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Happy Birthday New Orleans – The Big Easy feiert 300. Geburtstag

Eine Reisetipp von den Autoren mehrerer USA-Bände, darunter „USA-Ostküste“, Margit Brinke – Peter Kränzle, April 2018


New Orleans – kurz „NOLA“– stand schon des Öfteren am Rande des Abgrunds, doch die „Grand Old Dame“ hat sich im Laufe ihrer Geschichte nie unterkriegen lassen. Anlässlich ihres 300. Geburtstags putzt sich die Metropole 2018 daher auch ganz besonders heraus. Als inoffizielles Gründungsdatum wird der 7. Mai angegeben, doch so ganz genau weiß wohl niemand, an welchem Frühlingstag im Jahre 1718 Jean-Baptiste Le Moyne de Bienville (Foto) an einer Biegung des Mississippi im Auftrag der königlichen Compagnie du Mississippi den Grundstein für La Nouvelle-Orléans legte.

NOLA – Liebeserklärung an eine ungewöhnliche Stadt

„NOLA“ ist alles andere als eine „normale“ Stadt und auch keine typische US-Metropole: New Orleans ist laut und bunt, hier treffen Verfall und Pracht, Laissez-faire und Business, Voodoo und Friedhöfe, Mardi Gras und Streetcars, Brassbands und Jazz aufeinander. Die Stadt gibt sich tagsüber verschlafen und bedächtig wie der träge dahinfließende Mississippi, nachts karibisch temperamentvoll, fast dekadent.

Schon im 18. Jahrhundert war NOLA bekannt für ihr buntes Völkergemisch – französische Kleinadlige, Bauern aus Deutschland, Zuwanderer von den Kanaren, Händler aus der Karibik (Creole), französische Vertriebene aus Kanada (Cajuns), Indianer und frei gelassene Sklaven, Iren und Briten – und ist es heute noch.

1762 wurde die Stadt vom französischen Königshaus kurzerhand der spanischen Verwandtschaft übergeben – und damit dem britischen Zugriff entzogen – um 1800 zurück in Besitz Frankreichs zu gelangen. Drei Jahre später verkaufte Napoleon dann die französischen Besitzungen einschließlich New Orleans an die USA.

Bourbon Street

300 Jahre wechselvolle Geschichte mit Höhen und Tiefen, einschließlich der verheerenden Flutkatastrophe nach Hurricane Katrina im September 2005. Damals schrieb der lokale Autor Tom Piazza mit seinem Buch „Why New Orleans Matters“ eine unvergleichliche Liebeserklärung an seine Heimatstadt – noch heute lesenswert und als Pflichtlektüre empfohlen!
Doch weder wechselnde Machthaber noch Naturkatastrophen konnten der Unbeschwertheit und dem Optimismus der Bewohner etwas anhaben. Nicht grundlos nennt man die Stadt „The Big Easy“ und preist die besondere Atmosphäre, die die über 10 Mio. Besucher im Jahr aus vollen Zügen genießen.

News Orleans – Altbekannte und neu zu entdeckende Viertel

Hauptanziehungspunkt ist das French Quarter und dort vor allem die Bourbon Street mit ihren Bars und die Royal mit ihren Galerien und Läden. Das Herz schlägt am zentralen Jackson Square mit der Kathedrale und all den bunten Verkaufsständen, Straßenperformern und Wahrsagern. Im amerikanisch geprägten, grünen Garden District mit seinen prächtigen Villen geht es vornehm zu und im Central Business District geschäftig.

Inzwischen rücken andere Viertel auf der Beliebtheitsskala nach oben: So entwickelt sich der ehemalige Warehouse District (ein Industrieareal) jenseits der zentralen Canal Street zum beliebten Wohnviertel mit angesagten Lokalen wie „Butcher“ oder „Cochon“. Noch weiter „upriver“ hat sich im Garden District die Magazine Street zur beliebten Bummel-Allee mit ausgefallenen Läden wie „Bootsy’s Funrock’n“ (#3109) oder H. Rault Locksmiths (#3027) und Lokalen wie „Dat Dog“ (#3336), „Joey K’s (#3001) oder „Lilette“ (#3637) gemausert. Mit Tipitina’s (501 Napoleon St.) befindet sich nicht weit entfernt eine der berühmtesten Musikbars der Stadt, außerdem die NOLA Brewery (3001 Tchoupitoulas St.).
In Sachen Nachtleben ist man auch gut in der Frenchmen Street, im Faubourg Marigny, angrenzend ans French Quarter, aufgehoben. Angesagte Musikkneipen wie d.b.a., Snug Harbor (Foto) oder Blue Nile laden hier ein, außerdem nicht versäumen: die Louisiana Music Factory (www.louisianamusicfactory.com), mit einem grandiosen Angebot an CDs, Platten und T-Shirts. Gleich um die Ecke: die kleine, aber feine neue Brieux Carré Brewing Company (www.brieuxcarre.com).
Auch das angrenzende Bywater und St. Roch mit dem gleichnamigen Gourmetmarkt, sind neue Geheimtipps. Nur wenige Schritte nördlich der St. Charles Street, entlang der die berühmten, historischen grünen Straßenbahnen verkehren, finden sich in Central City nicht nur das Southern Food & Beverage Museum (https://natfab.org/southern-food-and-beverage) und das New Orleans Jazz Market, sondern auch Läden und Lokale wie der Dryades Public Market in einer ehemaligen Schule. Ähnlich up & coming ist Mid-City um die Kreuzung der Canal Street mit der Carrollton Avenue.

Jung Hotel – Historisches Luxushotel erlebt Wiederauferstehung

Auch die Hotelszene der 300-jährigen Metropole erlebt derzeit einen neuen Frühling und bestes Beispiel hierfür ist das im März 2018 offiziell neu eröffnete Jung Hotel an der Upper Canal Street. Am 19. Dez. 1907 war der Bau vom Reißbrett der renommierten Architekturfirma Weiss & Dreyfus mit großem Prunk an der Ecke Canal/Howard St. eröffnet worden. Die deutschen Wurzeln sind unverkennbar: Leon Jacobs und Alfred Danziger hießen die Manager, Peter Jung, Sr., Peter Jung, Jr., and A.L. Jung die Besitzer. Das Luxushotel, das graduell erweitert wurde, galt als das gesellschaftliche Zentrum der Stadt, wurde genutzt zu Galas und Mardi-Gras-Bällen, Empfängen und Hochzeiten. Prominente und Stars gingen hier ein und aus, Tony Bennett oder Al Hirt traten im großen Ballsaal auf und man legte höchsten Wert auf guten Service und allen Luxus.
1969 galt das Jung als New Orleans größtes Hotel mit 1.200 Zimmern. Es folgten mehrere Besitzerwechsel und nach Hurricane Kathrina stand der Bau endgültig leer. 2015 bis 2017 wurde dann renoviert und seit Kurzem erstrahlt das Haus der New Orleans Hotel Collection in neuem Glanz, mit 171 Gästezimmer und 36 Apartments. Die weitläufige Lobby in edlem Carrara-Marmor wurde mit dezent-eleganten Möbeln und Original-Kronleuchtern ausgestattet und Kunstwerke lokaler Künstler zieren öffentliche Bereiche wie Gästezimmer. Vom Pool Deck, erst recht aber von der oberen Dachterrasse (Event Space), ist der Ausblick grandios, doch man sitzt auch gut an der Lobby Bar oder im zugehörigen Lokal. Die Zimmer sind modern-geschmackvoll gestaltet mit großen Badezimmern und guter Ausstattung. Ein Café der Abita Roasting Company soll demnächst folgen.

Praktische Tipps
• Der Veranstaltungskalender ist gefüllt mit Feierlichkeiten und Events zum Stadtjubiläum. Eine Übersicht gibt es unter www.2018nola.com/events
• Infos zur Stadt: www.neworleans.com, www.neworleans.de
• Übernachten: Jung Hotel, 1500 Canal St., Tel. (504) 522-5864, www.junghotel.com

© Text: M. Brinke-P. Kränzle, Fotos: © M. Brinke

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