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Berge und Täler, Abenteurer und Indianer – Eine Reise durch die Rocky Mountains

Unterwegs im Herzen von Colorado mit den Autoren mehrerer USA-Bände, darunter „USA-Westen“ und „USA-Nordwesten“, Margit Brinke – Peter Kränzle, Juli 2018

Das „Felsengebirge“, die mächtigen Rocky Mountains, die sich im Westen Nordamerikas über fast 5.000 km von New Mexico bis Kanada erstrecken, hat Reisende schon immer beeindruckt. Im Herzen Colorados, rund um Ortschaften wie Montrose, Ouray oder Telluride, präsentieren sich die Rockies besonders eindrucksvoll.
Als „tremendous mountains“ – gewaltige Berge – bezeichneten sie beispielsweise Meriwether Lewis und William Clark in den Tagebüchern ihrer Forschungsreise zu Anfang des 19. Jh. Auf dem Flug von Denver westwärts über die „Rockies“ erhält man einen ersten Eindruck von schneebedeckten Bergen und tiefgrünen Bergtälern. Höhepunkt beim Anflug auf Montrose, auf der Westseite der Rockies gelegenen, ist der Blick auf den Black Canyon of the Gunnison.

Montrose – Dreh- und Angelpunkt der Region

Montrose mit seinen knapp 20.000 EW und mit Flughafen, gilt im Westen Colorados schon fast als Großstadt, vor allem aber als Versorgungszentrum für die gesamte Region. Der Black Canyon of the Gunnison ist hier der Hauptanziehungspunkt. 1933 wurden rund 20 km der fast 80 km langen Schlucht zum National Monument und 1999 zum National Park erklärt. Es gibt tiefere – ca. 550 m liegt hier der tiefste Punkt – und längere Schluchten, doch nirgendwo anders empfindet man die Tiefe, Steilheit, Dunkelheit so eindringlich wie in dieser engen Schlucht, in der an vielen Stellen gerade einmal eine halbe Stunde am Tag die Sonne zum Boden gelangt.
Der Nordrand ist lediglich über eine Schotterpiste zugänglich, dafür kann man am Südrand, wo sich auch das Besucherzentrum befindet, von vielen Aussichtspunkten den Ausblick auf den Canyon genießen und auch hinab in die Schlucht steigen. Ein grandioses Naturerlebnis!

Museum of the West & Ute Indian Museum

Darüber hinaus informieren in Montrose zwei Museen über Land und Leute: zum einen das Museum of the Mountain West, gegründet von Richard Fike (auf dem Foto), Historiker und Archäologe und Autor, 1997. Es ist ein Museumsdorf, mit 26 historischen und zwei originalgetreu nachgebauten Gebäuden, die eine Zeitreise in die Vergangenheit ermöglichen. Im Inneren der Bauten ist eine umfassende und vielseitige Sammlung historischer Artefakte zu bewundern, die Fike seit seinem 12. Lebensjahr zusammengetragen hat.

Das zweite sehenswerte Museum ist das Ute Indian Museum. Seit dem Vertrag von 1868 leben die Ute-Indianer nicht mehr in ihrer angestammten Heimat im Zentrum Colorados, sondern in Reservaten in Utah und im äußersten Südwesten Colorados. Deshalb wurde dieses Museum auf dem Landsitz eines ihrer berühmtesten Anführer, Chief Ouray, eingerichtet. Das Museum bietet bei moderner Präsentation einen guten Überblick über die Geschichte und Kultur der Utes und zeigt auch, wie sie heute leben. Auf dem Freigelände sind Teepees aufgestellt und wachsen ursprüngliche Pflanzen, im Museumsshop gibt es authentisches indianisches Kunsthandwerk und Schmuck.

Hommage an einen großen Indianer: Ouray

„Ein Freund der Weißen und zugleich ein Beschützer der Indianer!“ – obgleich die Regierung die Utes von Colorado ins benachbarte Utah umgesiedelt hatte, war die Tageszeitung Denver Tribune nach dem Tod von Chief Ouray im Sommer 1880 voll der Anerkennung. Keine 60 km südöstlich von Montrose, tiefer hinein in die Rockies, hat man eine ganze Ortschaft nach dem Chief benannt: Ouray.
1876 war der Ort als eine von vielen Minenstädten in Colorados Bergwelt im Zuge des Silberbooms entstanden. Zur Blütezeit waren in der Gegend an die 30 Minen in Betrieb. Heute lebt der Ort mit rund 1.000 EW vor allem vom Fremdenverkehr. Seine traumhafte Lage auf fast 2.400 m Höhe im Tal des Uncompahgre Rivers, umgeben von den mächtigen Gipfeln der San Juan Mountains (eine der Bergketten der Rockies) und ausgestattet mit heißen Quellen und einem fantastischen Outdoor-Angebot – von Canyoning über Rafting bis Ice Climbing im Ouray Ice Park (http://ourayicepark.com) – sind Grund genug hierher zu reisen.

Heiße Quellen und kühle Schluchten

Das kleine aber sehr informative Ouray County Historical Museum informiert über die Geschichte, ebenso wie viele historische Bauten: das County Courthouse, Wright’s Opera Hall, Hotels und Bars. Manchem mag die Kulisse bekannt vorkommen: Hier wurde 1968 der Western „True Grits“ mit John Wayne gedreht.
Nur eine Kostprobe von dem breiten Spektrum an Naturerlebnissen, das hier geboten ist, gibt eine Wanderung zu den durch eine enge Klamm erreichbaren Box Canyon Falls oder eine Jeep Tour ins Yankee Boy Basin.

Berühmt ist die etwa 3.800 m hoch gelegene Hochebene für die üppige Vielfalt an Wildblumen im Frühjahr, aber auch für das Panorama mit den mächtigen Gipfeln der San Juans, z. B. dem 4.300 m hohen Mount Sneffels.

Erholen kann man sich nach dem Wandern gut in den heißen Quellen des Ortes, z. B. im neu renovierten Ouray Hot Springs Pool.
Ambitionierte Wanderer (oder Fahrer von geländegängigen Autos) könnten im Sommer den Weg auf der Schotterpiste vom Yankee Boy Basin nach Telluride fortsetzen. Die rund 30 km lange Gesamtstrecke von Ouray dorthin, führt vorbei an diversen Minen und am Chicago Peak. Die Meisten umfahren jedoch das Bergmassiv um den Mt. Sneffels auf etwa 80 km Strecke, um Telluride zu erreichen.

Festival City Telluride

Telluride selbst ist heute wegen der vielen Musik- und Filmfestivals sowie als Skidestination bekannt und geht ebenfalls auf eine alte Bergwerkssiedlung zurück. Der Name des ca. 2.700 m hoch gelegenen Ortes könnte auf das chemische Element 52, „Tellur“, zurückgehen, doch die Version der Einheimischen, wonach es eine Verballhornung des Ausdrucks „to hell you ride“ klingt amüsanter.
Umgeben von hohen Bergketten, blickt man ostwärts auf die Ingram Falls, dahinter, nicht einsehbar, liegen die Bridal Veil Falls. Hier war schon 1895 eine Hydroelectric Plant erbaut worden, die der Ortschaft früh Elektrizität brachte. Den Silberboom 1872 löste in den 1890ern ein Goldrausch ab. So wurde aus Telluride nie ein Ghost Town wie aus vielen anderen Orten in Colorado, bis 1978 wurden sogar aktiv Minen betrieben.

Viel Geschichte und traumhafte Lage

Gleichzeitig gelang Telluride der Sprung in die Moderne, der Aufbau des Tourismus. 1972 wurde die erste Skisaison gefeiert, die Infrastruktur wurde ausgebaut und seither platzt der Ort im Winter wie im Sommer aus allen Nähten. Ungewöhnlich in Telluride ist die Zweiteilung: Da ist zum einen das Mountain Village (Foto rechts), wo die großen Hotelkomplexe stehen; den Anfang machte 1972 das Telluride Ski Resort. Der Ort liegt mit seinen rund 1.500 EW auf 2.900 m Höhe und wird mit dem Städtchen Telluride unten durch eine Seilbahn verbunden. Die „Gondola“ verbindet täglich von 6.30 bis Mitternacht in rund 15 Minuten beide Ortsteile, sie bietet grandiose Ausblicke und ist dazu kostenlos!
Alte Bauten wurden restauriert und Neubauten dürfen bis heute nicht höher als drei Stockwerke sein. Große Teile des Orts mit seinen etwa 2.500 EW stehen im Telluride Historical District heute unter Denkmalschutz. Zu den sehenswertesten alten Bauten gehört das New Sheridan Hotel – „new“, weil es 1898 nach dem „Great Fire“ neu aufgebaut wurde –, mit einer sehenswerten, alten Bar, die in Tirol gefertigt worden ist, mit Gästezimmern und Lokal. Ebenfalls in einem historischen Bau – ein Hospital von 1896 – ist das Telluride Historical Museum (Foto links) eingezogen, das gute Hintergrundinformationen zur Geschichte der Stadt gibt. Ein Ausstellungsstück hat sogar überregionale Bedeutung: Das Telluride Blanket, eine gewebte Decke, ist das einzige große Textil aus der Zeit der Ancestral Puebloans, der Vorfahren der heutigen Pueblo-Indianer aus dem 11./12. Jh.!

Telluride war schon immer gut situiert und der legendäre Bandid Butch Cassidy soll hier seinen ersten Banküberfall ausgeführt haben. Ungestört konnte er mit einem Kumpel $ 20.000 erbeuten und ungestört davon reiten. Heute unterhalten zahlreiche Stars hier ihre Feriendomizile, darunter Tom Cruise, Oprah Winfrey oder Ralph Lauren, der die riesige Double RL Ranch in Nähe betreibt. Was auch damit erklärbar ist, dass nicht nur die kulturelle, sondern auch die kulinarische Szene im Ort (mit z. B. Sidework Restaurant oder der Telluride Brewing Company) exzeptionell ist.

INFOS:
www.visitmontrose.com
www.ouraycolorado.com
www.visittelluride.com

Hoteltipps:
Ouray: Twin Peaks Lodge and Hot Springs (Fotos), www.twinpeakslodging.com
Montrose: Hampton Inn, http://hamptoninn3.hilton.com/en/hotels/colorado/hampton-inn-montrose-MTJCOHX/index.html
Lumiere: Hotel Telluride, www.lumieretelluride.com

© Text: Dr. M. Brinke – Dr. P. Kränzle, Fotos: alle M. Brinke

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