WEST-AUSTRALIENS WENIG BEKANNTE HAUPT-STADT
Perth ist die Hauptstadt von Western Australia (WA) und rangiert bzgl. Bevölkerungszahlen an 4. Stelle in Australien: 2,4 Mio. Menschen sind in dieser modernen Metropole am Ufer des Swan River zu Hause. Die Stadt ist jung: 1829 beanspruchte Captain James Stirling Teile des Landes der Whadjuk Noongar Nation für die britische Krone. Eine Siedlung entstand, die ihren großen Boom allerdings erst im späten 19. Jh. erlebte, als ein Goldrausch in WA einsetzte und sich Perth zum Versorgungszentrum entwickelte. Davon zeugen prächtige Gebäude wie die Perth Town Hall, das Government House, das Old Court House, die St. George’s Cathedral, St Mary’s Cathedral oder die Perth Mint. Zu einem weiteren großen Zuwachs kam es nach dem 2. Weltkrieg, als viele Menschen aus aller Welt sich neu hier ansiedelten.
Perth wird immer etwas stiefmütterlich behandelt: „Beyond the Outback“ – so vom Rest Australiens oft betrachtet. Sydney lebt vom berühmten Opernhaus und der Harbour Bridge, Melbourne steht für „europäisches Flair“ und viele bunte Neighborhoods – aber Perth? Was zuerst auffällt: Perth ist sehr sauber, sehr modern, mit funkelnden Hochhäusern zwischen die sich gut erhaltene historische Gebäude aus dem späten 19. Jh. ducken. Vor allem aber fällt die Menge an Grünflächen und Parks auf – wie Sterling Gardens oder Kings Park –und dazu eine blitzsaubere „Harbourfront“.
Downtown Perth lässt sich gut zu Fuß erkunden, dazu gibt es ein preiswertes, modernes öffentliches Nahverkehrssystem. Noch heute bestimmen Bergbau, Öl und Gas-Produktion die Wirtschaft im Bundesstaat und sorgen dafür, dass Arbeitslosigkeit hier ein Fremdwort ist. „Mining“ – der Abbau von Bodenschätzen – ist immer noch bedeutend, vor allem Gold, Kupfer und Eisenerz, aber auch Lithium werden in enormen Mengen, besonders im Zentrum des Staates um die Stadt Kalgoorie, abgebaut. „FiFo’s“ (Fly-in Fly-out-Jobs) sind verbreitet: Arbeitnehmer werden per Flugzeug von Perth zu abgelegenen Arbeitsorten gebracht und arbeiten dann Schicht. Viele der Wolkenkratzer im Stadtzentrum tragen die Schriftzüge von Minen-Gesellschaften wie „Rio Tinto“ oder „BHP“. Kein Wunder, dass Perth speziell wegen seines Arbeitsplatzangebotes und seiner Lebensbedingungen als eine der schnellst-wachsenden und lebenswertesten Städte Australiens gilt!
Elizabeth Quai an Perth’ Waterfront ist ein moderner Entertainment District mit Brunnen, öffentlicher Kunst, Lokalen und Shops sowie einem Fährhafen, der Erholungssuchende u.a. hinüber nach Rottnest Island bringt. Markanter Eyecatcher am Hafen ist ein über 82 m hoher Glockenturm aus Kupfer und Glas mit einem 18-stimmigen Glockenspiel. Im Stadtzentrum selbst finden sich außer sehenswerten historischen Gebäuden, attraktive und saubere Fußgängerzonen und Arkaden mit zahlreichen Läden – vergleichbar mit der Innenstadt Melbournes.
Absolutes Highlight ist jedoch das WA Museum Boola Bardip, ein Komplex aus sieben Gebäuden. Mehrere Ausstellungssäle in dem auch architektonisch gelungenen Gebäude beschäftigen sich mit der Geschichte und Kultur der lokalen Aboriginal Peoples, auf deren Grund, „Nyoongar“, das Museum errichtet wurde. Zu sehen ist aber auch „Otto“, ein 24 m langes Blauwal-Skelett, oder eine originalgroße Replik des Athener Parthenonfrieses.
Perth ist Heimat der University of WA, eine „World Top 100 University“ mit rund 28.000 Studenten, davon ca. 8.000 internationale. Zur Uni gehört u.a. das sehenswerte Berndt Art Museum, dazu teils historische Fakultätsgebäude und prächtige Gartenanlagen.
Um bei Gärten zu bleiben: Einzigartig in Perth ist der Kings Park, einer der weltgrößten innerstädtischen Parks mit Trails, Spiel- und Sportflächen. Teil davon ist der Western Australian Botanic Garden . Dieser ist bekannt für seine einzigartige Sammlung an endemischen und westaustralischen Pflanzen; über 3.000 sollen es sein, verteilt auf verschiedene Sektionen. WA ist besonders für Pflanzen wie Acacia, Banksia, Grevillea, Proteacea und unzählige Eucalyptus-Arten – Bulga and Pepermint Tree, Jarrah, Karri und Marri sowie Silver Princess – aber auch für Saltbush und Soapbush, Myrtle und Sandelwood bekannt. Ebenfalls ungewöhnlich ist die Vielfalt an Vögeln, vor allem Papageien!
UNGLEICHE GESCHWISTER
Fremantle – „Freo“, wie man kurz sagt – ist quasi die Schwesterstadt von Perth, liegt aber, anders als Perth, direkt an der Mündung des Swan River in den Indischen Ozean und spielte daher schon immer eine Rolle als Hafen- und Fischerstadt. Von Perth erreicht man Freo mühelos in rund 15 bis 20 Minuten per S-Bahn. Schon im frühen 17. Jh. gelangten holländische Seefahrer in die Region, lange noch vor der Übernahme durch britische Kolonisten 1829. Dennoch ist die Stadt nach einem englischen Offizier benannt, Captain Charles Fremantle, der diese Region zum britischen Territorium erklärte.
Angesiedelt wurden hier zunächst – wie auch im übrigen Australien – Sträflinge, die man im Mutterland loshaben wollte. 1850 kamen die ersten 75 Männer aus Großbritannien, weitere folgten. Ende des 19. Jh. wurde das Hafenbecken vertieft um kommerzielle Seefahrt zu ermöglichen und gleichzeitig wurde die Stadt zum Tor für den Handel mit Gold u.a. Bodenschätzen. Während des 2. Weltkriegs befand sich hier zudem die größte U-Boot-Basis der südlichen Hemisphäre.
Das Flair von Fremantle hat mit dem modernen, blitzsauberen, fast gelackten Perth wenig gemeinsam. Hier reihen sich gut erhaltene historische Gebäude im viktorianischen oder edwardianischen Stil auf, ist Geschichte noch omnipräsent. Statt geschniegelter Geschäftsleute trifft man hier eher auf ein buntes Völkchen aus Aussteigern und Touristen. Entlang des Cappuccino Strip (South Terrace), an Market und High Street, geht man Kaffeetrinken, besucht eine Bar oder bummelt vorbei an den zahlreichen Platten- und Vintageläden oder Boutiquen. Die Devise heißt „Sehen und Gesehen-Werden“. Im Stadtbild stechen viele alte Hotels – wie The Sail & Anchor Hotel oder The National Hotel – heraus, vielfach mit eigenen Pubs und an Straßenecken gelegen. Apropos Pubs: Für besonders gutes Bier geht man in eine der beiden lokalen Brauereien, die Little Creatures Brewery am Fischerhafen oder Gage Roads Brew in einer ehemaligen Lagerhalle am Hafen.
Das Round House am Stadtstrand gilt als ältestes erhaltenes Gebäude in WA, um 1830 als Gefängnis erbaut. Als der Walfang florierte, wurde sogar vom Round House ein Tunnel gebaut um den Walfängern Zugang vom Bootsanleger und Strand in die Stadt zu ermöglichen. Noch heute ist der Fishing Harbour bedeutend und die Fish & Chips-Lokale dort sind ein Tipp. Ebenfalls am Fischerhafen steht eine Skulptur von Bon Scott von AC/DC, der berühmten australischen Rockband. Seine Familie war hierher aus GB eingewandert und Bon Scott wuchs in Freo auf.
Fremantle Harbour bezeichnet den modernen Cargo-Hafen, einer der fünf größten in Australien. Hier wird der Großteil des Container-Handels, v.a. Fahrzeugimporte und Schüttgut, abgewickelt. Auch Kreuzfahrtschiffe legen hier an. Zudem liegt Rottnest Island nur einen Katzensprung entfernt.
Zu den Attraktionen Freos gehört am Victoria Quai das sehenswerte Maritime Museum. Dort ist u.a. die „Australia II“ – Siegerboot des 1983 America’s Cup – zu sehen. Zudem erfährt man Interessantes über die Wal- und Perlen-Industrie in Australien. Im nahegelegenen WA Shipwrecks Museum geht es vor allem um Unterwasserarchäologie (Maritime Archaeology), was zwei herausragende Beispiele zeigen: Das ehemals in Diensten der niederländischen Ostindien-Kompanie stehende Schiff „Batavia“ wurde in den 1970ern erforscht und rekonstruiert, ebenso die alte Dampmaschine des kleinen Frachtschiffes „SS Xantho“.
Perth und Fremantle sind eine unschlagbare Städtekombination, die den Besuch allein lohnt. Erst recht aber empfehlen sich die Strände, sei es in Perth selbst – z.B. der City Beach – oder aber im Süden der Stadt. Hier erstreckt sich zugleich eines der renommiertesten Weingebiete Australiens: das Margaret River Valley. Doch dazu später …
Text: ©Drs. Margit Brinke – Peter Kränzle, http://travelingtramps.blogspot.com
Fotos: ©MB
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