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USA News # 5

New York City lebt wieder

„Wir sind in der vierten und letzten Phase des Reopening,“ erklärte zuletzt New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo. Damit dürfen jetzt auch „non-essential businesses“ Kunden empfangen. Neben Läden sind seit Kurzem auch Malls (bis zu 50% Kapazität und unter strengen Hygieneregeln) wieder geöffnet, ebenso Schulen und sogenannte Low-Risk Outdoor & Indoor Arts & Entertainments. Das bedeutet beispielsweise, dass in den vier Zoos der Stadt sowie den zwei Botanischen Gärten auch wieder Veranstaltungen (bis zu 1/3 der Kapazität) erlaubt sind.

Neben Baseball startete am zweiten September-Wochenende auch die National Football League die neue (101.!) Spielzeit. Allerdings sind in New York zu den Begegnungen weiterhin keine Zuschauer erlaubt; in anderen Bundesstaaten sieht dies anders aus (siehe dazu: www.nfl.com).

Lokale in NYC dürfen gegenwärtig ihre Innenräume nicht nutzen, es stehen lediglich die Außenflächen zur Verfügung. Alkohol darf derzeit nur an Gäste verkauft werden, die zugleich Essen bestellen.

Weitere Hinweise zum Reopening in NYC:

  • Ab 12. September öffnet erstmals seit Dezember 2019 der Chelsea Flea Market. Jeden Samstag und Sonntag ist der Flohmarkt ab 8 Uhr geöffnet.
  • Weitere Museumseröffnungen stehen an: am 11. September die New-York Historical Society, am 17. September MoMA PS1, am 25. September das Intrepid Sea, Air & Space Museum und das Guggenheim Museum ab 3. Oktober. Vom Jahrestag, dem 11. September an, wird auch das 9/11 Museum wieder zu besichtigen sein.
  • Sowohl Liberty Island als auch Ellis Island stehen Besuchern offen, ebenso die zugehörigen Museen (mit Einschränkungen) und Imbiss-Außenbereiche sowie Museumsläden. Nur die Statue of Liberty selbst bleibt weiter geschlossen. Das Fährticket kostet derzeit $ 19,25 (www.statuecruises.com).

Infos zum Reopening in NYC: www.nycgo.com/whats-open-in-nyc

Minneapolis nach dem Tod von George Floyd

An sich verbindet man ja die Metropole Minneapolis vor allem mit dem Namen eines legendären Musikers – Prince –, seit Mai 2020 hörte man jedoch häufiger den Namen George Floyd. Der Afroamerikaner war von einem Polizisten getötet worden, die Folgen sind bekannt: Demonstrationen weltweit gegen Rassismus und Polizeigewalt sowie landesweite Forderungen nach einer Verschlankung und Entmilitarisierung der Polizei.

Derzeit wird im Stadtrat von Minneapolis ein Vorschlag diskutiert, die Polizei im Laufe der Zeit ganz abzuschaffen und durch ein „Department of Community Safety and Violence Prevention“ zu ersetzen. In dieser neuen Behörde würde es keine „normalen“ Polizisten mehr geben, sondern speziell ausgebildete „Peace Officers“. Die liberalen Stadträte, von denen diese Idee stammt, haben jedoch nicht mit dem Widerstand der Bürger gerechnet. Ausgerechnet in North Minneapolis, jenem Viertel, in dem der Mord passierte und das über einen hohen Schwarzenanteil verfügt schlugen die Wellen hoch. Vier afroamerikanische und vier weiße Familien haben die Stadt verklagt und wollen erreichen, dass die Polizei nicht nur in abgespeckter Form erhalten bleibt, sondern wieder deutlicher Präsenz in ihrem Viertel zeigt.

Nach Recherchen der lokalen Zeitung, „Star Tribune of Minneapolis“, hat die städtische Polizei seit Mai bereits 10 % ihrer Officer verloren; bis zum Jahresende könnte ein Drittel der Sollstärke von 888 Polizisten fehlen. Geichzeitig klagen die Bewohner von North Minneapolis über eine Zunahme der Kriminalität – Schießereien unter Gangs, Morde, Plünderungen und Drogenhandel gehören hier fast schon zum Alltag. Die Kläger fordern zwar eine „radikale Polizeireform, nach der alle Bürger endlich gleich behandelt werden“, doch soll das auf keinen Fall auf Kosten der Sicherheit in ihrem Viertel bzw. in der ganzen Stadt gehen bzw. lediglich dem besseren Ansehen einiger Politiker dienen.

„Es muss möglich sein, dass wir einerseits für ‚Black Lives Matter’ auf die Straße gehen, aber andererseits diejenigen stoppen, die die Proteste zum Randalieren und Plündern nutzen,“ meinte eine der Klägerinnen gegenüber der Tageszeitung „Star Tribune “. Sie erinnert auch an einen Ausspruch von Martin Luther King Jr. in den 1960er-Jahren, der bis heute leider nichts an Aktualität eingebüßt hat: „Krawalle sind die Sprache der Ungehörten. Und was hat Amerika nicht gehört? Es hat nicht zugehört, dass die Misere der Afroamerikaner immer stärker zugenommen hat.“. King führte auch schon damals die wichtigsten Garanten für ein friedliches Miteinander an: wirtschaftliche Prosperität und soziale Gerechtigkeit.

Infos: http://www.minneapolis.org

Ein heißer Sommer im Westen

 

Eigentlich gehören Brände seit Jahrhunderten zum Westen der USA. Für die Natur sind und waren sie stets ein wichtiges Regulativ. Manche Pflanzenarten brauchen Feuer, damit sich die Samen öffnen und austreiben können, das Gleiche gilt für die Erneuerung der Präriegräser. Das wussten schon die Prärie-Indianer – sie legten deshalb beim Ausbleiben von durch Blitzen ausgelösten Bränden selbst Feuer. Das neu sprießende Gras lockte die Bisons an und diese waren einst ihre Lebensgrundlage.

Die Brände, die heuer durch den Westen der USA fegen, sind allerdings alles andere als „normal“. Wie jedes Jahr liegt hierzulande das Hauptaugenmerk auf Kalifornien, doch es loderte und lodert auch in Colorado und Washington State. Gerade dort, östlich der Küstenbergkette der Cascades brennt es in vielen Regionen. Insgesamt sind derzeit etwa 85 Feuer an der Westküste zwischen California, Oregon und Washington State gemeldet – so viele wie noch nie! Tausende von Menschen sind vor den Flammen auf der Flucht, ganze Landstriche verbrannt. Angefacht werden die Brände derzeit durch heftige Winde und die seit Wochen herrschende Hitzewelle.

Dieses Mal sind die meisten Feuer auf natürliche Weise ausgelöst worden: durch Blitzeinschläge. Allerdings ist das Ausmaß der Brände heuer ungewöhnlich, und das hat mehrere Gründe. Der Klimawandel mit heißeren und trockeneren Sommern ist einer, ein weiterer heißt „urban sprawl“: Immer mehr Menschen zieht es aus den teuer werdenden Metropolen hinaus aufs Land, tiefer in die „Wildnis“ hinein, die es in weiten Teilen des Westens durchaus noch gibt, anders als hier in Europa.

Mit diesem Faktor zusammen hängt das Missmanagement der Forstbehörden. Lange hat man nämlich verkannt, dass die jährlichen Brände auch reinigenden Charakter hatten: Sie vernichteten das vertrocknete Gestrüpp. Besonders dort, wo es über Jahre liegen blieb, konnten sich jetzt Brände explosionsartig ausbreiten.

Ein anderer Grund für Brände ist die vernachlässigte Elektro-Infrastruktur in vielen Teilen des Westens. Jeder US-Besucher wird sich schon einmal über lose herunterhängende Stromkabel, über oft verrostete Verteilerkästen oder aus Baumstämmen schnell gefertigten, windschiefe Stützen gewundert haben. Gerade die Feuer 2018 in California waren auf die miserable Infrastruktur des Energieversorgers P.G & E. (Pacific Gas and Electric Co.) zurückzuführen. Immer wieder sind es nämlich Kurzschlüsse, die Feuer auslösen und beschleunigen.

© Text & Fotos: Dr. Margit Brinke – Dr. Peter Kränzle

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