USA Neuengland: Salem in Massachusetts – Mehr als nur „Hexenjagd“

Jun 20, 2017 0 Kommentare von

Unterwegs in New Englands – von den Autoren des Bandes „USA-Nordosten“ und „USA-Ostküste“, Dr. Margit Brinke – Dr. Peter Kränzle, Juni 2017

„Hexen“ sind omnipräsent in Salem, in Ladenauslagen, auf Plakaten, während Touren, in den Geschichtsbüchern und auf den Grabsteinen des Friedhofes. Die kleine Hafenstadt Salem, knapp 25 km nordwestlich der Metropole Boston am Atlantik gelegen, hat jedoch weit mehr zu bieten.

Hexenprozesse als Touristenmagnet

Was heute als Touristenattraktion gilt, geht auf ein trauriges Kapitel der Stadtgeschichte zurück: Während der sog. Hexenprozesse 1692 wurden unzählige Einwohner der Hexerei beschuldigt und 20 sogar hingerichtet. Soziale und politische Spannungen in der Gemeinschaft der puritanischen Siedler gelten heute als Ursachen der Hysterie, die erst durch ein Machtwort des Governors der damaligen Province of Massachusetts Bay William Phips beendet wurde.

Seit fast 50 Jahren stehen die Hexenverfolgungen im Zentrum des Salem Witch Museums (www.salemwitchmuseum.com). Auch wenn die showartige Präsentation nicht jedermanns Sache ist, ist die „Witch Hunt Wall“ am Anfang der Ausstellung allein den Besuch wert. Sie erklärt, wie es zu solchen Hetzjagden überhaupt kommen konnte und zeigt auf, dass es auch heute noch ähnliche Anfeindungen gibt. Wie es dazu kommt? Angst wird erzeugt – beispielsweise vor einer Ansteckung –, ein Auslöser wird gefunden – beispielsweise AIDS – und schließlich sucht die Gesellschaft einen Schuldigen – z.B. die Gay Community.

Weniger spektakulär und in kleinerem Rahmen, doch ebenso anschaulich, widmet sich das Witch House (Titelbild) (www.witchhouse.info) den Ereignissen von 1692. Es handelt sich um das einzig erhaltene Haus aus jener Zeit, das einem der unmittelbar Beteiligten, dem Richter Jonathan Corwin, gehörte. Es gibt eine gute Vorstellung von den damaligen Lebensbedingungen und informiert mit historischen Dokumenten über die Geschichte.

Hawthorne, sieben Giebel und viel maritime Geschichte

Salem war zugleich die Heimat des Schriftstellers Nathaniel Hawthorne (1804–1864). Dass einer seiner Vorfahren als Richter an den Hexenprozessen beteiligt war, hatte zur Folge, dass er sich in Werken wie „Der scharlachrote Buchstabe“ (1850) oder „Das Haus mit den sieben Giebeln“ intensiv mit dem Thema beschäftigte. Das im Mittelpunkt des Romans stehende House of Seven Gables (www.7gables.org) ist eine der Hauptattraktionen der Stadt, eine Mischung aus historischem Bau und Fiktion. 1668 erbaut, gelangte es 1908 in den Besitz von Caroline Osgood Emmerton, die es nach der Romanbeschreibung umbauen und renovieren ließ.
Über die maritime Vergangenheit Salems informiert die Salem Maritime National Historic Site (www.nps.gov/sama/index.htm). Neben historischen Bauten – z.B. den prächtigen Häusern von Kapitänen und Händlern – und Schiffen gehört ein interessantes Besucherzentrum mit Ausstellungen in der Fußgängerzone dazu.

Gegenüber liegt das eigentliche Highlight der Stadt: das PEM – Peabody Essex Museum (www.pem.org). Maritime und amerikanische Kunst sowie eine umfangreiche asiatische Sammlung machen es zu einem „Muss“.Die Wurzeln dieses Museums gehen ins Jahr 1799 und die Gründung der East India Marine Society zurück, die ein “cabinet of natural and artificial curiosities”, und damit die East India Marine Hall ins Leben rief. 2003 kam ein moderner Ziegel-Glas-Bau von Moshe Safdie dazu, die der umfangreichen Sammlung an maritimen und historischen Ausstellungsstücken aus fast aller Welt mehr Platz bot.

Eine Besonderheit ist das zugehörige komplette chinesische Haus der Qing-Dynastie.

Gut versorgt in jeder Hinsicht

Das PEM liegt an der Essex Street, an der Bummelmeile für Fußgänger, gerahmt von zahlreichen Lokalen und Läden.

Zum Frühstück oder kurzen Snack lohnt z.B. das Gulu Gulu Café (247 Essex St., www.gulugulucafe.com), ausgezeichnetes, fangfrisches Seefood gibt es bei Turner’s Seafood at Lyceum Hall (43 Church St., www.turners-seafood.com).

In dem historischen Bau von 1843 soll am 12. Februar 1877 Alexander Graham Bell  das erste Telefongespräch geführt haben. Gutes (lokales) Bier gibt es am Abend im Tap Room der Notch Brewery (283 Derby St., www.notchbrewing.com).

Die Nähe der kleinen Hafenstadt zu Boston macht Salem zu einem idealen Standort, zumal hier alles preiswerter und weniger hektisch ist. Eine ungewöhnliche Herberge ist beispielsweise das historische Hawthorne Hotel (18 Washington Sq. W, www.hawthornehotel.com) von 1925. Zentral gelegen, kann man von hier aus alles leicht zu Fuß erreichen. Zum Hotel gehört neben der Tavern on the Green auch das empfehlenswerte Restaurant Nathaniel’s.

PRAKTISCHE TIPPS

• Informationen: http://salem.org und www.northofboston.org. Infos im Besucherzentrum der Salem Maritime National Historic Site in der historischen Armory (Essex St.).
• Übernachten: Empfehlenswert neben dem historischen Hawthorne Hotel (s. oben) ist das Salem Waterfront Hotel & Suites (255 Derby St., www.salemwaterfronthotel.com).
• Nahverkehr: S-Bahnen der Newburyport/Rockport Line verbinden Salem in etwa 30 Min. mit der North Station im Zentrum von Boston. Außerdem existiert eine Schnellfähre der BCH (Boston Harbor Cruises) (ca. 60 Min., www.bostonharborcruises.com/salem-ferry/salem-ferry/), die v.a. bei Sonnenuntergang fotogene Ausblicke bietet.
• Tipp: Der Discover Salem Pass (online unter: http://discoversalempassport.com) bietet freien Eintritt in drei Hauptattraktionen (House of 7 Gables, Salem Witch Museum und PEM), freie Fahrt mit dem Salem Trolley sowie Rabatte in ausgewählten Lokalen.

© Text & Fotos: M. Brinke – P. Kränzle, Hexensilhouette: Salem Witch Museum

Ausführliche Infos zu den geschichtsträchtigen Staaten an der amerikanischen Ostküste bieten die Reiseführer USA-Ostküste und USA-Nordosten (auch als ebook) von Margit Brinke und Peter Kränzle.

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