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Berlin: Siedlung Schillerpark – Sozialer Wohnungsbau mit architektonischem Anspruch und angegliedertem Naherholungspark

Bruno Taut plante die Berliner Moderne

Innovativer Wohnungsbau, Finanzierung durch Hauszinssteuer von Immobilienbesitzern, große Grünflächen als Naherholungsgebiet? Ein altes, noch heute zeitgemäßes Thema!
Im Ortsteil Wedding, sicher heute eher eine sozial belastete Adresse, vermutet man nicht Berlins erstes großes Wohnprojekt (auf 4.6 ha). Vom bekannten Architekten Bruno Taut geplant, gehört es zu den sechs Siedlungen der „Berliner Moderne“.  Dazu zählen die Tuschkastensiedlung in Treptow-Köpenick, die Großsiedlung Britz in Neukölln, die Wohnstadt Carl Legien am Prenzlauer Berg, die Weiße Stadt in Reinickendorf sowie die Großsiedlung Siemensstadt in Charlottenburg Nord. Mittlerweile alle unter Denkmalschutz erfolgte 1991 eine weitgehend originalgetreue Sanierung. Und seit 2008 zählt sie zum UNESCO Welterbe – gut so!

Berliner Moderne oder die Architektur des Neuen Bauens

Eine architektonische Antwort auf sozialpolitische Gegebenheiten am Ende des Kaiserreichs und der Weimarer Republik.
Wie drängten sich die Arbeiterfamilien in hintereinandergeschalteten Hinterhöfen und Häusern? Wie unmenschlich waren die Wohnbedingungen? Auf all das fand u. a. der Architekt Taut eine Antwort: Architektur musste für Luft, Licht, Pflanzen, Farbigkeit und Formen sorgen – um Wohlbefinden zu  fördern. „Durchgrünter städtischer Hausbau“ war das Leitmotiv, um dem Moloch „Stadt“ Paroli zu bieten. Und das alles im Rahmen eines genossenschaftlich organisierten Wohnungsbaus. Hier stand nicht Profit durch Mieteinnahmen im Vordergrund, sondern der Mensch in seiner Bedürftigkeit nach anständigem Wohnen! Am Schillerpark wurden klar konzipierte 2-4 geschossige Häuser mit damals seltenen Flachdächern unter Verwendung von Backsteinen und weißen Putzflächen gebaut – angelehnt an die Architektur der Amsterdamer Schule. Die Häuser entstanden zwischen 1924 und 1930, zunächst insgesamt über 300 Wohnungen. Alle verfügten schon damals – welch ein Luxus um diese Zeit – über Balkone, Loggien und Badezimmer und waren großzügig bemessen. Die 1½ Zimmer Wohnungen waren bereits 40 qm groß, aber es gab auch Wohnungen bis 4½ Zimmern. Im Hofbereich dominierten Grünflächen mit Kinderspielplätzen.
Die finanziellen Mittel stammten aus der sogenannten Hauszinssteuer des Deutschen Reiches: Die Eigentümer von Immobilien mussten diese Zusatzsteuer leisten, damit sozialer Wohnungsbau finanziert werden konnte.

Im Zweiten Weltkrieg wurden einige Häuser zerstört. 1951 begann durch einen Bruder von Taut ihr Wiederaufbau und zwischen 1954 und 1959 wurden neue Gebäude im gleichen Stil zugefügt. 1991 erfolgte eine Sanierung. Alle Häuser und Gartenanlagen stehen heute unter Denkmalschutz. Die 570 Wohnungen werden von der Berliner Bau- und Wohnungsgenossenschaft von 1892 verwaltet.

Schon vorher (1909-1913) entstand der benachbarte Schillerpark, der nicht dem „Prunk“ wie z. B. der Volkspark Friedrichshain diente, sondern der alltäglichen Erholung: Frische Luft für Großstädter, Auslauf für Kinder, Ruhe-Oase für Ruhebedürftige – so entsprach man sozialen Bedürfnissen inmitten eines Häusermeeres. Es gab schon damals einen Gestaltungswettbewerb, bei dem 105 Pläne eingereicht wurden. Der Magdeburger Gartenarchitekt Friedrich Bauer gewann.

Adresse:  Siedlung Schillerpark, U-Bahn: U6 bis Haltestelle Rehberge. Straßen um die Siedlung: Barfusstraße, Bristolstraße, Corker Straße, Dubliner Straße, Oxforder Straße, Windsor Straße.

© Michael Iwanowski, Verleger und Autor im Iwanowski’s Reisebuchverlag

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