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Der besondere USA-Buchtipp: Henry David Thoreau, Ktaadn

Ein Lesetipp von den Autoren der Bände „USA-Nordosten“ und „USA-Ostküste“ sowie mehrerer anderer USA-Bände, Margit Brinke – Peter Kränzle, Mai 2017

Am 12. Juli wird der 200. Geburtstag des Schriftstellers, Philosophen, Lebenskünstler, Aussteiger und Naturfreundes Henry David Thoreau gefeiert. Rechtzeitig dazu hat der umtriebige kleine Verlag Jung und Jung aus Salzburg ein zweites weniger bekanntes, dafür umso lesenswerteres Werk in deutscher Neuübersetzung herausgebracht: Zu dem 2015 erschienenen Band „Die Wildnis von Maine“ erschien im März 2017 „Ktaadn“. Beide Werke gehen auf das posthum veröffentlichte „The Maine Woods“ zurück, welches drei Essays über Reisen, die Thoreau 1846, 1853 und 1857 in die Wälder von Maine unternommen hat, umfasst.

Maine – Expedition in unberührte Natur

Am Ende des Sommers 1846 hatte sich Henry David Thoreau erstmals in den Norden des Bundesstaats Maine aufgemacht. Was als gemütliche Reise mit Eisenbahn und Dampfschiff, dann Pferd und Wagen, begann, setzte sich im Kanu und schließlich zu Fuß fort. Der Ausflug wurde nach und nach zur Expedition. Ziel war „der große Berg“, der 1606 m hohe „Ktaadn“, höchster Punkt in der Appalachen-Bergkette von Maine. Von den Indianern „Ktaadn“ genannt, ist er heute als „Mount Katahdin“ und Mittelpunkt des Baxter State Park bekannt.
Thoreau und seine Begleiter zogen durch kaum bekanntes Gebiet, durch weitgehend unberührte und unwegsame Natur mit Seen, Flüssen und ausgedehnten Wäldern. Die Truppe drang tiefer und tiefer in die Wildnis ein. Die letzten Zeichen der Zivilisation, vom Alkohol aus der Bahn geworfene Indianer, Spuren von Holzfällern und Pelzhändlern, zeugten von Gier und Zerstörungswut. Doch Thoreau nimmt viel mehr die Natur in ihrer ganzen Vielfalt und Ausdehnung wahr, als Ereignis, in dem der Mensch nur ein kleiner Teil ist.

Gelungene Übersetzung von Alexander Pechmann

Wie schon in „Die Wildnis von Maine“ ist der 1968 in Wien geborene Literatur-und Sozialwissenschaftler Alexander Pechmann für die hervorragende Übersetzung und ein informatives Nachwort mit dem bezeichnenden Titel „Das unkartierte Land“ verantwortlich. Angefügt wurde außerdem der biografische Essay „Thoreau“ von Ralph Waldo Emerson (1803–1882), Thoreaus Lehrer und Mentor. Der Text basiert auf Emersons Rede bei der Beerdigung Thoreaus am 9. Mai 1862.
In den beiden Bänden „Ktaadn“ und „Die Wildnis von Maine“ tritt der wahre Henry David Thoreau zum Vorschein. Er beschrieb nicht nur unvoreingenommen die Natur, er sah sich auch als Verfechter eines einfachen Lebens, im Einklang mit ihr. So ist sein Hauptwerk „Walden; or, Life in the Woods“ nicht als Anleitung zum Leben im Wald zu verstehen, sondern als ein Vorschlag, wie der Mensch mit Stadt und Umwelt im Einklang stehen könnte.

Hinwendung zu Natur

Thoreau gehörte wie Emerson zu den führenden Köpfen des Transzendentalismus, deren Vertreter sich sozial-utopischen Ideen und ein einfaches Leben auf die Fahnen geschrieben hatten. Thoreaus Rückzug an den Walden Pond 1845/46 muss in diesem Zusammenhang gesehen werden. Emerson und seine Schüler wandten sich gegen das traditionelle und rationalistische Denken in Staat, Kirche und der (puritanischen) Gesellschaft, predigten die Hinwendung zur Natur und setzten sich für die Verwirklichung der eigenen Individualität ein.
Zu Lebzeiten von seinen Mitbürgern als „studierter Taugenichts“ angesehen, genießt Henry David Thoreau heute unter Naturfreunden und Umweltschützern sowie als Verfechter des zivilen Ungehorsams besonderen Ruf. In den vom Jung und Jung Verlag herausgegebenen Bänden kann man einen Thoreau kennenlernen, der seinen Weg zwischen Wildnis und Zivilisation instinktiv zu finden scheint und mit seiner Naturbeschreibung den Leser fesselt – wohl wissend, dass dieser allein gelassen in der Natur kaum überleben könnte …

INFO:
Henry David Thoreau, Ktaadn
Mit einem Essay von Ralph Waldo Emerson; aus dem amerikanischen Englisch übersetzt und herausgegeben von Alexander Pechmann, Jung und Jung Verlag Salzburg/Wien, 2017, 160 Seiten, gebunden, 20 €.
Henry David Thoreau, Die Wildnis von Maine. Eine Sommerreise
Mit einer Vorbemerkung von Nathaniel Hawthorne; aus dem Amerikanischen übersetzt und hsg. sowie mit einem Nachwort versehen von Alexander Pechmann, Jung und Jung Verlag Salzburg/Wien, 2. Auflage 2015, 160 Seiten, gebunden, 19,80 €.

© Text: M. Brinke-P. Kränzle, Fotos: Jung und Jung Verlag (Buchcover), Maine Office of Tourism (Elch/Baxter SP), M. Brinke (Landschaft), Wikipedia (Thoreau).

Ausführliche Infos zu den geschichtsträchtigen Staaten an der amerikanischen Ostküste bieten die Reiseführer USA-Ostküste und USA-Nordosten (auch als ebook) von Margit Brinke und Peter Kränzle.

 

 

 

 

 

 

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