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USA-Nordwesten: „Paddle to Seattle“ – Zu Gast beim Squaxin Island Tribe in Washington State

von den Autoren der Iwanowski-Bände „USA-Westen“ und “USA–Nordwesten”, Margit Brinke – Peter Kränzle, April 2016

Anlässlich der 100-Jahr-Feier des US-Bundesstaates Washington im Jahr 1989 wurde nicht nur der „Centennial Accord“ unterzeichnet, ein Abkommen, das die hier beheimateten 29 indianischen Völker als souveräne Nationen anerkannte. Zugleich wurde mit einer Kanufahrt eine in Vergessenheit geratene Tradition der Nordwestküsten-Indianer wiederbelebt: Unter dem Motto „Paddle to Seattle“ organisierten 15 Küstenstämme eine Kanuregatta, teils mit historischen Booten, nach Seattle. Seit 1993 sind diese sogenannten Tribal Canoe Journeys zum jährlichen Ritual geworden, das besonders seitens der jungen Küstenindianer für neues Selbstbewusstsein sorgt und die Wiederentdeckung der eigenen Kultur fördert – vergleichbar mit den Powwows bei den Prärie-Indianern.

Squaxin Island Tribe – „People of the Water“

2-WA-Squaxin-LittleCreekInn-GolfCPoleDetZu den teilnehmenden Stämmen gehört der Squaxin Island Tribe, beheimatet in der kleinen Ortschaft Kamilche, am Nordende des US Highway 101 (Pacific Coast Highway), nur wenige Kilometer nördlich der Hauptstadt Washingtons, Olympia, gelegen. Hier lebt der Stamm seit 1965 als unabhängige Nation mit über 400 Mitgliedern. Man konnte altes Heimatland zurückkaufen und betreibt unter anderem ein Casino mit Resorthotel und Golfplatz, verschiedene Läden, die Salish Seafood Company, ein Forschungszentrum und ein Museum.
In ihrer Sprache nennt sich der Stamm auch „People of the Water“, Volk des Wassers. Ursprünglich lebten die sieben Gruppen der Squaxin an sieben Buchten im südlichen Puget Sound, bis sie ein zweifelhafter Vertrag von 1854 zwang, ihre Heimat aufzugeben und auf der an Trinkwasser armen Insel Squaxin Island zu leben. 3-WA-Squaxin-LittleCreekInn-MusPanelAuch die benachbarten Nisqually und Puyallup wurden mit diesem Vertrag in Reservate gezwungen. Im Laufe der Zeit siedelten sich viele Indianer wieder auf dem Festland an und die Insel ist heute unbewohnt, wird jedoch als heiliger Ort verehrt.
Zu den Ruderern des Squaxin Island Tribes gehört auch Jeremiah George, der nicht nur als traditioneller Sänger und Künstler bekannt ist, sondern auch als Co-Kurator und kultureller Stammesvertreter am sehenswerten Squaxin Island Tribe Museum Library & Research Center (MLRC) fungiert. 4-WA-Squaxin-LittleCreekInn-MusBasketeryEr hat die sieben riesigen Wandtafeln gestaltet, die im Museum, das einem traditionellen Langhaus nachgebaut wurde, die Geschichte des Stammes erklären. Jede Tafel steht für eine der sieben Gruppen und für ein bestimmtes Thema, wie der Bedeutung des Wassers, des Fischfangs, der Ausgrabung einer historischen Siedlung (Mud Bay Village) oder der 1892 von Stammesmitglied John Slocum gegründeten Indian Shaker Church. Mindestens ebenso sehenswert sind die im Museum ausgestellten Korb- und Flechtwaren, eine Kunstform für die der Squaxin Tribe seit jeher bekannt ist, und der zugehörige Shop sowie das mit viel Wasser gestaltete Pärkchen (siehe Foto).

Little Creek Casino & Resort

6-WA-Squaxin-LittleCreekInn-EntranceVor 15 Jahren eröffnete das Little Creek Casino mit Veranstaltungshalle und etwas später, davon getrennt, ein Resorthotel, ebenfalls einem traditionellen Langhaus nachempfunden. Im Inneren des Baus dominieren lokales Zedernholz und Kunstwerke; letztere finden sich auch in den gut ausgestatteten Zimmern in zwei „Türmen“, außerdem (wie der „totem pole“ im Bild oben, der vor dem Golfclub steht) verteilt auf das ganze Reservatsgelände.
7-WA-Squaxin-LittleCreekInn-Spa2 Die Werke verschiedenster Genres stammen von indianischen Künstlern wie Jeremiah George, Casey Krise oder Corey „Bear“ O’Lague. Zur Erholung lädt ein großer Pool ein, vor allem aber ein schöner Wellnessbereich ein, und mehrere Restaurants auf hohem Niveau versorgen die Gäste. Eines davon ist die Squaxin Island Seafood Bar, die regionale Meeresfrüchte wie Austern, aber auch Muscheln, Shrimps oder Krebsfleisch ganz frisch nach Gewicht an der hufeisenförmigen Bar serviert.

 Hotel mit Kunst und Meeresfrüchten

Apropos Meeresfrüchte: Einen Katzensprung vom Little Creek Resort entfernt, befinden sich die Taylor Shellfish Farms. Der seit 1890 bestehende Familienbetrieb gilt heute als größter Meeresfrüchte-Produzent der USA. Etwa die Hälfte der Austern – allen voran sind es die hiesigen Pacific Oysters aber auch Olympia- und Kumamoto-Austern – und Muscheln, u.a. die eigenartigen, nur im Nordwesten Nordamerikas gedeihenden Elefantenrüsselmuscheln (s. Foto) – nach der indianischen Bezeichnung „geoduck“ genannt –, werden nach Asien verschickt, der Rest versorgt den amerikanischen Markt.

Infos: www.squaxinisland.org (zum Squaxin Island Tribe), http://squaxinislandmuseum.org (Museum), www.little-creek.com (Hotel), www.taylorshellfishfarms.com (mit Shop)

© Text und Fotos: M. Brinke – P. Kränzle

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