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Der besondere Buchtipp: Pete Souza, OBAMA. Bilder einer Ära

Ein Lesetipp von den Autoren mehrerer USA-Bände, darunter „USA-Ostküste “ oder „USA-Westen“, Margit Brinke – Peter Kränzle, April 2018

Es ist beileibe keine Leichtgewicht und wird damit auch der Person, um die es in dem mehrere Pfund schweren Buch geht, voll gerecht: Zu Ehren von Ex-US-Präsident Barack Obama erschien im Prestel Verlag im Februar 2018 ein Fotoband von Pete Souza unter dem deutschen Titel „Barack Obama – Bilder einer Ära“.
Das Buch, das bereits im November 2017 in Englisch auf den Markt kam, beginnt mit einem Vorwort des Ex-Präsidenten höchstpersönlich, in dem er die Professionalität und Nähe mit Souza hervorhebt.

Zwölf Jahre mit dem Ex-Präsidenten

Obama bedankt sich vor allem für die gelungenen Familienfotos und für die langjährige Freundschaft mit dem Fotografen. Pete Souzas Karriere mit Obama begann 2005 und dafür steht ein Bild zu Anfang, das ein nüchternes Kellerbüro zeigt, mit Obama, der einen Fuß auf den Schreibtisch gelegt hat. Damals war der 43-Jährige gerade US Senator für Illinois geworden und Souza war für die Tageszeitung „Chicago Tribune“ tätig.
Als Souza mit Obama ab 2007 auf Wahlkampfkampagne ging, war er Dozent für Fotojournalismus an der University of Ohio, und veröffentlichte erste Fotos in „The Rise of Barack Obama“ (2008), ein Buch das lange auf der New York Times Bestseller-Liste stand. Als Obama im November 2008 zum Präsidenten gewählt wurde, erhielt Souza das Angebot, Cheffotograf des Weißen Hauses zu werden. Der damals 54-jährige hatte bereits unter der Reagan Administration als Fotograf das Weiße Haus kennengelernt und akzeptierte. Er fungierte acht Jahre lang als „Chief Official White House Photographer“ und begleitete Obama vor und hinter den Kulissen der Politik, beim Wahlkampf wie auf Staatsbesuchen, im Rampenlicht oder ganz privat im Familienkreis.

Blick hinter die Kulissen des Weißen Hauses

Der Bildband zeigt eine Auswahl von über 300 Fotografien, in 14 Kapitel gegliedert sowie in erste und zweite Amtszeit geteilt. Die Fotos gewähren einen Blick hinter die Kulissen des Weißen Hauses und geben Einblick in Abläufe und Arbeitsweise, Räumlichkeiten und Mitarbeiter. Der Präsident wird bei Besprechungen mit seinen Stab und mit Vize Joe Biden, in Begegnungen mit Staatschefs und Prominenten, in Krisensituationen und bei Reden gezeigt, daneben hielt Souza jedoch auch vertrauliche und intime Augenblicke fest. Kapitel 1 beginnt beispielsweise mit der Amtseinführung und einem sehr intimen Bild im Aufzug auf dem Weg zum Inaugurations-Ball, Barack und Michelle im Festkleid (jetzt im National Museum of American History in Washington/DC, s. Foto), über das sein Sakko gelegt ist, Stirn an Stirn.
Die Bilder Souzas sind ein gelungener Mix aus privaten, vertraulichen, fröhlichen Fotos und besinnlichen, kritischen, traurigen. Der Expräsident ganz allein, nachdenklich im Säulengang des White House oder am Schreibtisch des Oval Office, im Menschenbad, z. B. vor Militärangehörigen in Kabul, oder beim Erinnerungsmarsch in Selma/Alabama wird ebenso gezeigt, wie ein relaxter Barack Obama im Heimkino, beim Super Bowl, mit den Kindern spielend im Oval Office und mit Mitarbeitern bzw. deren Kindern scherzend, im Urlaub und beim Picknick. Man sieht ihm im Flugzeug, der Air Force One, und auf Reisen, z. B. an der Cheops Pyramide oder in Moskau, in Ghana, am Grand Canyon, an der Langen Mauer in China oder in Rio de Janeiro. Besonders gelungen ist ein Foto des Präsidenten vor der Golden Gate Bridge, auf der grünen Wiese stehend, umringt von schwarzbefracktem Sicherheitspersonal.
Der sportliche Expräsident ist beim Surfen, Golfen, Fischen oder seiner Hauptpassion, dem Basketballspiel, festgehalten, beim Toben im Schnee vor dem Weißen Haus mit den Hunden und als Basketballcoach. Er freut sich über die Treffen mit großen Basketballspielern ebenso wie über jene mit Musikern wie Bono, Prince oder Bruce Springsteen. Er zieht mit der immer stilvollen Michelle bei festlichen Empfängen und Bällen Aufmerksamkeit auf sich, wird gezeigt beim Empfang von Queen Elizabeth II., mit Papst Franziskus oder dem Dalai Lamah.

Der Hoffnungsträger für Amerika tritt ab

Selbst in ernsten Situationen, bei Wahlkampfveranstaltungen, Gipfelgesprächen, in heißen politischen Phasen wie im Kampf um die Gesundheitsreform oder bei Bin Ladens Tod, während der Finanzkrise, bei Naturkatastrophen und Amokläufen zeigen Souzas Bilder zwar einen betroffenen, traurigen oder sogar verzweifelten, aber immer sympathischen und trotz allen Drucks erstaunlich locker und zuversichtlich auftretenden Mann, der nie die Würde seines Amtes herausstellt. Das Porträt eines ungewöhnlichen Menschen und Politikers endet mit bewegenden Fotos von der Wahlniederlage der Demokraten und vom Abschied aus dem Weißen Haus, vom letzten Weihnachtsdinner im Dezember 2016, der letzten Rede in Chicago am 10. Januar 2017 und beim Verlassen des Oval Office sowie beim Abschied von Trump vor dem Kapitol, vor Besteigen des Helikopters.
Über den Fotojournalisten Pete Souza, heute 62, schrieb Barack Obama im Vorwort: „I probably spent more time with Pete Souza than with anybody other than my family“ und soll ihn zugleich scherzhaft „Grumpy“ („Brummbär“) genannt haben. Auf Drängen Obamas heiratete Souza im Oktober 2013 im Weißen Haus seine langjährige Lebensgefährtin Patti Lease. Souzas Fotos sind die Bilder eines Hoffnungsträgers und als Obama am 10. Januar 2017 seine letzte Rede als amerikanischer Präsident hielt, verabschiedete er sich mit den Worten, die Motto seiner Amtszeit waren: „Yes, we can!“ Er war der erste Afroamerikaner im Weißen Haus und angesichts der Turbulenzen um und mit seinem Nachfolger erscheinen die acht Jahre seiner Regierung als „Goldenes Zeitalter“.

INFORMATION:
Pete Souza, Obama. Bilder einer Ära
Prestel Verlag München-London-New York, 2018. Deutsche Ausgabe mit einem Vorwort von Barack Obama, aus dem Englischen von Cornelius Hartz.
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 352 Seiten,
ISBN: 978-3-7913-8433-7
42,- €.

© Text: M. Brinke-P. Kränzle, © Foto Buchcover Prestel Verlag, übrige: M. Brinke

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