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USA-Westen: Route 66 – The Road and the Romance. Sonderausstellung im „Autry“ Los Angeles

NEWS AUS LOS ANGELES zusammengestellt von den Autoren des Bandes „USA – Der Westen“ M. Brinke – P. Kränzle, Mai 2014

„The Autry“ ist nicht nur ein außergewöhnliches Museum für Western Art, es lockt Besucher auch immer wieder mit spektakulären Sonderausstellungen. Zur Zeit steht das Autry, gegenüber dem Los Angeles Zoo im Griffith Park gelegen, ganz im Zeichen der legendären Route 66. Vom 8. Juni 2014 bis Januar 2015 wird die „Mother Road“ mit der Ausstellung „Route 66: The Road and the Romance“ (©The Autry). gewürdigt, dazu finden zahlreiche Sonderveranstaltungen wie Vorträge, Filme und eine Autoshow mit Classic Cars statt. In den Museumsräumen werden über 200 Artefakte, von Benzinzapfsäulen und Schildern über John Steinbecks Hand geschriebenem Manuskript von „Früchte des Zorns“ oder Jack Kerouacs „On the Road“ bis hin zu Fotos von Dorothea Lange und Songs u.a. von Woody Guthry, zu sehen bzw. zu hören sein. 1-AutryPosterRte66In seinem Monumentalwerk „Früchte des Zorns“ beschrieb Literaturnobelpreisträger John Steinbeck die Bedeutung der Route 66 als „Mother Road“, als Mutter aller Straßen. Während ihr in Deutschland ein besonderes Flair anhaftet und sie mit Motorrädern und Oldtimern, Freiheit und Weite assoziiert wird, verbinden die meisten Amerikaner – im Sinne Steinbecks – mit der Route 66 die „Straße eines Volkes auf der Flucht“. In den 1930ern, während der Wirtschaftskrise und der Zeit der Naturkatastrophen, dem so genannten Dust Bowl, zogen Hunderttausende auf der Route 66 aus dem Mittleren Westen ins „Gelobte Land“ Kalifornien.

2-HistRte66-IllinoisMythos „Mother Road“

Die Straße war ab 1926 als erste durchgehende Verbindung zwischen Chicago im Mittleren Westen und Los Angeles an der Westküste konstruiert worden. Bis dahin hatte es nur eine einzige Straße gegeben, die Ost und West miteinander verband: der 1913 eröffnete, 5454 km lange Lincoln Highway zwischen Times Square in New York und Lincoln Park in San Francisco. Als Väter der „Mother Road“ gelten Cyrus Stevens Avery aus Tulsa (Oklahoma) und John T. Woodruff aus Springfield (Missouri). Auf ihre Initiative hin machte man sich 1926 daran, die Ost-West-Überlandroute Stück für Stück auszubauen, zunächst, indem man bestehende Straßen miteinander verband. Bei der Planung der damals 2448 Meilen (ca. 3940 km) langen Strecke zwischen Chicago und Los Angeles war nicht der kürzeste Weg das Ziel, sondern es sollten möglichst viele Ortschaften angebunden werden. So hielt in mancher entlegener Gegend plötzlich die Moderne Einzug.
4-HistRte66-SpringfieldRte66Fest1938 war die Strecke durchgehend gepflastert und der Verkehr nahm ständig zu. Unter den damaligen Reisenden befand sich auch Robert William „Bobby“ Troup, Jr. aus Harrisburg, Pennsylvania. Der einstige Pianist der Tommy Dorsey Band verfasste auf der Fahrt auf der Route 66 eine „lyrische Landkarte“ und komponierte den Song „Get Your Kicks Route 66“. Erstmals zu hören war das Lied 1946 auf einer Platte von Nat King Cole, weltberühmt machten es die Rolling Stones 1964.  Im Laufe der Jahrzehnte entwickelte sich entlang der Strecke eine Infrastruktur mit Motels, Diners, Tankstellen und Werkstätten – heute historische Attraktionen. Die schmale, oft kurvenreiche Landstraße war jedoch als wichtige Transkontinentalverbindung schon bald dem Verkehr nicht mehr gewachsen. Sie wurde auf vier Fahrbahnen erweitert, Begradigungen und Ortsumfahrungen entstanden und als logische Konsequenz initiierte 1956 Präsident Dwight D. Eisenhower den „Federal Interstate Highway Act“ mit dem überall im Land moderne Autobahnen entstanden. Die Route 66, die einst acht Bundesstaaten durchquerte, geriet dadurch mehr und mehr in Vergessenheit und wurde 1985 offiziell aus den Karten gestrichen.

6-ClintonOK-Rte66Mus-ExhibitRevival der Route 66

Doch die „Main Street of America“ erlebte bald ein Revival: Erste Route 66 Associations entstanden 1987 in Arizona und 1989 in Missouri. Diese Zusammenschlüsse von Freunden und Förderern wollte die Erinnerung an die Straße wach halten und noch vorhandene Teilstücke, Bauten und Erinnerungsmale am Weg schützen und renovieren. Inzwischen verfügt jeder der acht einstigen Anrainerstaaten über eine eigene Route 66 Association. 1999 unterzeichnete Bill Clinton ein Gesetz zum Schutz der Route und seit September 2005 sind Teilstücke der Route 66 in den Bundesstaaten Illinois, Oklahoma, New Mexico und Arizona unter der Bezeichnung „Historic Route 66“ sogar als „National Scenic Byway“ ausgewiesen. 5-AZ13-Rte66SignBesonders jene Abschnitte, die noch den originalen Pflasterbelag aufweisen, vermitteln das Gefühl, die Zeit sei stehengeblieben. Die Route 66 lebt in erster Linie von den Menschen entlang der alten Strecke, die die Erinnerungen wach halten. Daran möchte die Ausstellung „Route 66: The Road and the Romance“ als erste überregionale Ausstellung, die sich ganz dem Mythos der Überlandstraße und ihrer historischen und sozialen Bedeutung widmet, anknüpfen.

• Infos: The Autry, 4700 Western Heritage Way, Griffith Park, Los Angeles/CA, http://theautry.org, Di-Fr 10-16, Sa/So 10-17 Uhr, $ 10.

© Text & Fotos: M. Brinke – P. Kränzle mit Ausnahme Ausstellungsposter (©The Autry).

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