{"id":14397,"date":"2013-10-30T13:04:38","date_gmt":"2013-10-30T11:04:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.iwanowski.de\/blog\/?p=14397"},"modified":"2019-01-04T18:13:37","modified_gmt":"2019-01-04T16:13:37","slug":"berlin-museumswohnung-am-prenzlauer-berg-zimmermeister-brunzel-baut-ein-miethaus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.iwanowski.de\/blog\/berlin-museumswohnung-am-prenzlauer-berg-zimmermeister-brunzel-baut-ein-miethaus\/","title":{"rendered":"Berlin: Museumswohnung am Prenzlauer Berg. Zimmermeister Brunzel baut ein Miethaus"},"content":{"rendered":"<p><em>Mai 1895:<\/em> Der Zimmermeister Brunzel l\u00e4sst sich vom Immobilienboom der Jahrhundertwende mitrei\u00dfen. In der Hoffnung auf eine gute Verm\u00f6gensanlage kauft er an der Dunckerstra\u00dfe 77 ein 914 m\u00b2 gro\u00dfes Grundst\u00fcck. Er hofft, die Hypothek des Grundst\u00fcckskaufs \u00fcber die Mieteinnahmen zu decken. <strong>Schnelles und billiges Bauen ist deshalb angesagt:<\/strong> Ein Ziegelbau mit dicken Fugen wird errichtet, Holzbalkendecken werden eingezogen, nur die Kellerdecken im Bereich der Durchfahrten durch Vorder- und Querhaus werden als sogenanntes Kappengew\u00f6lbe stabil gebaut. Die Grundst\u00fccke waren eng, also mussten Schacht- und Maurerarbeiten gut getaktet werden. <a href=\"http:\/\/www.iwanowski.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Prenzauler_low.jpg\" data-wpel-link=\"internal\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-14401\" src=\"http:\/\/www.iwanowski.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Prenzauler_low-300x226.jpg\" alt=\"Prenzauler_low\" width=\"300\" height=\"226\" srcset=\"https:\/\/www.iwanowski.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Prenzauler_low-300x226.jpg 300w, https:\/\/www.iwanowski.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Prenzauler_low.jpg 910w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><strong>Berlin brauchte um diese Zeit unwahrscheinlich viel Wohnraum,<\/strong> die Industrialisierung zog wahre Menschenmassen an. Im Umland sorgten Sand- und Kiesgruben sowie Ziegelbrennereien f\u00fcr schnellen Materialnachschub. Im <em>M\u00e4rz 1896<\/em> sind die ersten Wohnungen fertig, <strong>die ersten Mieter, sogenannte &#8220;<em>Trockenwohner<\/em>&#8220;, zogen ein.<\/strong> Trotzdem war Brunzel schon im Dezember pleite, das Haus wurde zwangsversteigert, denn es gab nur die geringen Mieteinnahmen durch die Trockenwohner.<\/p>\n<h2><span style=\"color: #003366;\">Schnelles und billiges Bauen am Prenzlauer Berg<\/span><\/h2>\n<p><em>Trockenwohnen<\/em> war extrem ungesund, lebte man doch in feucht-kalter Luft. Aber es war f\u00fcr&nbsp;arme Menschen halt billig, und sie hatten auf&nbsp;diese Art und Weise wenigstes ein Dach \u00fcber dem Kopf. <strong>Die <em>Trockenwohner<\/em> zogen von Neubau zu Neubau,<\/strong> wohnten jeweils f\u00fcr kleines Geld in der immer wieder wechselnden, gesundheitsgef\u00e4hrdenden Umgebung. An der Dunckerstra\u00dfe 77 lebten nach dem Erstbezug von 25 Haushalten 2 Jahre sp\u00e4ter nur noch 5 im Hause. Dauerhafte Mieter waren sp\u00e4ter Arbeiter, geringverdienende Angestellte und \u201ekleine\u201c Beamte.<\/p>\n<p><strong><em><span style=\"color: #003366;\"><span style=\"text-decoration: underline;\"><a href=\"http:\/\/www.iwanowski.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Wohnung_lowjpg.jpg\" data-wpel-link=\"internal\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-14404 alignleft\" src=\"http:\/\/www.iwanowski.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Wohnung_lowjpg-300x225.jpg\" alt=\"Wohnung_low.jpg\" width=\"243\" height=\"183\" srcset=\"https:\/\/www.iwanowski.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Wohnung_lowjpg-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.iwanowski.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Wohnung_lowjpg.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 243px) 100vw, 243px\" \/><\/a>Info<\/span>:<br \/>\nK<\/span><\/em><\/strong><strong><em><span style=\"color: #003366;\">achel\u00f6fen &#8211;&nbsp;Ein kleines Statussymbol seiner Zeit<\/span><\/em><\/strong><br \/>\n<em><span style=\"color: #003366;\">Diese Museumswohnung verf\u00fcgt \u00fcber einen einfachen Kachelofen ohne besonderen Zierrat. Es gab elegante Modelle, mit Kamineinsatz, bunten Kacheln, reichen Verzierungen. Geheizt wurde mit Steinkohle, Braunkohle oder Braunkohlenbriketts.&nbsp;<\/span><\/em><em><span style=\"color: #003366;\">In wohlhabenden Haushalten wurde dagegen jedes Zimmer warmgehalten. <a href=\"http:\/\/www.iwanowski.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Schlafzimmer_low.jpg\" data-wpel-link=\"internal\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-14406 alignright\" src=\"http:\/\/www.iwanowski.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Schlafzimmer_low-300x225.jpg\" alt=\"Schlafzimmer_low\" width=\"240\" height=\"180\" srcset=\"https:\/\/www.iwanowski.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Schlafzimmer_low-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.iwanowski.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Schlafzimmer_low.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 240px) 100vw, 240px\" \/><\/a>Die kleinb\u00fcrgerliche Wohnung spiegelte soweit wie m\u00f6glich das herrschaftliche Wohnen wieder: Man leistete sich nur Fabrikm\u00f6bel statt sch\u00f6ner handgearbeiteter St\u00fccke, Papiertapeten ersetzten Seiden- und Samtbespannungen. Der kleinste Raum diente als Schlafzimmer, sonst spielte sich das Leben in der K\u00fcche ab. \u00dcber Strom verf\u00fcgten um 1900 nur etwa 4 % der Haushalte, da Strom zu teuer war (eine Parallele zu heute!).<\/span><\/em><\/p>\n<p>Im Vorderhaus, wo die Museumswohnung im ersten Stock liegt, zahlte man f\u00fcr eine Dreizimmerwohnung&nbsp; (K\u00fcche wurde als beheizbarer Raum mitgez\u00e4hlt) zwischen 400 und 850 Mark Jahresmiete, im Hinterhaus waren nur maximal 300 Mark f\u00e4llig. <a href=\"http:\/\/www.iwanowski.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Museumswohnung_low.jpg\" data-wpel-link=\"internal\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-14405\" style=\"width: 202px; height: 256px;\" src=\"http:\/\/www.iwanowski.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Museumswohnung_low-225x300.jpg\" alt=\"Museumswohnung_low\" width=\"182\" height=\"237\"\/><\/a><strong>Damals \u2013 ziemlich \u00e4hnlich zu heute \u2013 zahlte man etwa 20\u201325 % des Einkommens f\u00fcr Miete, <\/strong>allerdings galt das Familieneinkommen als Ma\u00dfstab: der Lohn des Mannes, der Frau und der Kinder wurde zusammengez\u00e4hlt. Doch oft reichte auch das nicht, man vermietete entweder einzelne Betten oder Zimmer an Familien-Fremde, wie Untermieter, Schlafg\u00e4nger oder Dienstm\u00e4dchen. <strong>Das waren sehr unw\u00fcrdige, menschenverachtende Lebensbedingungen<\/strong>. Ab 1880 galt daher eine Verordnung, dass jeder \u201eSchlafbursche\u201c 3 m\u00b2 Bodenfl\u00e4che und 1 m\u00b3 Luft beanspruchen darf. Mit steigenden L\u00f6hnen nach der Jahrhundertwende aber lie\u00df die Abh\u00e4ngigkeit von diesem Zusatzverdienst nach, sie wurden immer weniger von Untervermietungen abh\u00e4ngig.<\/p>\n<h2><span style=\"color: #003366;\">&#8220;Sch\u00f6ner Wohnen&#8221; um 1900<\/span><\/h2>\n<p><strong>Ein Rundgang durch die Museumswohnung zeigt sehr authentisch, wie \u201eSch\u00f6ner Wohnen\u201c damals aussah.<\/strong> Die \u201egute Stube\u201c war der hellste, gr\u00f6\u00dfte Wohnraum, komfortabel m\u00f6bliert und mit einem Kachelofen versehen. Sie wurde nur f\u00fcr Besuch hergerichtet, d. h. die schonenden Decken vom Sofa heruntergeholt und der Ofen geheizt \u2013 <strong>es war kein Raum f\u00fcr den Alltag.<\/strong><\/p>\n<p><em><strong>Adresse: Prenzlauer Berg&nbsp;Museum, Dunckerstra\u00dfe 77, 10437 Berlin, Vorderhaus, 1. Etage rechts, Tel. 030\/4452321, <a href=\"http:\/\/www.ausstellung-dunckerstrasse.de\" data-wpel-link=\"external\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener noreferrer\" class=\"ext-link\">www.ausstellung-dunckerstrasse.de<\/a>, ge\u00f6ffnet au\u00dfer Mittwoch 11\u201316.30 Uhr oder nach telefonischer Vereinbarung<\/strong><\/em><\/p>\n<p>\u00a9 Fotos und Text: Michael Iwanowski, Verleger und Autor im <a title=\"\" href=\"http:\/\/www.iwanowski.de\/index.php\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener noreferrer\" data-wpel-link=\"external\" class=\"ext-link\">Iwanowski\u2019s Reisebuchverlag<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mai 1895: Der Zimmermeister Brunzel l\u00e4sst sich vom Immobilienboom der Jahrhundertwende mitrei\u00dfen. In der Hoffnung auf eine gute Verm\u00f6gensanlage kauft er an der Dunckerstra\u00dfe 77 ein 914 m\u00b2 gro\u00dfes Grundst\u00fcck. Er hofft, die Hypothek des Grundst\u00fcckskaufs \u00fcber die Mieteinnahmen zu decken. Schnelles und billiges Bauen&hellip; <a class=\"read-more\" href=\"https:\/\/www.iwanowski.de\/blog\/berlin-museumswohnung-am-prenzlauer-berg-zimmermeister-brunzel-baut-ein-miethaus\/\" data-wpel-link=\"internal\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":301,"featured_media":14398,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[5057,6,7133],"tags":[],"class_list":["post-14397","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-berlin-europa","category-europa","category-kunst-kultur"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.iwanowski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14397","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.iwanowski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.iwanowski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.iwanowski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/301"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.iwanowski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14397"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/www.iwanowski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14397\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":28632,"href":"https:\/\/www.iwanowski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14397\/revisions\/28632"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.iwanowski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/14398"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.iwanowski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14397"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.iwanowski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14397"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.iwanowski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14397"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}