USA-Ostküste: New Hampshire – Vom State House in die Industrievergangenheit

Aug 04, 2017 0 Kommentare von

Eine Reisetipp von den Autoren mehrerer USA-Bände, darunter „USA-Nordosten“ oder „USA-Ostküste“, Dr. Margit Brinke – Dr. Peter Kränzle, August 2017

New Hampshires Hauptstadt Concord, mit rund 43.000 Einwohnern nicht allzu groß, ist touristisch eher unbeleckt, dafür aber umso attraktiver. Ehe weiße Siedler auftauchten, lebten hier die Pennacook, Algonkin sprechende Indianer, die kulturell zu den westlichen Abenaki-Indianern gezählt werden. Sie waren einst im heutigen New Hamshire, Vermont und Quebec zu Hause. Ihr Name geht auf den Hauptort „Penokok“ – „Auf den steilen Ufern“ – am Merrimack River zurück – dort wo sich heute Concord befindet.
Als sich zwischen 1725 und 1727 die ersten weißen Siedler niederließen, übernahmen sie zunächst den indianischen Namen, 1734 wurde die Stadt zu „Rumford“, ab 1765 zu „Concord“. Nach der Unabhängigkeit erklärte man 1808 die Kleinstadt offiziell zur Hauptstadt des Bundesstaats New Hampshire. 1816 bis 1819 entstand das State House (Foto), wie das Capitol hier genannt wird, nach Plänen des Architekten Stuart Park. Es ist der einzige Regierungssitz der USA, in dem die originalen Sitzungsräume von 1819 immer noch genutzt werden.

Concords attraktive Innenstadt

Heute noch bildet das New Hampshire State House das Herz der Stadt. Hier finden Versammlungen und Festivals ebenso statt wie jeden Samstagvormittag ein großer Farmers’ Market. Dann treffen sich hier all die „dog & kid lovers“ der Stadt und drängen sich um die Stände mit ausgezeichneten regionalen Produkten (Foto).
Das State House mit seinem Park liegt an der Hauptachse des Städtchens, der Main Street. Hier steht das Capitol Theatre, 1927 im ägyptisierenden Stil eröffnet, ein Topspot für Vaudeville-Theater, später auch als Kino und für Konzerte genutzt. Das Theater wurde renoviert und 1995 mit über 1.300 Plätzen für Broadwayshows wiedereröffnet. Entlang der Main Street reihen sich kleine, ungewöhnliche Läden und Boutiquen auf, wie „Fifty Home“ (mit eklektischen neuen und upcycled Produkten ‚made in the USA’), oder Joe King’s Shoe Shop (ein alteingesessener Schuhladen), der Granite State Candy Shoppe (Süßigkeiten), die League of NH Craftsmen Fine Art Gallery (regionale Kunst & Kunsthandwerk) und dazwischen stehen öffentliche Kunstwerke (Foto). Für Bibliophile ein Paradies ist Gibson’s Bookstore (www.gibsonsbookstore.com), gegründet 1898. Auch an Cafés und Restaurants besteht kein Mangel, das Spektrum reicht von O’s Steaks & Seafood über das Barley House (Bierauswahl!) bis hin zu Hermanos Cocina Mexicana oder Cheers.

Zu den Attraktionen gehört Mill Brook Gallery & Sculpture Garden (http://themillbrookgallery.com) am Stadtrand, von der Künstlerin Pam Tarbell 1996 ins Leben gerufen. In den Galerieräumen und den wunderschönen Gärten ringsum stellen über 70 Künstler, zumeist aus New Hampshire, aus. Das McAuliffe-Shepard Discovery Center (www.starhop.com) dagegen wurde zu Ehren der Raumfahrtpioniere Christa McAuliffe und Alan Shepard ins Leben gerufen und befasst sich mit Raumfahrt, Fluggeschichte und Astronomie.

Das „andere“ Manchester

Der Name „Manchester“ steht für die Industrialisierung im 19. Jh. – und was in der englischen Stadt damals passierte, gilt auch für das nur rund gut 30 km südlich von Concord gelegene Manchester/New Hampshire. Heute die Finanzhauptstadt des Staates, war Manchester einst eine der führenden Industriestädte Nordamerikas. Die Innenstadt mit ihrer Hauptstraße (Foto) ist ansprechend, typisch und bildprägend für die Stadt sind jedoch die imposanten Bauten der alten Textilfabriken am Merrimack River.

 

Über die Textilgeschichte der Stadt informiert das Millyard Museum (www.manchesterhistoric.org/millyard-museum), das in einem solchen Fabrikbau eingerichtet wurde. Es geht um die Geschichte der Stadt und um die Leute, die hier lebten und arbeiteten, von den Anfängen im 19. Jh. über die Blüte der Textilindustrie in den 1920ern. Der Merrimack River mit seinen Wasserfällen, den Amoskeag Falls (Foto), lieferte die Energie und immer mehr Fabriken siedelten sich damals an. Die größte war die Amoskeag Manufacturing Company, die 1831 eröffnete und im Laufe der Jahre ständig erweitert wurde. Auch Fabrikwohnungen kamen dazu, schließlich mussten über 17.000 Beschäftigte aus aller Welt untergebracht werden!

Revival der Industriebauten

Die Firma war bis 1935 in Betrieb und ihre Ziegelbauten bilden heute den Historic Millyard District. Bald nach dem Niedergang der Textilindustrie kam es glücklicherweise nicht zum Abriss, sondern zur geschickten Umnutzung. Die mächtigen Ziegelbauten dienen heute als Sitz kleinerer Unternehmen, von Büros, Restaurants, Kultureinrichtungen, Läden und als Wohnungen.
Eines der Lokale, das hier residiert, ist das Cotton (www.cottonfood.com). Chefkoch und Besitzer Jeffrey Paige setzt in dem beliebten Lokal auf amerikanische (regionale) Küche. Neben Seafood und Fisch wie Lobster Bisque (Hummersuppe) oder Pan-seared Scallops (Jakobsmuscheln) gibt es grandiose Steak-Gerichte. Die Weinkarte ist excellent, aber noch bekannter ist das Restaurant für seine Martini-Kreationen. Absacker gefällig? Im Cabonnay (www.cabonnay.com) kann man auf der Dachterrasse nach Kunstgenuss in der integrierten Galerie noch einen Drink zu sich nehmen. Und zur Bierprobe lohnt die Stark Brewing Company (www.starkbrewingcompany.com), ebenfalls in einem der historischen Ziegelbauten.

Die Hauptattraktion in Manchester hat jedoch mit Kunst zu tun: Das Currier Museum (www.currier.org) ist bekannt für seine hochkarätige Sammlung europäischer und amerikanischer Kunst, für dekorative Kunst, Fotografie und Skulptur, alles ansprechend präsentiert und angenehm übersichtlich. Auch bietet das Museum Touren zum und durch das von Frank Lloyd Wright entworfene Zimmerman House in einem historischen Nobelwohnviertel an.

Übernachten am Ballpark

Das Hilton Garden Inn in Manchester ist alles andere als das übliche Kettenhotel. Das Hotel liegt direkt am Ballpark der Stadt, dem Baseballstadium der lokalen Profimannschaft. Wenn die Manchester FisherCats (Eastern League, AA – drittklassige Profiliga, Nachwuchsteam der erstklassigen Toronto Blue Jays) spielen, ist im Hotel viel los und zum Spielende gibt es an Wochenenden sogar ein Feuerwerk.

Zudem können Gäste von vielen Zimmern aus direkt das Baseballspiel verfolgen. Dazu weist dieses Hotel außergewöhnlichen Service auf, ein Restaurant, eine schöne Bar im Freien – die Top-Seats bei einem Baseballspiel! –, ein Schwimmbad und große, gut ausgestattete Zimmer.

INFOS:
www.visitnh.gov, www.discovernewengland.org
www.concordnhchamber.com, www.manchester-chamber.org

ÜBERNACHTEN:
Hilton Garden Inn, 101 S. Commercial St., Manchester, NH, Tel. 1 (603) 669-2222, http://hiltongardeninn3.hilton.com/en/hotels/new-hampshire/hilton-garden-inn-manchester-downtown-MHTDTGI/index.html

SHOPPING-TIPP:
Merrimack Premium Outlets, 80 Premium Outlets Blvd, Merrimack, 20 mi. südlich Manchester, www.premiumoutlets.com/outlet/merrimack. Ein Toptipp für Schnäppchenjäger, da es in NH keine MWSt gibt.

© Text & Fotos: Dr. Margit Brinke – Dr. Peter Kränzle

Ausführliche Infos zu den geschichtsträchtigen Staaten an der amerikanischen Ostküste bieten die Reiseführer USA-Ostküste und USA-Nordosten (auch als ebook) von Dr. Margit Brinke und Dr. Peter Kränzle

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