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Der besondere USA-Buchtipp: Ein Fleck im Meer – Eine Geschichte über Willensstärke und Freundschaft

Ein Lesetipp von den Autoren mehrerer USA-Bände, darunter „USA-Nordosten“ oder „USA-Ostküste“, Margit Brinke – Peter Kränzle, Oktober 2017

Ein Fischer verschwindet in der Nacht

Im Nachhinein ist man immer klüger! Das kann der erfahrene Hummerfischer John Aldridge nur bestätigen. Natürlich wusste er, dass man an Deck eines kleinen Fischkutters, mitten in der Nacht und auf hoher See, ganz besonders vorsichtig sein muss. Er wollte im Juli 2013 nur schnell Kühlwasser nachfüllen, für die Tanks, in denen die gefangenen Hummer am nächsten Tag gelagert werden sollten.
Dabei ging er, weit vor der Atlantikküste Long Islands entfernt über Bord. Sein Freund und Kollege Anthony Sosinski schlief und entdeckte erst am Morgen, dass John verschwunden war. Während der damals 45-jährige Aldridge ohne Schwimmweste mitten im Atlantischen Ozean ums Überleben kämpfte, alarmierte sein Freund die Küstenwache und sämtliche Fischer im Nordosten der USA. Eine fieberhafte Suche begann, die – so viel sei verraten – gut endete.

Vom New York Times-Artikel zum Buch

Im Januar 2014 griff die New York Times die Geschichte der beiden Fischer auf, die längst wieder ihrem Beruf vor der Küste Long Islands nachgehen. Die Zeitung publiziert einen langen und spannenden Artikel über die Rettungsaktion, den Überlebenskampf von Aldridge und die Freundschaft der beiden Fischer. Es war letztlich dieser Artikel, der die beiden Freunde veranlasste, die Erlebnisse selbst in einem Buch zu schildern – zweifellos auch eine Art therapeutischen Verarbeitung der Geschehnisse.
2017 erschien die Geschichte der beiden Fischer im kleinen New Yorker Verlag Weinstein Books, einem Ableger des bekannten Filmstudios Weinstein Company, u. a. verantwortlich für Filme wie „Django Unchained“ oder „The Hatefull Eight“. Kein Wunder, denn „A Speck in the Sea. A Story of Survival and Rescue“ hat das Zeug zum Thriller. In der Tat soll die Geschichte mit Ben Affleck und Matt Damon in den Hauptrollen verfilmt werden – „stay tuned“!

Bewegende Geschichte einer Freundschaft

Seit der Grundschule sind John Aldridge und Anthony Sosinski beste Freunde. Nach vielen Jahren als Fischer in Montauk, einer kleinen Hafenstadt am Ostzipfel von Long Island, erfüllten sie sich ihren Lebenstraum und kauften zusammen den kleinen Hummerkutter „Anna Mary“, bis heute Mittelpunkt ihres Lebens. Sie fahren auf ihr auch nach dem Unfall noch täglich zum Fischen hinaus auf den Atlantik.
Das packend zu lesende Buch ist nicht nur die Schilderung der Rettungsaktion, des Zusammenhalts der kleinen Fischergemeinde oder des aufopfernden Einsatzes der Mitglieder der U.S. Coast Guard, „Ein Fleck im Meer“ ist auch die bewegende Geschichte einer Freundschaft zwischen zwei Männern, die alles füreinander tun würden. Und es ist vor allem eine dramatische Schilderung von Willensstärke und Widerstandskraft, vom Überlebenskampf gegen das Meer und gegen die Einsamkeit. Dazu John Aldridge lapidar: „Ich hatte nur ein Ziel: Am Leben bleiben bis sie mich finden.“ Nach dem anfänglichen Schock nutzte er seine hohen Gummistiefel als „Rettungsfloß“, ließ sich darauf treiben.

Rennen gegen die Zeit – Spannung bis zum Ende

Aldridge und Sosinski schildern das Rennen gegen die Zeit jeweils aus ihrer Sicht auf eine angenehm nüchterne Weise, ohne jegliche Effekthascherei. Und deshalb hält auch die Spannung bis zum Ende an, obwohl man von Anfang an weiß, dass die Geschichte letztlich glücklich ausgehen wird.

Übersetzt und mit Anmerkungen – wo notwendig – versehen, wurde die packende Geschichte von Georg Deggerich, der Anglistik, Germanistik und Philosophie studiert hat. Zu den von ihm übersetzten Autoren gehören Oscar Wilde, Samuel Pepys, David Sedaris, David Guterson, Susan Sontag und David Leavitt, zudem ist er Mitherausgeber der Literaturzeitschrift „Am Erker“. Deggerich hat eine eindrucksvolle und packende deutsche Übersetzung geliefert, die für vollen Lesegenuss sorgt. Wie bei einem guten Krimi, wird man „Ein Fleck im Meer“ erst nach der glücklichen Rettungsaktion atemlos und mit Herzklopfen wieder aus der Hand legen …

INFO: John Aldridge, Anthony Sosinski, Ein Fleck im Meer, übersetzt von Georg Deggerich, TEMPO (Hoffmann und Campe Verlag) 2017, 256 Seiten, gebunden, 20,00 €

© Text: M. Brinke-P. Kränzle, Fotos: Verlag (Cover), Visit PA (Atlantic Coast), Maine Tourism (Lobster) und M. Brinke (übrige).

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