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USA-Westen: Four Corners Region: „Ya’at’eeh“ – Willkommen im Navajoland!

Unterwegs in der Four Corners Region mit den Autoren des Bandes „USA-Westen“ und mehrerer anderer USA-Bände, Margit Brinke – Peter Kränzle, Dez. 2016

1-navajoflagDie „Four Corners Region“, dort wo die Bundesstaaten Utah, Colorado, New Mexico und Arizona aufeinandertreffen, ist das Zentrum der Navajo Nation. Mit etwa 71.000 km² Ausdehnung – etwas größer als Bayern! – ist die „Navajo Nation Reservation“ das größte Indianerreservat der USA. Nur etwa 170.000 Navajos leben hier, wie ihre Vorfahren meist weit verstreut in Familienverbänden in grandioser Landschaft.

John Wayne und John Ford’s Country

2-johnwayneportraitDas aus unzähligen Westernfilmen bekannte Monument Valley ist Teil des Reservats. Es war einst das Ehepaar Harry und Leone „Mike“ Goulding, die hier eine Trading Post mit kleinem Hotel einrichteten. In den 1930er-Jahren gelang es ihnen, Hollywood und die Filmindustrie anzulocken und Regisseur 3-mv-gouldingstoursbusJohn Ford war derart beeindruckt, dass er mit seinem Star John Wayne zahlreiche legendäre Western wie „Stagecoach“ hier drehte.

Zwar ist 4-mv-johnwaynecabinGoulding’s inzwischen zu einem modernen Hotelbetrieb mit Restaurant geworden, doch die alte Trading Post ist noch da und auch John Waynes Cabin (Foto), die er während der Dreharbeiten nutzte.

Seit jenen legendären Filmen pilgern unzählige Besucher aus aller Welt in das Tal der Mesas und Felsspitzen, 5b-mv-silhouettegouldingswählen Goulding’s Lodge als Unterkunft und buchen eine Tour in den Monument Valley Tribal Park. Als solcher steht der Kern der Landschaft unter Naturschutz, erschlossen wird er nur durch Schotterpisten.

Unterwegs in „Dinétah“

6-mv-indianhorsebackWer mehr über die Navajo und ihre Heimat erfahren möchte, sollte die Fahrt über Canyon de Chelly, Window Rock und die Hubbell Trading Post südwärts fortsetzen. Als „Diné“ bezeichnen sich die Navajos selbst, „Dinétah“ ist ihr Heimatland. Wie die mitten im Navajoland in einer kleinen Reservation lebenden Hopi sehen sich auch die Navajo als 7-cdc-petrogl-navajo-horsesUreinwohner – und widersprechen damit der offiziellen wissenschaftlichen Version, die besagt, sie seien im 15./16. Jh. zugewandert. Neue Funde – u.a. die Darstellung von Indianern zu Pferd auf Felsbildern (s. Foto) – untermauern die Ansicht der Navajos, doch das wäre eine andere Geschichte…

Auch wenn nicht mehr viele Navajos ihre Sprache fließend beherrschen, sind die Meisten immer noch stark in ihren Traditionen verwurzelt, beherzigen die alten Tabus und lernen von den Großeltern über Heilkunst und Spiritualität. Donovan Hanley, Navajo und Tourismusmanager der Stammes (Foto), lebt in der modernen Welt, in Phoenix, doch wenn er in seiner Heimat unterwegs ist, spricht er nicht nur Navajo, 8-cdc-donovanhanleyer verhält sich auch nach den Regeln. Beispielweise drückt man die Hand zum Gruß nur vorsichtig, blickt seinem Gegenüber nicht direkt in die Augen oder zeigt nicht mit dem Finger auf Sachen oder Menschen. Eine Hauptregel, die auf dem gesamten Reservatsgrund gilt, ist das Alkoholverbot. Es gibt Alkohol weder zu kaufen, noch darf er innerhalb der Reservatsgrenzen konsumiert werden.

Canyon de Chelly – Herz des Navajolands

9-cdc-whitehsruinsMitten im Navajoland liegt nahe der Kleinstadt Chinle – neben Kayenta, Tuba City, Shiprock und Window Rock ein zentraler Ort im Reservat – der Canyon de Chelly. Auf etwa 350 km² steht hier eine atemberaubende Canyon-Landschaft als Navajo Tribal Park und National Monument unter Schutz. Die drei Canyons, die sich Flüsse in das Colorado Plateau gegraben haben, waren einst von prähistorischen Pueblo-Indianern besiedelt. 10-cdc-nrimdr-antelopehouseDer einzige frei zugängliche Trail führt vom South Rim hinab in den Canyon de Chelly zu den White House Ruins, Überreste einer Felsensiedlung aus dem 12. Jh.

Für die Navajos ist der Talgrund nicht nur – bis heute – traditionelles Siedlungsgebiet, er spielte auch in ihrer Geschichte eine bedeutende Rolle. 1863 hatten sich viele Navajos hierher zurückgezogen, als die US-Regierung beschlossen hatte, sie umzusiedeln. 11-cdc-nrimdr-mummycaveoverlookDie US-Truppen unter Kit Carson umzingelten die Navajo und zwangen sie zur Aufgabe. Im Winter 1864 mussten sie auf dem „Langen Marsch“ nach New Mexico umziehen. Viele starben während der Aktion oder im Reservat im Osten New Mexicos. 1868 ließ die US-Regierung die überlebenden Navajos wieder zurück in ihre Heimat.

Window Rock, die Hauptstadt

12-windowr-navnationsealHeute ist das Navajoland in 110 „Chapters“ unterteilt – Gemeindeverwaltungen, in denen jeder Einzelne mitreden kann. Die Chapters werden durch 24 Ratsmitglieder im Navajo Nation Council vertreten. Das achteckige Gebäude befindet sich neben dem Obersten Gerichtshof und dem Präsidentensitz in der kleinen Hauptstadt Window Rock, an der Grenze zwischen Arizona und New Mexico.

14-hoganDas Council-Gebäude ist dem traditionellen Wohnhaus der Navajos, dem Hogán, nachgebildet. Noch heute haben viele Navajofamilien neben einem modernen Haus oder Trailer zusätzlich einen Hogán aufgebaut. Einige leben sogar noch ständig in dem runden bzw. mehreckigen Erd- bzw. Holzhaus mit nach Osten ausgerichtetem Eingang.

Hauptattraktion in Window Rock ist der Window Rock Navajo Tribal Park. 15-windowr-archHier erinnert man an die Indianer, die im Militär gedient haben, besonders an die „Code Talkers“ im 2. Weltkrieg. Das eigentliche Highlight ist jedoch die sich dahinter aufbauende Felswand mit ihrem namensgebenden, durch Wetter und Wind geformten Loch. Gerade bei Sonnenuntergang lohnt der Aufstieg hinter die Felswand – der Ausblick ist traumhaft!

Webwaren und Silberschmuck

16-ganado-hubelltradpost Zum Informationsaustausch und um Geschäfte zu tätigen, zog und zieht es die Navajos immer noch in Trading Posts. Nach der Rückkehr aus dem Exil 1868 war ihre Heimat heruntergekommen, die einst großen Schafherden verschwunden. Die Navajos mussten von vorn anfangen und so entstanden Handelsposten um sie zu versorgen und ihre Produkte abzunehmen – z.B. 1876 die Hubbell Trading Post, ca. 50 km westlich Window Rock gelegen.

17-ganado-hubelltradpost-innenObwohl dieser Handelsposten als National Historic Site unter Denkmalschutz steht und einem Freiluftmuseum gleicht, dient er noch immer dem aktiven Handel. Hier lernt man auch, dass bis heute die Schafzucht eine Säule der Landwirtschaft ist. Aus der Wolle weben die Frauen seit Jahrhunderten Decken und Teppiche, die heute in Museen ausgestellt und in 18-mv-webdemoKunstgalerien teuer angeboten werden. Sind die Frauen für die Webarbeiten zuständig, ist der von Männern hergestellte Silberschmuck mit seinen Türkiseinlegearbeiten ebenso heiß begehrt.

INFORMATIONEN
Navajoland: www.explorenavajo.com
Übernachten: Goulding’s Lodge, Monument Valley, www.gouldings.com; Thunderbird Lodge, Canyon de Chelly, http://thunderbirdlodge.com
Monument Valley: www.navajonationparks.org/htm/monumentvalley.htm
Canyon de Chelly: www.nps.gov/cach/index.htm
Hubbell Trading Post: www.nps.gov/hutr/index.htm

© Text: M. Brinke-P. Kränzle, Fotos: M. Brinke

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