867–72 hatte man die Militärbasis zum Schutz der Handelsrouten und Siedlertrails in den Westen und nach Kanada errichtet und später als Nachschubbasis genutzt. Zeitweise war hier sogar die legendäre 7th Cavalry unter General Custer stationiert. Von 1891 bis 1959 diente der Komplex als Indianerschule – ein wenig rühmliches Kapitel in der US-Geschichte. Heute zählt das Fort mit seinen 17 Originalbauten zu einem der besterhaltenen im Westen und steht unter Denkmalschutz. Im ehemaligen Offiziersbau werden heute Zimmer vermietet.

Im Zentrum Nordamerikas

Der einsame US Highway 2 durchquert den Norden der USA über 4.100 km vom Atlantik zum Pazifik. Von Devils Lake geht es auf dieser Straße über Rugby – geografisches Zentrum Nordamerika, markiert durch einen mächtigen Felsblock –westwärts nach Minot.

Die Kleinstadt mit knapp 50.000 Einwohnern ist bekannt für das Norsk Høstfest (http://hostfest.com), ein großes skandinavisches Festival Ende September. Mit traditioneller Musik, Handwerkskunst und kulinarischen Spezialitäten wie „Lutefisk“ (rehydrierter Trockenfisch) erinnert man an das skandinavische Erbe der Region. 1886 war die Ortschaft quasi über Nacht entstanden, als wegen des Wintereinbruchs die Bauarbeiten an der Great Northern Railway stagnierten. Innerhalb weniger Monate hatten sich 5.000 Menschen – vor allem viele skandinavische Einwanderer – niedergelassen und die Stadt wurde wegen des rasanten Wachstums auch „Magic City“ genannt.
Eine der Hauptattraktionen ist deshalb das Scandinavian Heritage Center (https://scandinavianheritage.org),1989 in Erinnerung an die ersten Siedler – Schweden, Norweger, Finnen, Dänen und Isländer – eingerichtet. In der gepflegten Parkanlage um das Besucherzentrum mit Laden und Ausstellungen fällt besonders der Nachbau einer Stave Church, einer Holzkirche, ins Auge.

Die norwegische „Gol Stave Church“ aus dem 12. Jh. wurde maßstabsgetreu und mit großem handwerklichem Aufwand nachgebaut. Außerdem erinnern ringsum Statuen an skandinavische Persönlichkeiten, z. B. den Abenteurer Leif Erikson, den Geschichtenerzähler Hans-Christian Andersen oder diverse erfolgreiche Wintersportler, und es gibt weitere Gebäude wie eine Windmühle oder ein hölzernes Lagerhaus, und ein gut 3 m großes schwedisches Dala Horse.

Lokomotiven und Flugzeuge

Themenwechsel: Abgesehen von der Minot Air Force Base, einem wichtigen Arbeitgeber der Region, ist im Dakota Territory Air Museum (www.dakotaterritoryairmuseum.com) am International Airport in drei Hangars eine grandiose Sammlung an Militär- und Privatflugzeugen quer durch die Jahrzehnte zu bewundern.
Das Railroad Museum ist hingegen klein, aber fein, vor allem die Miniatureisenbahn-Anlage im Untergeschoss ist sehenswert, außerdem gibt es begehbare alte Cabooses auf dem Freigelände. Gleiches gilt für den Roosevelt Park Zoo (www.rpzoo.com): 1921 eröffnet war es der erste Tierpark, der Bison hielt.
The Starving Rooster“ (https://thestarvingrooster.com) befindet sich in einer alten Lagerhalle am Bahnhof. Im Lokal legt man Wert auf regionale Produkte und kreative Zubereitungsweisen. Fine Dining, v. a. exzellente Steaks, gibt es hingegen im Restaurant „Elevation“ (www.elevationminot.com), im Minot Country Club, der an den Golfplatz angrenzt und eine tolle Sicht über die Prärie-Landschaft erlaubt.
Downtown Minot wird derzeit revitalisiert, soll eine neue zentrale Plaza erhalten und ringsum soll die Main Street (Foto links) mit neuen Läden und Lokalen belebt werden. Ein traditioneller Laden, als Schuhreperaturwerkstatt gegründet, lockt seit 1927 Kunden an: Bray’s Saddlery (www.brayssaddlery.com) bietet Alles, was Cowboys und Cowgirls, Rancher und Farmer so brauchen.

ÜBERNACHTUNGSTIPP
Hyatt House Minot, 2301 Landmark Drive NW, Minot/ND, Tel. +1 (701) 838 7300, www.hyatt.com/de-DE/hotel/north-dakota/hyatt-house-minot/motxm. Ruhig am Stadtrand gelegen, ist dieses Hotel ideal für Familien: Es gibt Suiten und Apartments mit voll ausgestatteten Küchen, Wohn- und Schlafzimmer. WLAN und Frühstück sind inklusive, ebenso Abendessen an bestimmten Wochentagen.
INFOS:
• Devils Lake: www.devilslakend.com
• Minot: www.visitminot.org
• The Great American West: https://greatamericanwest.de
• North Dakota: www.ndtourism.com

© Text: M. Brinke – P. Kränzle
© Fotos: M. Brinke, ND Tourism (Seenlandschaft), Devils Lake Tourism (Fischer), Starving Rooster (Logo).

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