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Etzanoa, die Wiederentdeckung einer „Lost City“

Spektakuläre archäologische Funde in den Heartlands – vorgestellt von den Autoren mehrerer USA-Bände, darunter „USA-Texas & Mittlerer Westen“, Margit Brinke – Peter Kränzle, September 2018

Etzanoa Ausgrabung

„Amerika vor Kolumbus“ ist ein Bestseller des Wissenschaftsjournalisten Charles Mann (siehe Buchtipp), in dem er darlegt, dass Nord- und Südamerika weit geschäftiger, vielschichtiger und dichter bevölkert war, dazu auch älter, als die Forscher früher angenommen hatten. Man kennt vor allem die vorkolumbianischen Indianerkulturen in Mittel- und Südamerika, doch nun hat man auch mitten in den „Heartland States“, Kansas und Oklahoma, Spuren indianischer Hochkulturen entdeckt. Als spanische Abenteurer zu Beginn des 17. Jh. darüber berichtet haben, wollte ihnen niemand glauben. Nun gibt es jedoch erstmals im US-Bundesstaat Kansas Gelegenheit, den Fundort einer riesigen prähistorischen Indianersiedlung zu besuchen.

Auf der Suche nach der Lost City

Der Archäologe Don Blakeslee von der Wichita State University hatte, basierend auf alte Berichte, eine gute Vorstellung davon, wo er die „Lost City“, die „verlorene Stadt“ Etzanoa, finden würde. Bereits in den 1930ern hatte man im Umfeld der Kleinstadt Arkansas City, zwischen den Metropolen Wichita und Oklahoma City im Süden des US-Bundesstaats Kansas gelegen, unzählige Hinterlassenschaften prähistorischer Indianer gefunden.

Die Überreste von Etzona

Seit 2015 gräbt der Archäologe nun mit seinem Team und 2017 konnte er endlich beweisen, dass sich hier einmal eine große prähistorische Indianerstadt befunden hat. Seit Kurzem dürfen jetzt auch Besucher vor Ort die Geschichte der „verlorenen Stadt“ Etzanoa und ihre Hinterlassenschaften erkunden. Das kleine Cherokee Strip Land Rush Museum in Arkansas City organisiert die Ausstellung und die Führungen.

Blühende Städte statt Gold

Untermauert werden die sensationellen Funde vom historischen Bericht der Expedition des spanischen Abenteurers und Gouverneurs der Provinz Neu-Mexiko Juan de Oñate (1550-1626), der 1601 eine ausgedehnte Expedition in die nordamerikanische Prärie leitete. Schon 60 Jahre zuvor hatte sein Landsmann Francisco Vásquez de Coronado hier nach „Cibola“, den „Sieben Städten aus Gold“, gesucht, die sich nach spanischer Vorstellung im Zentrum Nordamerikas, das sie „Quivira“ nannten, befinden sollten.
Natürlich fanden die Spanier kein Gold, dafür aber blühende Städte, von denen sie berichteten ohne Gehör zu finden. Dabei waren sowohl Coronado als auch Oñate bis in den heutigen US-Bundesstaat Kansas vorgestoßen. Am mächtigen Arkansas River trafen beide spanischen Expeditionen auf die Vorfahren der heutigen Wichita-Indianer. Oñate berichtet von einer „Gran Poblacion“, einer großen Siedlung, die einer seiner indianischen Begleiter „Etzanoa“ nannte. Die heutigen Wichita-Indianer sehen in den „Etzanoans“ ihre Vorfahren. Die Spanier nannte sie „Rayados“, die „Gestreiften“, nach ihren streifenartigen Körper- und Kopfbemalungen.

Die Spanier waren allein von der Größe beeindruckt: Über 1000 Hütten und etwa 20.000 Einwohner zählten sie und vermerkten, dass sich die Stadt über Kilometer ausgedehnt haben soll. Trotz der Gastfreundschaft zog es sie angesichts der vielen Indianer in der Region jedoch rasch nach Neu-Mexiko zurück. Als sie den Rückweg einschlugen, wurden sie südlich der Siedlung von einem feindlichen Volk namens „Escanjaques“ angegriffen, konnten sich dank ihrer Feuerwaffen jedoch gegen die Indianer durchsetzen. Der Archäologe Blakeslee glaubt, auch diesen Schlachtort entdeckt zu haben. Dort fand das Team spanische Kanonen- und Gewehrkugeln, Reste spanischer Rüstungen und indianische Pfeilspitzen.

Ausgrabungsplan von Etzanoa

Etzanoa als wichtiger Baustein für die Forschung

Am östlichen Rand der heute etwa 13.000 EW zählenden Kleinstadt Arkansas City kann man als Besucher heute eine Zeitreise in die Frühgeschichte Nordamerikas und eine prähistorische indianische Stadt unternehmen. Man vermutet, dass zwischen 1450 und 1700 etwa 20.000 Menschen hier gelebt haben, die Vorfahren der heutigen Wichita-Indianer. Etzanoa wäre damit eine der größten prähistorischen Städte Nordamerikas und bestätigt im Nachhinein Oñate. Für den Archäologen Blakeslee ist Etzanoa jedoch nur der Anfang, denn sowohl Oñate, als auch Coronado berichteten von weiteren größeren Indianer-Städten in „Quivira“. Der Archäologe hat schon an weiteren Orten Spuren von prähistorischen Indianern entdeckt und ist sich sicher, dass noch mehr zu finden ist.

Etzanoa ist ein weiterer Puzzlestein innerhalb der neuen Funde und Forschungsergebnisse, die das bislang kursierende Bild vom vorkolumbischen Amerika in seinen Grundfesten ins Wanken gebracht hat. Mehr und mehr wird über das einst dicht bevölkerte und landwirtschaftlich intensiv genutzte Nordamerika bekannt. Man darf gespannt sein, was die Archäologen noch im Boden des Bundesstaats Kansas und seines Nachbarn Oklahoma finden werden …

• Infos: www.etzanoa.com bzw. www.arkcity.org (Arkansas City/KS).

© Text: M. Brinke – P. Kränzle, © Fotos: George Catlin/Public Domain (Smithsonian American Art Museum), Grabungsplan und Ausgrabungsfotos: Cherokee Strip Land Rush Museum in Arkansas City/KS, übrige: M. Brinke.

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