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USA – Ostküste / Nordosten: Der Lesetipp von unseren Autoren – „Lederstrumpf “ – Wiederauferstehung eines amerikanischen Mythos

Sogar der gute alte Johann Wolfgang von Goethe schwärmte: „Nicht leicht sind Werke mit so großem Bewusstsein und solcher Konsequenz durchgeführt als die Cooperschen Romane“. Die drei bis zu seinem Tod erschienenen Lederstrumpferzählungen – The Pioneers; Or the Sources of the Susquehanna, A Desciptive Tale (1823; dtsch. Die Ansiedler), The Last of the Mohicans. A Narrative of 1757 (1826; dtsch. Der letzte Mohikaner) und The Prairie (1827; dtsch. Die Prärie) – soll der große Dichter zusammen mit seinem Sohn August als englische Originale gelesen und genossen haben. Die meisten Deutschen kennen die Abenteuer des Waldläufers Natty Bumppo, auch als „Lederstrumpf“, „Falkenauge“ oder „Wildtöter“ bekannt, und seines indianischen Freundes Chingachgook jedoch zumeist nur aus einer schlampigen deutschen Übersetzung aus dem 19. Jahrhundert; seit Anfang des 20. Jahrhunderts gab es nämlich keine Neuübersetzungen mehr. Vielen sind die Abenteuer sogar nur in stark verkürzter und verzerrter Form als „Jugendbuch“ bekannt. Kein Wunder, dass James Fenimore Cooper (1789-1851) vergessen wurde und erst Arno Schmidt (1914-79) ihm im deutschen Sprachraum wieder einen Platz in der Weltliteratur zuwies.

Die Wiederauferstehung des Letzten Mohikaners

Dem Lob Schmidts folgte jetzt endlich, dank des Hanser-Verlages München und der Übersetzerin und Herausgeberin Karen Lauer, eine brilliante und vollständige deutsche Neu-Übersetzung von Coopers Meisterwerk „Der Letzte Mohikaner“. Wer jetzt wieder zum Buch greift, erlebt die Wiederauferstehung eines amerikanischen Mythos und begegnet einem gänzlich unbekannten Lederstrumpf.
Kurz zum Inhalt: Im Sommer 1757 kämpfen Briten und Franzosen erbittert um die Vorherrschaft im Nordosten Amerikas – eine endlose Wildnis, Wald, in dem damals noch stolze Indianervölker lebten. Ein britischer Offizier versucht mit den ungleichen Schwestern Alice und Cora zu deren Vater an die Front vorzudringen. Sie geraten in eine Falle, aus der sie von Lederstrumpf, Chingachgook und dessen Sohn Uncas befreit werden. Vor diesem historischen Hintergrund entwickelt Cooper eine eindrucksvolle Schilderung der langsamen Landnahme und Urbarmachung der Wildnis durch die weiße Zivilisation, vom Ende der indianischen Welt und dem Konflikt, in den der Titelheld dadurch gerät.

Der wahre Stellenwert eines Meisterwerkes

Es ist der Übersetzung zu verdanken, dass man ein fälschlich als Jugendbuch abgestuftes Meisterwerk endlich wieder seinen wahren Stellenwert zumisst. Die Übersetzerin und Herausgeberin Karen Lauer hat nicht nur brillant übersetzt, sondern sie liefert im Nachwort und in dem ausführlichen Anmerkungsteil auch einen umfassenden historischen Überblick. Am Ende der Lektüre der 655 Seiten hat dadurch jeder abgesehen vom Lesevergnügen eine erhellende Einführung in der Geschichte Nordamerikas – des sog. Siebenjährigen Krieges (1756-1763), der wegen seiner weltumspannenden Kämpfe auch als ein erster Weltkrieg bezeichnet wurde und in Nordamerika als „French and Indian War“ bekannt ist – erhalten.  Mit diesem Band kann der Leser erstmals in deutscher Sprache James Fenimore Cooper als ersten großen Romancier der USA kennenlernen, der nicht nur Goethe begeisterte. Auch Hermann Melville, D.H. Lawrence, Edgar Ellen Poe, Honoré de Balzac, Robert Louis Stevenson oder Joseph Conrad schätzten Cooper, bevor seine Abenteuergeschichten Vorlagen für Hollywood-Western wurden. Erinnert sei nur an die Verfilmung des „Letzten Mohikaners“ 1992 mit Oscar-Gewinner Daniel Day-Lewis („Lincoln“)  in der Hauptrolle.

Mythos Amerika als spannende Abenteuergeschichte

Der Mythos Amerika – grandios inszeniert als spannende Abenteuergeschichte: Coopers beachtliches Stück Weltliteratur wurde endlich zu neuem Leben erweckt. Bleibt nur zu hoffen, dass sich Verlag und Übersetzerin auch an die restlichen vier Bände des „Lederstrumpfs“ wagen und für eine Fortsetzung des Lesevergnügens sorgen.

James Fenimore Cooper, Der letzte Mohikaner. Ein Bericht aus dem Jahr 1757, neu übersetzt und herausgegeben von Karen Lauer, Carl Hanser Verlag, München 2013, 34,90 €
Infos und Bestellung: www.hanser-literaturverlage.de

Rezension von den Autoren des Bandes USA-Ostküste sowie Mitautoren des Bandes USA-Nordosten, Margit Brinke und Peter Kränzle.

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