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What a Wonderful World! – Die letzten unberührten Landschaften der Erde

Ein Buchtipp von den Autoren mehrerer USA-Bände bei Iwanowski’s, u.a. „USA-Westen“ oder „USA-Nordwesten“, Dr. Margit Brinke – Dr. Peter Kränzle, Oktober 2018

What a Wonderful World! – So lautet nicht nur ein Liedtitel, der durch Louis Armstrong um die Welt ging, sondern das ist auch die passende Beschreibung für einen neu im Prestel Verlag erschienenen Foto-Bildbandes mit dem Titel „Wildes Land“.

Vier Jahre – sieben Kontinente – zwei Personen

Was ist „wildes Land“ überhaupt? Dieser Frage mussten sich die mehrfach preisgekrönten Naturfotografen Peter und Beverly Pickford (Fotos) erst einmal stellen, nachdem sie auf die Idee gekommen waren, eine Reise durch alle sieben Kontinente, in die Wildnis zu unternehmen. Es sollte ein Buch über unberührte Natur und die Unendlichkeit werden, bei dem der Mensch zwar Teil, aber nicht bestimmend ist.
Ergebnis dieser vierjährigen Reise sind atemberaubende Landschaftsaufnahmen von den letzten unberührten Wildlandschaften der Erde. Das Paar reiste zu Elefanten in der Namib-Wüste, beobachteten Eisbären auf Spitzbergen, lachsfischende Bären am Yukon River, Lamas auf den Anden-Hochplateaus, Riesenkängurus im australischen Outback, Eselspinguine auf den Inseln der Antarktis oder Yaks im tibetischen Hochland.

In einzelnen Kapiteln widmet sich der im Prestel Verlag erschienene Band den sieben Kontinenten, wobei jeweils eine oder wenige Regionen herausgepickt wurden, die das „Wilde Land“ am besten verkörpern. Zu jedem Erdteil gibt es einen einleitenden Text in Gestalt eines „Inlays“ aus dünnerem weißem Papier. Auf wenigen Seiten fasst der Fotograf Peter Pickford dort ganz privat und persönlich das Abenteuer zusammen, berichtet von den Vorstellungen, die sie hatten, zu welchen Begegnungen es kam, was das Besondere an der jeweiligen Region ist.

Diese Texte illustrieren häufig auch Menschen in der Wildnis, meist persönliche Bekanntschaften oder Begegnungen der Autoren. Anschließend gibt es eine Übersicht über das Bildmaterial zum jeweiligen Kontinent im Miniaturformat und mit Bildunterschriften erläutert. Die folgenden Serien doppelseitiger Fotos sind bezeichnenderweise so gut wie immer menschenleer. Manchmal in Sepia, großteils in Farbe, sind weite Landschaften zu sehen, sehr dramatisch und sehr atmosphärisch, oft geprägt von den mit Unbilden der Natur, Wasser, Klippen, Wüsten, Schnee oder Eis, und häufig von den landestypischen Tieren bevölkert. Man spielt mit Licht und Schatten, Wolken und großem Mond, Nordlichtern, Nebel und Schneelandschaften. Ungewöhnlich sind vielfach die Perspektiven, es gibt Spiegelungen und Froschperspektive, Luftaufnahmen und verblüffende Bildausschnitte und Details wie Blüten, erodierten Sandstein oder Korallenriffe.

Von der Antarktis nach Patagonien

Antarktika und subantarktische Inseln heißt der erste Teil und er beginnt mit der Schiffsreise des Paares dorthin, erzählt von Shackletons Expedition und vom Walfang. Pinguine aller Art, Seebären und See-Elefanten bevölkern die Fotos, die sonst großteils von Eisbergen dominiert werden.

In Tibet (Asien – Hochland von Tibet) lernen die Pickfords wieder das Gespür für Wildnis, Landschaft oder Natur kennen, das Städtern weitgehend abhanden gekommen ist. Auf den Fotos zu sehen sind endlose Himalaya-Berge, Yaks in Schneelandschaften, Tibetfuchs, Gazelle, Blauschaf und, aus der Vogelperspektive, ein winziger Hirte mit Schafherde!
Teil 3, Afrika – Skelettküste und Wüsten Namibias, war den Fotografen wohl am vertrautesten, da sie in Afrika leben und schon vorher einen Band über Namibia und andere afrikanische Landschaften veröffentlicht haben. Es handelt sich um beeindruckende Bilder von Dünen, Flussbetten und Wüsten, von Springbockherden, Giraffen und Löwen, Elefanten, Nashörnern und Schakalen.
In Europa – Teil 4 -, genauer, der Arktis, wird es wieder eisig. Pickford versäumt nicht, zu erklären welche Eissorten es gibt (permanentes und einjähriges) und wie Robben atmen. Bären und Robben, Pac keis und Möwen, Lummen und Gletscher bevölkern die grandiosen Landschaftsaufnahmen.

Alaska und Yukon symbolisieren den nordamerikanischen Kontinent. Riesiges, unwirtliches Land mit extrem niedrigen Temperaturen, dazu monatelang keine Sonne. Pickford berichtet von seinen Begegnungen mit Häuptlingen der First Nations in Kanada und um Diskussionen über Jagd und Fischerei, Wandel und Umweltschutz. Vielfach handelt es sich um Luftaufnahmen, schön sind vor allem die Bilder von Grizzlybären (u. a. beim Lachsfang), von Moschusochsen, Buckelwalen, Elchen und Bison.
Australien – Kimberley und Wüsten, befasst sich mit den Kulturen der Aborigines von Kimberley, mit Höhlenmalereien, Glaube und Aberglaube im Busch und bildlich auch mit der Fauna, bestehend aus Sittichen, Kängurus, Krokodilen, Schildkröten und Wildpferden.

Auf dem letzten Kontinent schließlich, Südamerika, genauer Patagonien, Andenhochland und Chiloe-Archipel, steht das Wasser im Zentrum und auf fast jedem Foto, belebt von Pumas oder Hirschen, sind Seen, Flüsse oder aber Wasserfälle zu erkennen. Der Autor ist begeisterter Fliegenfischer (hat darüber auch schon vorher Bücher verfasst) und daher dem Reiz des Wassers besonders verfallen.

Die Autoren

Die Einleitung macht deutlich, wie es zu diesem Buch kam und was ihm vorausging. Die Pickfords sind in Südafrika geboren und studierten dort. Peter wurde Wildhüter, Beverly war im Hotelmanagement tätig und man traf sich 1979 in einer Safari-Lodge. Sie sind nun seit über 35 Jahren als Naturfotografen tätig („Pickford Wildlife Photography“) und nicht nur Vollblutfotografen, sondern auch begeisterte Reisende und Abenteurer, Outdoorfans, Tierfreunde und Naturschützer. Sie segelten quasi um die Welt, fuhren per Anhalter, Zug oder wanderten durch Süd- und Nordamerika ehe sie sich in Afrika niederließen.
Um das Vorhaben der mit viel Logistik und hohen Kosten verbundenen Kontinente-Reise zu realisieren, verkaufte das Paar die Farm in Südafrika. 2011 begaben sie sich auf die Abenteuerreise und „Wild Land“ (zunächst bei Blackwell & Ruth in Neuseeland erschienen), war das 2018 vorgelegte Ergebnis.
Für die Pickfords gilt der Naturschutz als größtes Geschenk, da Natur und Landschaft von unschätzbarem Wert sind. Sie beklagen, dass Ausbeutung noch immer höher bewertet wird als Schutz, man denke nur z. B. an Goldminen in Alaska, die Ausrottung von Bison oder Walen oder die Überfischung der Meere. Wie ein roter Faden zieht sich die Aufforderung der Autoren durch das Buch, Mitverantwortung für Schutz und Erhalt dieser wunderbaren Welt zu tragen. Ein wesentlicher Aspekt ist dabei auch, dass jede Nation dieser Erde kulturell an ihre jeweilige Landschaft gebunden ist. Indem man sie schützt, bewahrt man auch Geschichte und Identität. Die Reise war „ein lebensveränderndes Geschenk“ für die Pickfords, die noch immer in Afrika leben und sich der Einrichtung von Naturreservaten widmen.
Das vom Prestel Verlag brillant gestaltete Prachtband ist für alle Natur- und Fotografie-Liebhaber ein Muss, darüber hinaus ist dieses Buch ein sehr gelungenes Geschenk, das viel Freude bereiten wird.

• INFO
Peter & Beverly Pickford, Wildes Land,
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 336 Seiten, 26,7×34, 280 farbige Abbildungen, ISBN: 978-3-7913-8420-7, € 59,00 Prestel Verlag München, 2018.

© Text: M. Brinke – P. Kränzle, Fotos: © Peter & Beverly Pickford, from Wild Land by Peter & Beverly Pickford.

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