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Rochester/New York – Vielseitige Metropole mit einzigartigen Museen

Ein Reisetipp für New-York-State-Besucher von den Autoren mehrerer USA-Bände, darunter „USA-Nordosten“ und „USA-Ostküste“,, Margit Brinke – Peter Kränzle, Januar 2018



Spielen ist bekanntlich nicht nur bei Kindern beliebt, sondern erfreut Jung und Alt. Es wundert also nicht, dass sich in Rochester, einer Stadt im westlichen Teil von Upstate New York, nahe dem Lake Ontario und kaum 140 km östlich der berühmten Niagara-Fälle, ein ganzes Museum allein dem Thema Spiel und Spielen widmet: The Strong (www.museumofplay.com) ist eine einzigartige Institution, die sich mit der Erforschung und Geschichte des Spielens und der Spielzeuge befasst.

Spielen, Spiele und Spielzeug: Strong Museum

Der Name des Museums geht auf die lokale Spiele-, Spielzeug- und Puppensammlerin Margaret Woodbury Strong (1897–1969) zurück. Sie hatte schon zu Lebzeiten ein „Museum of Fascination“ eingerichtet, nach ihrem Tod entstand dann das heutige Museum, das mittlerweile zu einem fünf Teile umfassenden Komplex angewachsen ist.
Den Kern bildet das National Museum of Play, das weltweit einzige Museum, das sich ganz verschiedenen Spielen und Spielzeugen widmet; Besucher dürfen Vieles selbst ausprobieren.
Zweiter Teil ist das International Center for the History of Electronic Games, in dessen Zentrum Videospiele aus aller Welt und von Anfang an stehen.

Interessant sind die National Toy Hall of Fame, die nicht nur Spiele-Erfinder, sondern auch wegweisende Spiele und Spielzeug zeigt, und die World Video Game Hall of Fame, ein „How-is-How“ der Video-Spieleszene. Weitere Teile sind ein umfassendes Archiv und eine Bibliothek, die Brian Sutton-Smith Library and Archives of Play.

Kodak und sein „Erfinder“

Die zweite ungewöhnliche Attraktion in der Stadt ist das George Eastman Museum (www.eastman.org). George Eastman (1854-1932) kann man zu Recht als den „Steve Jobs der Fotografie“ bezeichnen, machte er doch mit seinen Erfindungen Fotografieren für alle möglich. In seiner Firma Kodak wurde nicht nur der erste Rollfilm entwickelt, hier entstand mit der „Brownie“ zugleich die erste Kamera für jedermann/jedefrau. In Rochester kann man aber nicht nur auf den Spuren von Kodak wandeln und Kameras, Fototechniken und Fotos in den Ausstellungen bewundern, sondern auch die prächtige Villa des exzentrischen Einzelgängers George Eastman (Foto oben) besichtigen. Es gibt ein kleines Kino, das Klassiker zeigt, und unter dem Bau befindet sich das historische Archiv der Firma.

Genesee Country Village – Lebendige Geschichte

Eine weitere besondere Attraktion in Rochester ist das südwestlich der Stadt, nahe der Ortschaft Mumford, gelegene Genesee Country Village & Museum (www.gcv.org). Es handelt sich um das drittgrößte Living History Museum der USA nach Colonial Williamsburg (Virginia) und dem Greenfield Village (Michigan).
Auf etwa 2,4 km² Fläche verteilen sich insgesamt 68 historische Bauten, gruppiert nach den maßgeblichen drei historische Epochen der Region: Am Anfang steht das Pioneer Settlement, das die Zeit von den 1790ern bis zu den 1830ern abdeckt. Mit der Eröffnung des Erie Canals 1825, der den Hudson River mit dem Lake Erie verband und durch diese Region verläuft, änderte sich alles. Der Kanal stellte bis zum Anbruch des Eisenbahnzeitalters die wichtigste Verkehrsachse der jungen Nation dar. Im zweiten Teil des Freiluftmuseums geht es im Antebellum Village um diese „neue Zeit“, die 1830er- bis 1870er-Jahre, als das vormals verschlafene Provinznest „kultiviert“ wurde. Der dritte Teil widmet sich schließlich dem „Turn of the Century“, dem Leben in der Region bis in die 1920er-Jahre.
Der Besuch dieses Freiluftmuseums gleicht einer abwechslungsreichen Zeitreise, auch dank der vielen Museumsmitarbeiter, die in historische Rollen schlüpfen. Es gibt außer den historischen Häusern Geschäfte, Werkstätten und einen Bauernhof mit Tieren – die Zugochsen gehören zu den Besucherlieblingen! –, außerdem eine Töpferei und eine Brauerei. In der nach dem Gründer des Museums benannten „John L. Wehle Gallery“ werden zusätzlich interessante Kunstausstellungen angeboten. In Flora und Fauna der Region führt das Nature Center ein und im Silver Base Ball Park werden im Sommer Baseballspiele nach historischen Regeln ausgetragen.

Kultur & Genuss – Genesee Brewing Company

Die Wehle-Familie hat nicht nur das Museum in die Wege geleitet, es war Johns Großvater Louis, der nach der Prohibition 1932 die alte Genesee Brewing Company (www.geneseebeer.com), 1878 in Rochester gegründet, erwarb und zu einer der besten und größten Brauereien der Region machte. Heute gehört die Brauerei einem Lebensmittelunternehmen aus Costa Rica, braut jedoch wie eh und je mitten in Rochester am Genessee River, der von hier spektakulär über die High Falls Richtung Lake Ontario fließt.

2012 eröffnete das Genesee Brew House (www.geneseebeer.com/brewhouse/). Hier werden Spezialbiere in kleinen Mengen gebraut (Touren!) und im Lokal neben den anderen Bieren der Firma frisch vom Faß ausgeschenkt, z. B. dem Genesee Beer, einem schmackhaften Hellen, oder Genesee Cream Ale, das schon zweimal als bestes Bier beim American Beer Festival ausgezeichnet wurde.

Apropos Kulinarik: Wegmans (www.wegmans.com) ist ein lokaler Supermarktklassiker. 1916 in Rochester gegründet von John und Walter Wegman ist das Unternehmen noch immer im Familienbesitz. Inzwischen gibt es neben Filialen im Staat New York, Läden in Pennsylvania, Virginia, Maryland, New Jersey und Massachusetts. Das Unternehmen legt Wert auf regionale Produkte, betreibt einen eigenen Bio-Bauernhof und einen Käse-Reifekeller. Zu den meisten Filialen gehören Imbisslokale, in Rochester unterhält das Unternehmen sogar ein eigenes Spitzenlokal: Next Door by Wegmans (www.wegmansnextdoor.com). Dort sind japanische Sushi-Köche tätig und gibt es eine offene Schauküche.

Praktische Tipps:
Infos: www.visitrochester.com

Hoteltipp:
Hilton Garden Inn Downtown, 2015 in einem historischen Bau der 1920er mitten in der Innenstadt eröffnet. Modern ausgestattete Zimmer mit allem Komfort, dazu Pool, Fitnessraum und Restaurant/Bar.

Essen & Ausgehen:
Im Hipster-Viertel Southwedge (www.southwedge.com) am südlichen Innenstadtrand locken Lokale und Bars wie der Highland Park Diner (960 S. Clinton Ave.) – ein Tipp fürs Frühstück (allein die Eggs Benedict-Auswahl ist unschlagbar).
Auch Cheesy Eddie’s (602 South Ave., Käsekuchen über Käsekuchen), die Lux Lounge (666 South Ave., die Top-Bar der Stadt) oder Tap & Mallet (381 Gregory St.) sind beliebt. Zum Ausgehen und Bummeln lohnt auch die östlich der Innenstadt gelegene Park Avenue (www.park-avenue.org) mit Hogans Hideaway (197 Park Ave.) oder dem Roam Cafe (260 Park Ave.).

Einkaufen:
Record Archive, 33 1/3 Rockwood St., www.recordarchive.com, bietet die angeblich größte LP-Sammlung im Nordosten. Im Laden gibt es zudem Vintage Clothing und eine Art Galerie.

© Text: Dr. Margit Brinke – Dr. Peter Kränzle; Fotos: M. Brinke außer: Welcome Sign (©Visit Rochester/Calin Lawrence), Rochester Skyline und Boot Sam Patch (©Visit Rochester), Fairport Erie Canal (©Visit Rochester/John Kucko).

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