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Reisetipp Kanada: Chopsticks & Forks – kanadische Spezialitäten in Toronto

Ein kulinarischer Spaziergang durch das trendige Toronto von den Autoren mehrerer USA-Bände, darunter „USA-Nordosten“, Dr. Margit Brinke – Dr. Peter Kränzle, Dez. 2019.

Kensington Market

Abgesehen vom Ahornsirup hat Kanada keinen besonderen Ruf unter Feinschmeckern. Dabei bietet gerade Toronto nicht nur ein unglaublich großes Spektrum an Spezialitäten aus aller Welt, in der kanadischen Metropole am Lake Ontario ist es zudem auf unterhaltsame Weise möglich, typische Spezialitäten aus ganz Kanada zu kosten.

Toronto, die größte Metropole des Landes, gilt als eine der ethnisch vielfältigsten Städte der Welt. Da duftet es in Little India nach Curry, in Greektown trifft man sich im Kafeneion oder in Chinatown hängen die gebratenen Enten im Schaufenster. Das kulinarisch wohl spannendste Neighborhood ist jedoch Kensington Market, jener Stadtteil, der sich westlich der Innenstadt um Augusta Ave., Kensington Ave. und Bellevue Square Park ausbreitet. Das einstige jüdische Viertel erlebte in den 1970er-Jahren einen verstärkten Zuzug von Hippies aus ganz USA und später von Immigranten aus aller Welt. Bunte Häuschen, Wandmalereien und Aussteiger prägen das Viertel noch immer stark, doch zugleich fällt die kulinarische Vielfalt auf, die von einem Café der Ureinwohner, über mexikanische Lokale oder der Kensington Brewery bis zu einer Berliner Dönerbude reicht.

Epizentrum des Essens: Kensington Market

Kensington Market Mural

Zur Auswahl steht eine ganze Reihe von Lokalen, die typisch kanadische Spezialitäten – oft mit dem gewissen Kick – anbieten. Auf der Suche nach den passenden Leckerbissen lässt man sich am besten von einem einheimischen Kenner helfen. Jusep Sim (Foto) ist Fachmann und der perfekte Tourguide. Seit 2016 führt er Besucher in die kulinarischen Geheimnisse Torontos und des Kensington Market ein. Dabei geht es aber längst nicht nur ums Essen, Geschichte, Wirtschaft, Bevölkerung, Kunst und Kultur spielen ebenfalls eine Rolle.
Zum Beispiel geht es auf seiner empfehlenswerten Great Canadian Food Tour um das Geheimnis der Bagels: Wer weiß schließlich schon, dass es den 1610 erstmals in einem Dokument aus Krakau erwähnte jüdische Hefekringel in zwei Varianten gibt: „Der Montréal Bagel,“ erklärt Jusep, „ist kleiner als der New York Bagel und enthält im Teig kein Salz, dafür aber Eier. Vor dem Backen wird er ebenfalls kurz in kochendes Wasser getaucht, in diesem ist jedoch etwas Honig drin.“ Dass der Montréal Bagel dadurch eine leicht süßliche Note erhält, kann man im kleinen Imbiss NuBügel (240 Augusta Ave., http://nubugel.com) testen. Dort werden die im Holzofen gebackenen Bagels in unterschiedlichen Varianten und mit diversen Belägen, z. B. Lachs oder Räucherforelle, angeboten. Eine jüdische Familie aus Venezuela betreibt den Shop. Der Name „Bügel“ leitet sich übrigens von einer Legende ab, nach der das Gebäck in Wien erfunden worden sein soll und wegen seiner Ähnlichkeit mit einem Steigbügel so benannt wurde …

Auf Foodtour mit Jusep

Nicht weit entfernt lockt das Pow Wow Café (213 Augusta Ave., www.facebook.com/CafePowWow), von Ojibwa-Indianern betrieben. Angeboten wird vor allem das derzeit wohl beliebteste indianische Gericht Nordamerikas, Indian Tacos (Foto), allerdings in kreativen Variationen. Chef Shawn Adler garniert das Frybread – den in ganz Nordamerika beliebten, von Navajo-Indianern erfundenen und in Fett ausgebackenen Hefefladen – nicht nur mit typisch indianischen Produkten wie Kürbis, Wildreis oder Mais, sondern auch mit exotischen Früchten und Gewürzen – oder serviert es süß mit Ahornsirup.
„Frischer Fisch ist im Osten Kanadas schon immer ein Leckerbissen!“ Jusep (Foto) deutet auf Fresco’s Fish & Chips (201 Augusta Ave, https://frescosfishandchips.com). In dem einfachen, gemütlichen Lokal, dessen Wände voll mit Beatles-Memorabilien hängen, kann man sich davon überzeugen. So frisch, knusprig und zart bekommt man Heilbutt, Kabeljau oder Schellfisch selten, dazu passt z. B. ein fein abgeschmeckter Grünkohl-Salat.
Pommes sind überall beliebt, doch die Kanadier haben aus frittierten Kartoffeln ein Gourmet-Gericht gemacht: Poutine. Wie der Name andeutet, soll es in den 1950ern in Québec entstanden sein. Man nehme Pommes frites, geriebenen Cheddar-Käse und gieße gute Bratensauce darüber – fertig ist Poutine! Inzwischen findet man in Toronto fast an jeder Ecke Poutine Shops. Moo Frites (Foto; 178 Baldwin St., http://moofrites.com), zählt jedoch zu den Topspots unter Poutine-Kennern, zumal man den kanadischen Klassiker z. B. auch in einer asiatischen Version bekommt.

Schinkensemmeln in der „Schweinestadt“

Warum Toronto einst den Spitznamen „Hogtown“ hatte, erfährt man bei Bacon Nation (249 Augusta Ave., https://baconnation.com). Um 1900 befand sich im Westen der Stadt nicht nur die größte Schweineschlachterei, von hier wurde das ganze British Empire mit Schweinefleischprodukten versorgt. „Bacon Nation“ begann 2012 mobil, als Food Truck, eröffnete aber schon bald dieses Lokal. Peameal Bacon, eine Spezialität, kam auf, um den berühmten Canadian Bacon haltbarer zu machen. Gerollt in Erbsenmehl (heute Maismehl) schmeckt die milde Schweinelende zum Frühstück mit Eiern und Bratkartoffeln ebenso wie auf einem Sandwich mit viel Senf.

St. Lawrence Market

„Home of the World Famous Peameal Bacon on a Bun“ nennt sich übrigens die Carousel Bakery im St. Lawrence Market (http://www.stlawrencemarket.com), einem weiteren kulinarischen Zentrum in Toronto.
Jusep leitet über zum Dessert: Moonbean Coffee Co. (30 St. Andrew St., www.moonbeancoffee.com) ist der geeignete Ort. Neben einer Tasse Espresso oder Kaffee gibt es eine Nanaimo Bar zum Probieren. Benannt nach der westkanadischen Stadt besteht dieses Dessert aus drei Lagen: einer Unterlage aus zerkrümelten Waffeln, Nüssen und Kokos, einer Cremefüllung und einer Schokoschicht.

Butter Tarts bei Wanda’s Pie in the Sky

Im Unterschied dazu sind die kleinen Pies bei Wanda’s Pie in the Sky (287 Augusta Ave, www.wandaspieinthesky.com) knusprig gebacken. Eine weitere kanadische Spezialität sind die Butter Tarts, die hier besonders buttrig schmecken. Außer diesen gibt es bei Wanda’s jedoch Dutzende anderer Pie-Versionen.

Weitgereist und kulinarisch bewandert

Jusep Sim, der die Touren „Chopsticks+Forks“ 2017 ins Leben gerufen hat und auch leitet, weiß wovon er spricht. Mit Stolz berichtet er von den über 50 Ländern weltweit, die er bereits besucht hat und betont, dass Essen der Schlüssel zu einem Land, zu einer Kultur sei. Der alleinerziehende Vater, Absolvent der University of Toronto, mit südkoreanischen Wurzeln seitens der Eltern, ist ein „Foodie“ durch und durch und gibt diese Passion sowie die Liebe für seine Heimatstadt gern und kenntnisreich an Besucher weiter.

INFOS:
www.chopsticksandforks.com. Außer der The Great Canadian Food Tour gibt es eine Kensington Market International Food Tour. Infos zur Stadt: www.seetorontonow.com

Übernachtungstipp

Chelsea Hotel Toronto
Es liegt mitten im Zentrum Torontos, nur wenige Schritte vom Eaton Centre entfernt. Mit 1590 Zimmern ist Kanadas größtes Hotel Business-, Familien- und Urlauberunterkunft in einem. 1975 in einem Apartment-Hochhaus – daher die Balkone – eröffnet, war es das erste Hotel, das ein Familienprogramm und Kindereinrichtungen anbot. Abgesehen von der indisch inspirierten T|Bar gibt es den Market Garden mit Espresso-Bar.
INFO: Chelsea Hotel Toronto, 33 Gerrard St. W, Tel. (416) 595-1975, www.chelseatoronto.com

© Text: Drs. M. Brinke-P. Kränzle
© Fotos: M. Brinke sowie Chelsea Hotel

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