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USA-Neuengland: Bangor – das Tor in die „Maine Highlands“

Eine Reisetipp von den Autoren mehrerer USA-Bände, darunter „USA-Nordosten“ oder „USA-Ostküste“, Margit Brinke – Peter Kränzle, September 2017

„Es ist schwierig sich ein Gebiet vorzustellen, das nicht von Menschen besiedelt ist. Aus Gewohnheit gehen wir davon aus, dass sie überall sind und wirken. Und doch haben wir die reine Natur noch nicht gesehen, wenn wir sie nicht, trotz der Städte ringsum, derart unüberschaubar und trist und unmenschlich gesehen haben. Hier war Natur etwas Wildes und Schreckliches, trotzdem Schönes.“

Der Naturphilosoph Henry David Thoreau (1817-1862) war sichtlich beeindruckt von der Wildnis um den Mount Katahdin im Norden des Bundesstaates Maine. Auf drei Reisen, Mitte 19. Jh., erkundete er in Begleitung von Freunden und lokalen Penobscot-Indianern die Bergwelt im nördlichen Maine. Würde er heute, 200 Jahre nach seiner Geburt, erneut eine Reise in die „Maine Highlands“ unternehmen, dürfte ihn die Unberührtheit der Landschaft noch immer beeindrucken. Hier in der Nordost-Ecke der USA scheint die Zeit stehengeblieben zu sein.

Bangor: „Queen City of Maine“

Zentrum von Bangor

Für Besucher der Maine Highlands war und ist die Stadt Bangor Ausgangs- und Endpunkt. Die „Queen City of Maine“, mit etwa 33.000 Einwohnern die drittgrößte Stadt in Maine nach Portland und Lewiston, war einst das Zentrum der Holzindustrie. Die endlosen Wälder im Norden versprachen unbegrenzten Holznachschub und zudem machte die Lage am Pensobscot River den Ort zum idealen Verkehrsknotenpunkt; hier gingen Dampfschiffe vor Anker und kamen Züge an. Erst 1769 war in der Heimat der Pensobscot-Indianer, deren Nachkommen heute noch in einem nahen Reservat leben, eine erste weiße Siedlung entstanden, die 1791 zur Stadt ernannt wurde. Damals war das spätere Maine noch Teil des Bundesstaats Massachusetts; erst 1820 wurde es als eigener Staat in die Union aufgenommen.

Heimat von Stephen King

Stephen Kings Wohnhaus

Schlendert man durch die beschauliche Innenstadt von Bangor um Main, State und Central Street, fällt zunächst die stilistisch einheitliche Architektur ins Auge. 1919 durch ein verheerendes Feuer zerstört, wurde die Stadt in einem Guss wieder aufgebaut – und dank des Reichtums vieler Bürger, die von der Holzindustrie profitierten, entstanden prächtige Bauten. Speziell die Wohnviertel der Wohlhabenden – wie der Whitney Park Historical District – zeigen luxuriöse Villen mit üppigen Gärten. In einem dieser Häuser am West Broadway (Foto) ist der berühmteste Sohn der Stadt zuhause: der Romanautor Stephen King.
Entlang dem Kenduskeag Stream, der in den Penobscot River mündet, ist eine Promenade entstanden, die sich am mächtigen Penobscot fortsetzt und sich zur Bangor Waterfront ausweitet.

Geaghan’s Brauerei in Bangor

Hier befindet sich eine große Freiluftbühne, in der im Sommer und Herbst an jedem Wochenende etwas geboten ist, von Konzerten (www.waterfrontconcerts.com) bis zum legendären Beer Festival. Letzteres belegt die bis dato kaum bekannte Tatsache, dass Maine nach Oregon und Colorado die bedeutendste Craft-Beer-Szene in den USA aufweist. Geaghan’s ist nur eine von mehreren Brauereien in Bangor.

Holzhacker und grandiose Fahrzeuge

Statue von Paul Bunyan

Zu den Attraktionen von Bangor gehört neben einer über neun Meter hohen Statue von Paul Bunyan – einem sagenhaften Holzfäller und Symbol der Holzindustrie (Foto) –, die Thomas Hill Standpipe. Dieser 1897 über der Stadt erbaute Wasserspeicher wird auch „Crown of Bangor“ genannt. Sehenswert ist darüber hinaus der Mount Hope Cemetery, der zweitälteste, parkartig angelegte Friedhof der USA von 1834.
Die wohl überraschendste Attraktion der Stadt verbirgt sich jedoch in einem unscheinbaren Hallenbau und trägt einen etwas sperrigen Namen: Galen Cole Family Land Transportation Museum. Hier hat der gleichnamige Fuhrunternehmer seine fantastische Sammlung an Fahrzeugen untergebracht und seit 1989 als Museum der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.  Über die Jahrzehnte hat Cole alle möglichen Fahrzeuge gesammelt, die einmal auf den Straßen und Wegen von Maine unterwegs waren. Sogar eine alte Bahnstation, Loks und Bahnwagons sind zu sehen, neben Kutschen, Autos, Bussen und LKWs, Fahrrädern, Schlitten, Kinderwägen, Motorrädern, landwirtschaftliche Fahrzeugen, Militärfahrzeugen, einer überdachte Holzbrücke und einem Hubschrauber.

Praktische Tipps:
• Infos zu Bangor/ME: www.visitbangormaine.com
• Maine Highlands: http://themainehighlands.com

© Text: Dr. M. Brinke-Dr. P. Kränzle, Fotos: M. Brinke mit Ausnahme Bangor Downtown, Paul Bunyan Statue, Baxter SP (Maine Office of Tourism) sowie Geaghans Brewery (Foto: Brauerei).

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