Kommentare 0

Lese- und Ausstellungstipp: „Don’t take your guns to town. Johnny Cash und die Amerikaner in Landsberg 1951–1954“

Ein Tipp für Amerika- und Country-Music-Fans von den Autoren des Bandes „USA-Westen“ u. a. USA-Bände, Margit Brinke – Peter Kränzle, Dez. 2015

„Don’t Take Your Guns To Town“ – „Nimm’ Deine Schusswaffen nicht mit in die Stadt!“ – diese Mahnung erhielten die amerikanischen Soldaten, die in den 1950er-Jahren auf dem Fliegerhorst Penzing stationiert waren, mit auf den Weg, wenn sie in ihrer Freizeit in die nahe Stadt Landsberg zogen. Unter ihnen befand sich auch die spätere Country-Legende Johnny Cash. Als er 1951, 19-jährig, für drei Jahre als Soldat nach Penzing kam, war er – anders als Elvis Presley, der 1958-60 in Friedberg/Hessen stationiert war – jedoch noch ein unbeschriebenes Blatt. Cash entwickelte sich erst nach seiner Rückkehr in die USA 1954 zum großen Country Music-Star.

Ausstellung in Landsberg

Johnny Cash. iwanowski.blogNoch bis zum 31. Januar 2016 zeigt das Stadtmuseum Landsberg eine von Sonia Fischer in Zusammenarbeit mit Dr. Edith Raim von der Universität Augsburg gestaltete Ausstellung über die amerikanische Truppenpräsenz in Landsberg und Johnny Cash, der seinen Militärdienst von 1951-54 hier ableistete. Anhand von Exponaten, Zeitzeugeninterviews von US-Veteranen und Landsberger Bürgern sowie Zeitungsausschnitten und bislang unveröffentlichten Fotografien Johnny Cashs aus Privatbesitz, mit einem Militärjeep und einer Juke Box als Highlights, erhält der Besucher in drei Räumen einen Überblick über jene Tage.
Johnny Cash Uniform. iwanowski.blogWesentlich ausführlicher und informativer noch als die relativ kleine Ausstellung ist der dazu begleitend im Volk Verlag erschienene 152-seitige Katalog, herausgegeben von Edith Raim und Sonia Fischer. Er enthält zahlreiche Abbildungen und Beiträge von Raim selbst sowie Historiker-Kollegen und Prominenten wie Judith Schnaubelt (Zündfunk-Redakteurin des Bayerischen Rundfunks) oder Willi Winkler (Musik- und Kulturkritiker, u.a. Süddeutsche Zeitung).
Im Katalog steht nicht allein Johnny Cash im Mittelpunkt, es geht vielmehr um das Leben der US-Soldaten und ihrer Familien in Landsberg und in Augsburg, um geschichtliche Hintergründe und Einflüsse und Verflechtungen der beiden Kulturen. Seit Ende des zweiten Weltkriegs 1945 haben nicht weniger als 22 Mio. US-Angehörige der Streitkräfte, Angestellte und ihre Familien, in Deutschland gelebt und Hunderttausende junger Amerikaner wie Cash mussten damals ihren Funkereinheit Landsberg. iwanowski.blogWehrdienst leisten – bis 1973 herrschte in den USA Wehrpflicht – und wurden nach Europa geschickt. Cash kam 1951 per Schiff über Bremerhaven nach Deutschland und trat seinen Wehrdienst bei der Air Force auf dem Fliegerhort Penzing, nur wenige Kilometer östlich von Landsberg, an.
Cash war nach seiner Ausbildung in San Antonio/Texas als Funker und Morsespezialist, ausgestattet mit einem ausgezeichneten Gehör, der 12th Radio Squadron Mobile, einer mobilen Funkeinheit, die auf der Landsberg Air Base in Penzing stationiert war, zugeteilt worden. Dort hörte er vor allem Morsesignale des sowjetischen Funkverkehrs ab und soll im März 1953 sogar als Erster die Nachricht von Stalins Tod aus dem Äther geholt haben.

Johnny Cashs Musikalische Wurzeln in Landsberg

Johnny Cash Show. iwanowski.blogLandsberg spielt für die Entwicklung von Johnny Cash zum legendären Musiker eine Schlüsselrolle: Hier hat er erst Mundharmonika, dann Gitarrespielen gelernt und seine erste Gitarre stammte aus dem Landsberger Musikhaus Ballach. Durch den Tiefschnee soll er sie mehrere Kilometer zur Basis geschleppt haben. Hier gründete Cash die Band „Landsberg Barbarians“ – eine Anspielung auf die in Landsberg verlegte Truppenzeitung „The Landsberg Bavarian“.
Cash blieb die ganzen drei Jahre über in Landsberg, Heimbesuche waren damals nicht erlaubt und es war nur ein Telefonat pro Jahr nach Hause möglich. Er schrieb viele Briefe an seine damalige Verlobte Vivian, machte Musik und unternahm in der Freizeit Ausflüge, ins Umland, in die Berge, zum Oktoberfest, aber z.B. auch nach Paris. Cashs Lebensweg zwischen 1951 und 1954, wie er in Ausstellung und Katalog nachgezeichnet wird, steht stellvertretend für Hunderttausende junger amerikanischer Soldaten, die in Deutschland ihre Wehrpflicht absolvierten.

American Way of Life in Germany

Walk The Line. iwanowski.blogUm die 22 Millionen Amerikaner/innen – Angehörige der Streitkräfte und deren Familien – hatten nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs bis in die 1990er Jahre hinein in Deutschland gelebt und für eines der „größten Kulturaustauschprogramme der Weltgeschichte“ gesorgt. Auch damit befasst sich der Katalog. Populärkulturelle Einflüsse kamen von den GIs persönlich, vom lässigen Auftreten, Kleidung und Frisuren über Lebensmittel, Feste und Gewohnheiten bis hin zur Musik, Country, Rock’n’Roll oder Rockabilly. So trat der „American Way of Life“ durch die US-Besatzungstruppen und verstärkt durch den hier betriebenen Radiosender AFN (American Forces Network) seit den 1950er Jahren in Europa seinen Siegeszug an.

„Hello, I’m Johnny Cash“

Amerika Weltanschauung. iwanowski.blogMit diesem Satz eröffnete der Sänger später jedes seiner Konzerte. Der aus heutiger Sicht berühmteste Soldat der Landsberg Air Base hat seine Erlebnisse in Nachkriegsdeutschland später in seiner Musik verarbeitet: In Landsberg schrieb Cash Songs wie „Wide Open Road“ oder die 1958 veröffentlichte Country-Ballade „Don’t Take Your Guns To Town“, die vom eingangs zitierten Motto abgeleitet ist, und erhielt hier die Inspiration zum „Folsom Prison Blues“.
Die Idee zum Hit „Blue Suede Shoes“ dagegen geht auf seinen afroamerikanischen Kameraden C.V. White zurück, der zum Ausgehen seine Schuhe stets besonders polierte und augenzwinkernd drohte: „Don’t step on my blue suede shoes!“ Den Songtext zu „I Walk the Line“ soll Cash in Landsberg für seine Verlobte Vivian Liberto geschrieben haben.

2-BuchCoverJohnnyCashAusstellung: Don’t take your guns to town! – Johnny Cash und die Amerikaner in Landsberg 1951-1954; noch bis 31. Januar 2016 im Neuen Landsberger Stadtmuseum, Von-Helfenstein-Gasse 426, Landsberg, Di.–Fr.: 14–17, Sa./So. 11–17 Uhr, www.museum-landsberg.de
Veranstaltungstipp: An den beiden letzten Ausstellungstagen (30. und 31. Januar 2016, 19 Uhr) gibt der deutsche Cash- und Countrymusik-Fachmann Franz Dobler zusammen mit Wolfgang Petters (Musik) eine Musiklesung im Museum unter dem Titel „We Walk the Line“; Infos: www.museum-landsberg.de
Katalog: Edith Raim, Sonia Fischer (Hrsg.), Don’t Take Your Guns To Town. Johnny Cash und die Amerikaner in Landsberg 1951-1954, ISBN 978-3-86222-197-4, 152 Seiten, mit zahlreichen Abb., Volk Verlag München 2015, 12,90 €

© Text: M. Brinke – P. Kränzle,  © Fotos aus der Ausstellung: M Brinke, ebenso Foto aus „Million Dollar Quartet“ (Preview der Show in Harrah’s Las Vegas); Foto Buchcover: Volk Verlag München.

USA_Titel_IwanowskiIwanowski’s Reisebuchverlag bietet Reiseführer für Individualreisende für verschieden Regionen in den USA an. Egal, ob Sie die beeindruckende Landschaft genießen, eine ganz besondere Kultur erleben oder die unbegrenzten Shoppingmöglichen ausschöpfen wollen – Amerika bietet für jeden Reisenden etwas!

Schreiben Sie eine Antwort


Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.