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Hilfsprojekte in Sri Lanka nach dem Tsunami

Es gibt einige Hilfsprojekte entlang der „Tsunami-Küste“ Sri Lankas, die leider nicht so gut umgesetzt wurden, wie sie ursprünglich gedacht waren. Ein Beispiel ist die „Green Hope Pre School“ im Örtchen Patuwatha, nicht weit entfernt von Hikkaduwa. „For sale“ steht an der grünen Mauer, darunter eine Telefonnummer. Anfang 2005 war die Schule von zwei französischen Theaterleuten gegründet worden, die in Sri Lanka lebten. Nach dem Tsunami am 26. Dezember 2004 hatten sie die Organisation „Green Hope“ ins Leben gerufen, doch heute ist diese Hoffnung erloschen: „Green Hope“ gibt es nicht mehr, die „Pre School“ steht zum Verkauf.

Free education unit

„90 Prozent aller Schulprojekte, die mit ausländischer Hilfe an der Tsunamiküste seit 2005 aufgezogen wurden, mussten wegen Geldmangels schließen“, weiß Prabath Wijesekara. Er ist Rektor einer „free education unit“ in Ahungalla, rund 20 km nördlich von Hikkaduwa. Seine Schule ist eine auf Montessori-Prinzipien beruhende Alternative zu dem auf Drill ausgerichteten sri-lankischen Schulsystem und wird von der Stiftung „One World Foundation“ finanziert.
„Free education unit“ heißt nichts Geringeres, als dass Wijesekaras Privatschule kein Schulgeld verlangt. Außerdem bekommen seine Schülerinnen und Schüler zwei Uniformen im Jahr spendiert, die Klassen sind mit durchschnittlich 25 Kindern eher klein, und auf dem 16.000 m² großen Schulgelände tummeln sich heute bis zu 1.085 Mädchen und Jungen zwischen drei und 17 Jahren.

Staatliches Schulsystem

Davon können die Kinder in den staatlichen Schulen Sri Lankas nur träumen: Pro Jahr gibt es genau eine Uniform, die Klassen bestehen im Schnitt aus 40 Kindern, und die mit zwei- bis dreitausend Schülerinnen und Schülern vollgestopften Gebäude sind meist stickige Wissensbunker, umgeben von Beton, umzäunt und ungemütlich.
Zudem fängt der Schultag an den staatlichen Schulen bereits um 7.30 Uhr an. Um 8.30 Uhr beginnt im Innenhof der „free education unit“ in Ahungalla der Tag mit Gesang. Natürlich wird die sri-lankische Nationalhymne angestimmt und auch ein Gebet zum Tage gesprochen (Titelfoto) – 90 Prozent der Kinder sind Buddhisten, zehn Prozent Muslime –, es folgen die allgemeine Begrüßung und ein paar Singspiele und Bewegungslieder.

Women’s Cooperation

Schneiderunterricht für die Mütter

Dann startet der Unterricht in den verschiedenen Klassen und in der „Women’s Cooperation“: ein eigenes Ausbildungsprogramm für die Mütter. Ein Jahr lang lernen sie stricken, nähen oder Batik, erhalten zum Abschluss ein Zertifikat und per staatlicher Förderung ein günstiges Bankdarlehen. So können sie ihre eigene Werkstatt eröffnen, um den Unterhalt ihrer Familien zu sichern.
„Wir helfen sozial Schwachen“, sagt Schulleiter Wijesekara. „Wir bieten besseren Unterricht, bei uns in der Schule können sie frei denken, hier lernen sie für das Leben.“

One World Foundation

Um das Leben, das Überleben ging es den Österreichern Kathrin Messner und Josef Ortner auch, als sie 1995 die Stiftung „One World Foundation“ gründeten und eine kostenlose Schule eröffneten. Sie beschlossen, mit der One World Foundation“ eine neue Art von Tourismus zu unterstützen, die „auf gegenseitigem Verständnis und einem fairen Austausch basiert“ (www.owf.at).
Die kompletten Einkünfte aus ihrem 1984 erbauten Ayurveda-Hotel „Bogenvillya“ stecken sie in die „One World Foundation“ – und damit in Bildung. Das Konzept funktioniert bis heute, wie T. J. Raji De Silva stolz vermeldet. Die Managerin der „One World Foundation“ verwaltet das Hotel, kümmert sich um die Gehälter der 65 Stiftungsangestellten und sorgt dafür, dass das Haus in der Hochsaison bestens ausgelastet ist, damit genug Geld in die Schule in Ahungalla fließt. Der Geldfluss sei allerdings ein wenig spärlicher geworden seit der Finanzkrise, sagt sie. Dennoch blickt sie zuversichtlich in die Zukunft. So gehört heute der Bereich „Fundraising“, also Geldbeschaffung, zu ihren Hauptaufgaben.
Die Schule liegt T. J. Raji De Silva am Herzen, genauso wie Prabath Wijesekara. Er erinnert sich gerne an seine Schulzeit – umso mehr, als schon damals viele Bewerbungen abgelehnt werden mussten, er aber zu den Glücklichen gehörte, die die Aufnahme schafften. „Wir haben auch heute noch einen strengen Kriterienkatalog. Und die Auswahl fällt unserem Komitee jedes Jahr aufs Neue sehr schwer“, sagt er. Für alle, die aufgenommen werden, bedeutet das Projekt auch 15 Jahre nach dem Tsunami immer noch die Aussicht auf eine Ausbildung und damit die Hoffnung auf ein geregeltes Auskommen.

Infos
owf One World Foundation Wien, Hofmühlgasse 17/2/25, 1060 Wien, Österreich,  Tel. +43-1-533 58 40-33, www.owf.at.
owf One World Foundation Sri Lanka, 162/45 Wathuregama, Ahungalla, Sri Lanka, Tel. /7 +94-91-2264147, owf[at]sltnet.lk.

Text und Fotos: Stefan Blank in Iwanowski’s Reisehandbuch Sri Lanka

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