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Edle Tropfen aus dem Willamette River Valley – Eine Weinreise durch Oregon

Eine kleine Oregon-Weinreise mit den Autoren mehrerer USA-Bände, darunter „USA-Westen“ und „USA-Nordwesten“, Margit Brinke – Peter Kränzle, im Juli 2018

Inzwischen hat es sich herumgesprochen: Weine aus Oregon, besonders Pinot Noirs (Spätburgunder), zählen zu den edelsten Tropfen aus der „Neuen Welt“. Allerdings ist es nicht ganz einfach, Weine aus Oregon außerhalb dieses US-Bundesstaats zu kaufen, denn die Mehrheit wird auch hier genossen.

Willamette River Valley und McMinnville

Gerade im Willamette River Valley (Titelfoto), das sich südwärts der Metropole Portland erstreckt, reihen sich zahlreiche Weingüter aneinander, die meistens auch über Tasting Rooms verfügen.

Obwohl die Zahl der Weinproduzenten in den letzten Jahren enorm gestiegen ist, geht es in Oregons Weinregionen im Vergleich zum kalifornischen Weinland noch immer ruhig und idyllisch zu.
Je weiter man sich von Portland entfernt – im Umkreis der Kleinstadt McMinnville auf der Westseite des Tals oder auf der East Side zwischen Oregon City und Silverton – kann man noch interessante Entdeckungen machen. McMinnville selbst bietet sich als idealer Standort auf der Westseite des Willamette River Valley an. Abgesehen von Gästezimmern in Hotels wie dem historischen McMenamin‘s Hotel Oregon oder im neuen, schicken Atticus Hotel, ist man mit einem der geräumigen, bestens ausgestatteten großen Apartments der 3rd Street Flats, z. B. in einem alten Bankgebäude, bestens untergebracht.
McMinnville ist nicht allzu groß und zentrale Achse ist die 3rd Street. Läden (wie NW Food & Gifts) und kleine Lokale wie Nick‘s, wo sich einst und heute Winzer der Region gerne treffen, laden zum Bummel ein. Wenige Meilen südlich der Stadt liegt das Dorf Amity, hier befindet sich das gleichnamige Weingut von Myron Redford (Foto). Er war einer der Pioniere des Pinot Noir in Oregon in den 1970ern.

Willamette Valley West

Auf der Ostseite des Hügels von Amity liegt ein anderes, weniger bekanntes kleines Weingut namens „Keeler Estate“. Die deutschstämmige Gabriele Keeler und ihr Ehemann Craig erwarben hier 1989 Land, zunächst als Rückzugsort und für eine kleine Farm. Gabriele kam dann auf die Idee es mit Wein zu versuchen und gründete Keeler Estate. 2007 wurden die ersten Reben gepflanzt und 2011 die ersten Weine ausgebaut. Im Tal wachsen nun vor allem Pinot Gris, am Hang – von oben bietet sich ein traumhafter Ausblick! – einzelne Klone von Pinot Noir – wie Dijon 115 – und Chardonnay.

Besonderen Wert legen die Keelers auf biologischen An- und Ausbau sowie Nachhaltigkeit im Sinne der Permakultur. Für den Ausbau des Weines ist als Winemaker Kelly Kidneigh zuständig. Dabei werden die Trauben teils traditionell, teils mit alten Methoden – wie in Tonamphoren oder speziellen „Beton-Eiern“ – gekeltert. Kidneigh ist keine Unbekannte in Oregons Weingeschäft, sie ist seit 1988 dabei und hat in Pioniergütern wie Eyrie oder Torii Mor ebenso gelernt wie im Burgund und an der Oregon State University. Einen besonderen Genuss bieten die Estate Pinot Noirs und der fast an einen Rosé erinnernde Pinot Gris, die man im wohnzimmerartig-gemütlichen Tasting Room oder auch im Grünen, mit grandiosem Ausblick auf das Tal, verkosten kann.
Ebenfalls hoch geschätzt sind die Pinot Noirs der Cristom Winery (Foto oben + links), ein Weingut auf halben Weg zwischen McMinnville und Oregons Hauptstadt Salem. Im Keller ist hier ein anderer legendärer Winemaker zuständig:
Steve Doerner. Ausgebildet in Kalifornien, begann er 1992 bei Cristom und hat das Weingut inzwischen zu einem der Spitzenweingüter Oregons gemacht.

Cascade Foothills

Noch beschaulicher geht es dagegen im Osten, auf der East Side, jenseits des Willamette River, zu. Hier muss man schon genau aufpassen, um die kleinen Weingüter zu finden, die sich in der landwirtschaftlich genutzten Region zu Füßen der Cascade Mountains – überragt von den beiden mächtigen, stets schneebedeckten und weithin sichtbaren Vulkanbergen Mt. Hood und Mt. Jefferson – fast verstecken.
Malerisch liegt z. B. Postlewait’s Vineyards & Whiskey Hill Winery (Foto links). Die Postlewait’s sind eine typische Bauernfamilie im Willamette Valley, neben Tafeltrauen und Beeren bauen sie Gemüse und die in Oregon verbreiteten Haselnüsse an und halten Milchkühe. Als weiteres Standbein richten sie Veranstaltungen, v. a. Hochzeiten, aus. Seit 2014 betreiben sie zudem ein eigenes Weingut, spezialisiert auf Pinot Noir, White Pinot Noir und Pinot Noir Rosé. Schwiegersohn Chris Helbing, ehemaliger Polizist, und seine Frau sind für die Produktion verantwortlich und schenken ihre Weine meist persönlich im kleinen Tasting Room aus.
Noch kleiner ist Forest Edge Vineyard. Der Tastingroom ist winzig, dahinter liegt, ganz unprätentiös, die Kellerei, und betrieben wird das Ganze von zwei Personen: den Besitzern Jan Wallinder und Ron Webb. Als die Beiden in den 1980ern die Farm erwarben, wollten sie als Biobauern mit Permakultur und nachhaltigem Anbau ein neues Leben beginnen. Ron konzentrierte sich jedoch zunehmend auf Weintrauben und heute produziert der Zwei-Personen-Betrieb etwa 500 Kisten Wein pro Jahr – geringe Quantität bei ungewöhnlich hoher Qualität.
Neben Chardonnay und Pinot Noir bieten die beiden Leon Millot an, eine seltene, 1911 im Elsass gezüchtete Rebsorte. Bei Jan und Ron ist alles „bio“ und nachhaltig, selbst die Rebstöcke werden nur mäßig, aber effizient zurückgeschnitten. „Sie zeigen uns schon selbst,“ meint Ron lächelnd, „wie sie gepflegt werden möchten.“ Neben Trauben kommen, wie in Oregon üblich, noch Obst und Nüsse dazu und Cidre steht ebenfalls im Angebot.

Viel geboten in Silverton

Idealer Standort für den Besuch der East Side des Willamette River Valley ist der Ort Silverton mit seiner historischen Hauptstraße. Sehenswert sind hier das Gordon House, das einst von Frank Lloyd Wright geplant wurde, und der Oregon Garden, ein prächtiger Botanischer Garten.
Perfekter Standort für die Erkundung der Umgebung, zum Beispiel des Silver Falls State Park, wo North und South Fork des Silver Creek durch eine Schlucht über zehn Wasserfälle herabfallen, ist das McClaine House B&B. 
1878 hatte der gleichnamige Bankier diese viktorianische Villa für seine Familie erbauen lassen. Karen und ihre Lebensgefährte Andrew erwarben das historische Gebäude, renovierten es aufwändig und eröffneten es 2017 als luxuriöses Bed & Breakfast mit zwei geräumigen Suiten. Eine befindet sich im EG mit eigener Porch (Terrasse), die zweite im 1. Stock. Zudem stehen ein großer Living Room und ein schöner Garten Gästen zur Verfügung und am Morgen wird ein vielseitiges, mehrgängiges Frühstück im Dining Room stilvoll serviert. Die ideale Grundlage zu mehr Wine Tasting!

INFORMATIONEN:
– McMinnville: http://visitmcminnville.com
– Third Street Flats, McMinnville: https://thirdstreetflats.com
– Nick’s Italian Café, McMinnville: https://nicksitaliancafe.com
– Keeler Estate: http://keelerestatevineyard.com
– Cristom Winery: www.cristomvineyards.com
– Whiskey Hill Winery: www.whiskeyhillwinery.com
– Forest Edge Winery: http://forestedgevineyard.com
– Cascade Foothills Winegrowers: http://cascadefoothillswines.com
– Willamette Valley Wine: http://willamettewines.com
– Silverton: www.silvertonchamber.org
– FLWright Gordon House: www.thegordonhouse.org
– Oregon Garden: www.oregongarden.org
– McClaine House B&B, Silverton: www.themcclainehouse.com

© Text: Dr. M. Brinke – Dr. P. Kränzle, Fotos: alle M. Brinke mit Ausnahme allgemeine Landschaftsaufnahme Willamette Valley (©Travel Oregon).

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