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Dichtende und musizierende Cowboys und –girls – Ein Besuch beim National Cowboy Poetry Gathering in Elko/Nevada

Ein ganz besonderer Veranstaltungstipp von den Autoren mehrerer USA-Bände, darunter „USA-Westen“ und „USA-Nordwesten“, Dr. Margit Brinke – Dr. Peter Kränzle, März 2018

Ende Januar ist in Elko/Nevada die Hölle los: Um die 7.000 Besucher aus ganz Nordamerika finden sich dann in der Kleinstadt im Nordosten von Nevada ein um sechs Tage lang beim National Cowboy Poetry Gathering (NCPG) den „American West“ und die wahre „Cowboy Culture“ in Gedichten, Geschichten und Liedern zu feiern.
Elko mit seinen knapp 20.000 EW liegt im Great Basin – karges menschenleeres Land, eine Hochwüste vor der Kulisse schneebedeckter Bergketten wie den bis zu 3.400 m hohen Ruby Mountains. Die Stadt entstand 1868 während des Baus der transkontinentalen Eisenbahnlinie und ist heute Zentrum der Minenindustrie (Gold) und der Viehzucht.

„Grand Daddy of ‚em All“

Das Western Folklife Center (WFC), im historischen Pioneer Building in der Innenstadt Elkos gelegen, wurde 1980 zur Wahrung der Kultur des „American West“ gegründet. Fünf Jahre später kamen der erste Direktor, Hal Cannon, und der lokale Cowboy und Poet Waddie Mitchell (Foto) auf die Idee, ein Treffen der Cowboy-Poeten ins Leben zu rufen: „The Elko“.

Waddie Mitchell

Im Jahr 2000 wurde es vom US-Senat zum „National Cowboy Poetry Gathering“ erklärt und aus einem familiären Treffen ist mittlerweile die größte Cowboy-Culture-Veranstaltung in Nordamerika geworden.
Die Zusammenkunft steht jedes Jahr unter einem speziellen Motto, z. B. Baja Vaqueros, Italian Cowboys oder heuer „Basques & Buckaroos“. Die Cowboys in Nevada – „Buckaroos“ genannt –, aber auch auf die ethnische Gruppe der Basken, die sich einst in Elko und Umgebung als Schafzüchter angesiedelt haben und bis heute ihre Traditionen pflegen, wurden damit gewürdigt.

Vielseitiges Veranstaltungsprogramm

Die Bewerber am „NCPG“ werden sorgfältig von einem Fachkomittee geprüft und ausgewählt. Viele der Dichter und Musiker treten mehrfach an verschiedenen Orten, hauptsächlich im Elko Convention Center (Foto) und im WFC, auf, in verschiedenen Zusammenstellungen (Panels), aber auch solo in den Abendshows oder bei Workshops.

Während des Festivals laufen immer mehrere Darbietungen parallel und Auswählen aus dem umfangreichen Programm, das auch Filme und Ausstellungen, Workshops (z. B. die Herstellung eines Hutes oder Rawhide Braiding, verschiedene Tänze, Kochkurse oder Schreibwerkstätten) und Talentwettbewerbe („Open Mic“) umfasst, ist nötig. Dazu locken die Verkaufsstände von Künstlern und Kunsthandwerkern, das „Mercantile“ im Foyer des Konferenzzentrums mit einem ungewöhnlichen, hochwertigen Angebot.
Reden und Demonstrationen, Touren und Vorträge sind andere Programmpunkte. Der Mountain Apache/Navajo Nephi Craig, ein in Europa ausgebildeter Küchenchef und heute Chef des Café Gozhóó auf dem White Mountain Apache Reservat in Arizona, versuchte erst in einer Rede, dann in einer Kochdemonstration, die Bedeutung der indianischen Küche vor Augen zu führen und „Cowboy John“ Collett leitet die Ranchtour – ebenfalls Bestandteil des Programms. 

Während dieser ganztägigen Tour werden die Teilnehmer nicht nur im Bus unterhalten, sondern erhalten auf mehreren Stopps interessante Einblicke in die modernen Gegebenheiten und Probleme der Cowboys und Rancher in der Region.

Dichtende Cowboys und -girls

Etliche Veranstaltungen sind speziell für Jugendliche und Kinder konzipiert und es gibt „Open Mic“-Veranstaltungen für Amateure jeden Alters.

Zur Bandbreite trägt auch bei, dass afroamerikanische Cowboys und Indianer, Frauen, Kinder, Jugendliche und Erwachsene am Event teilnehmen.

Poets Panel mit Annie Mackenzie

So brachte heuer z. B. die junge Annie Mackenzie aus Ost-Oregon mit ihren Gedichten Altstars wie den Spaßvogel Rod Nelson oder den mit 88 Jahren ältesten Teilnehmer, Cal Lewis, die gleichzeitig mit ihr auf der Bühne saßen (Foto), zum Schmunzeln. Die humorvollen Gedichte der „Ranch Wives“, Patricia Frolander und Yvonne Hollenbeck, sorgen Jahr für Jahr für Begeisterung, ebenso wie der kreative Paul Zarzyski (Foto), der Poetry Slammer unter den Cowboy-Poeten.

Es gibt auch nachdenklichere Poeten wie Shadd Piehl, Joel Nelson, John Dofflemyer oder Randy Rieman.

Henry Real Bird

Neben dem Cowboy-Alltag, Familie, Pferden, Hunden und Rindern, Jahreszeiten und Natur sind auch Freundschaft und Tod, Abschied und Wandel wichtige Themen.
Auf eine emotionale Reise in seine Heimat, die Crow Reservation im Süden Montanas, schickte der Crow-Indianer und Rancher Henry Real Bird mit seinen Stories und Gedichten die Zuhörer.

Traditionelle Westernmusik

Das Musikspektrum ist ebenso breit gefächert wie die Dichtkunst. Legenden wie die Riders in the Sky (Titelfoto) , Ramblin‘ Jack Elliott, Pipp Gillette, Mike Beck oder Michael Martin Murphy begeistern die Zuschauer ebenso wie junge Musiker, z. B. Andy Hedges, Adrian Buckaroogirl oder die Caleb Klauder Band.

Cowboy Celtic-Harfistin

Cowboy Celtic aus Kanada präsentierte 2018 eine Mischung aus Country und keltischer Musik (mit Harfe!) während Dom Flemons und Brian Farrow aus Washington/DC die Musik der afroamerikanischen Cowboys mit Banjo, Bass und Gitarre wiederaufleben ließen.
Weit über die Grenzen hinaus bekannt sind die Braun-Brüder Willy und Cody, die zusammen mit Vater Muzzie auftraten. Die Brüder sind als Gründer der Band „Reckless Kelly“, einer erfolgreichen jungen Country-Rock-Band in Austin/Texas, berühmt geworden.

Wylie & The Wild West stellte ein weiteres Highlight dar. Der Pferdezüchter, -trainer und erfolgreicher Cutting-Cowboy Wylie Gustafson aus Montana war mit seinen Tanz- und Jodel-Einlagen nicht nur optisch und akustisch ein Genuss, sondern brachte mit seiner Band beim „Midnight Dance“ das Saalpublikum aus dem Häuschen.

Wylie & The Wild West

Wylie steht für eine spannende Mischung aus Cowboy und Western Music, traditionellem Country und Folk, Rock’n’Roll und Jodeln.
Nicht nur die großen (stets ausverkauften) Abendkonzerte vor über 900 Zuschauern im Auditorium des Convention Center, sondern gerade jene im intimeren, kleineren G Three Bar Theater im Western Folklife Center sind beliebt.
Dazu gibt es tagsüber in kleineren Sälen Konzerte und im legendären Pioneer Saloon (Foto) – ebenfalls im WFC, wo zugleich Ausstellungen stattfinden – trifft man sich abends zu spontanen Jam Sessions oder zum Plaudern. Da die meisten Künstler keine Profis, sondern immer noch Cowboys/girls, Rancher, Rodeo-Cowboys, Pferdezüchter und -trainer sind, sind Begegnungsängste oder Starallüren unbekannt.

REISETIPPS

• Infos zum NCPG: www.nationalcowboypoetrygathering.org. Das nächste findet vom 28. Januar bis 2. Feb. 2019 statt.
• Infos zu Elko: www.exploreelko.com

• Übernachten: Red Lion Hotel, www.redlionhotelelko.com, modernes Hotel mit großen gut ausgestatteten Zimmern.
Touren: Cowboy John Tours, https://cowboyjohntours.com (Touren aller Art, auch Ausritte
sowie Air B&B im eigenen Ranchhaus).
• Essen & Trinken: Star Hotel & Restaurant, www.elkostarhotel.com
• Nicht versäumen: Capriola’s (http://capriolas.com), Cowboy Arts & Gear Museum (Foto rechts)(https://cowboyartsandgearmuseum.org), Northeastern Nevada Museum (www.museumelko.org), California Trail Interpretive Center (www.californiatrailcenter.org).

© Text & Fotos: M. Brinke – P. Kränzle

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