USA-Nordwesten: Weit und breit keine Menschenseele – US-Highway 50 „The Loneliest Road“

Mrz 22, 2017 0 Kommentare von

Unterwegs in Nevada auf der „einsamsten Straße Amerikas“ mit den Autoren der Bände „USA-Nordwesten“ und „USA-Westen“ sowie mehrerer anderer USA-Bände, Margit Brinke – Peter Kränzle, März 2017

Endlos der Horizont, schnurgerade das Asphaltband der Straße – weit und breit keine Menschenseele. Hier kreuzt ein Koyote die Fahrbahn, dort grast eine Herde Gabelböcke zwischen Wüstenbeifuß-Sträuchern. Der US Highway 50 (http://travelnevada.de/on-the-road/highway-50) durchquert den Norden Nevadas auf rund 650 km und gilt als die „loneliest road“, die einsamste Straße Nordamerikas. Schon die Route der Pony-Express-Reiter und der Postkutschen verlief parallel zum heutigen US Hwy. 50, ebenso die erste Überlandstraße von Ost nach West, der 1913 eröffnete Lincoln Highway. Er wurde 1926 durch den US Hwy. 50 ersetzt.

US Hwy. 50 – Loneliest Road of America

Hier im Great Basin gibt es nur wenige Ortschaften und Menschen. Es handelt sich zwar um eine Hochwüste, doch das Gebiet zwischen Salt Lake City und Reno wird von zahlreichen Bergketten durchzogen, mit mehr als 3.000 m hohen Gipfeln und mindestens 1.200 m hoch gelegenen Tälern. Der Name des Bundesstaats Nevada – spanisch für „von Schnee bedeckt“ – hat hier seine Berechtigung. Es ist im Sommer trocken und heiß, im Winter herrschen hingegen hochalpine Bedingungen mit viel Eis und Schnee. Die bekannteste Bergkette sind die Ruby Mountains (https://travelnevada.com/discover/27111/ruby-mountains), die sich im Nordosten Nevadas zwischen Ely und Elko erstrecken. Prägende Pflanzen, die mit diesen extremen Bedingungen zurecht kommen, sind Büsche wie Wüstenbeifuß „sagebrush“ und wenige Baumarten wie Pinyon-Kiefern (pinyon) und Wacholder (juniper). Neben Koyoten, Gabelböcken (pronghorns oder antilopes) fühlen sich hier besonders Wildpferde (Mustangs) wohl, die in großer Zahl in Nevada leben: Es sollen über 30.000 sein!

Ely – Zentrum im Cattle und Mining Country

Einst von umherziehenden Paiute- und Shoshone-Indianern bewohnt, waren es Gold- und Silberfunde, die erste Weiße in die Region lockten. Mining prägt neben der Viehzucht (ranching) bis heute den Norden Nevadas. Der Staat gehört noch bis heute zu den wichtigsten Goldlieferanten weltweit und zudem wird jetzt verstärkt Lithium abgebaut, ein wichtiger Rohstoff für die Batterieherstellung.
Der Hwy. 50 passiert idyllische Orte wie Ely, Eureka oder Austin, deren Wohlstand auf Gold-, Silber- und Kupfervorkommen basierte. Mit über 4.000 Einwohnern ist Ely (www.elynevada.net) die größte Siedlung am Hwy. 50. Kupfererze im Umland und der Anschluss an das Eisenbahnnetz 1906 führten zu einem Boom und das Nevada Northern Railway Museum (http://nnry.com) ist eine der Hauptattraktionen, eine der besterhaltenen historischen Eisenbahnen in den USA.
1905/6 wurde die NNR erbaut um die Kupfermine und den Ort an die etwa 140 Meilen entfernte Southern Pacific Railroad in Nordosten Nevadas anzubinden. Bis 1983 betrieben, wurde sie 1987 als Museumsbahn wiederbelebt. Aushängeschilder sind die 100 Jahre alte Dampflok Nr. 40 und alte Wagen, aber auch das Bahngebäude und die alten Lokschuppen vermitteln einen sehr authentischen Eindruck.
Die Bahn hält auf Ausflugsfahrten auch am Renaissance Village in Ely (www.elynvarts.com/the-renaissance-village.html), einem interessanten Freiluftmuseum am Ortsrand. Es besteht aus historischen Musterhäusern von 1906, ausgestattet im Stil verschiedener ethnischer Siedlergruppen. Die Ely Art Bank im Ortszentrum ist eine Galerie mit lokaler sowie indianischer Kunst, außerdem finden in dem alten Bankgebäude wechselnde Verkaufsausstellungen statt. Überragender Bau im Zentrum ist das 1929 erbaute Historic Hotel Nevada (http://hotelnevada.com), ebenso historisch und kurios ist das Cell Block Steakhouse (www.jailhousecasino.com/dining.php), wo man hinter Gittern saftige Steaks isst.

Going West: Eureka und Austin

Westwärts auf dem US Hwy. 50 wird es immer einsamer. Eureka (www.ghosttowns.com/states/nv/eureka.html) hat den Charme einer aufgelassenen Minensiedlung des 19. Jh. Nach einem Großbrand im Jahr 1879 wurden die Gebäude in Stein wiederaufgebaut und der ganze Ort gleicht heute einem „Freiluftmuseum“. Besonders schön sind das Eureka Courthouse von 1879 oder das 1880 eröffnete Eureka Opera House.
Austin (http://austinnevada.com) galt im 19. Jh. als wichtigste Stadt im Nevada-Territorium östlich von Virginia City und gelangte durch Silberfunde zu Wohlstand. Zwischen 1862 und 1890 lebten hier um die 10.000 Menschen – heute sind es noch ein paar Hundert. Viele der alten Gebäude sind verlassen und verfallen, eine „Living Ghost Town“ ist entstanden. Dank der Türkisminen im Umland gibt es einige schöne Schmuck- und Souvenirgeschäfte. Zu den nicht-alltäglichen Attraktionen zählt Stokes Castle, ein erhöht gelegenes Steinhaus am Ortsrand. Der Minen- und Eisenbahnmagnat Anson Phelps Stokes hatte es 1896 in Auftrag gegeben, doch schon nach einem Jahr wieder aufgegeben.

Ein Schuhbaum und Sanddünen

Auf der Weiterfahrt passiert man kurz vor Middlegate Station einem Kuriosum: den Shoe Tree. Dicht behangen mit Schuhen ist es schon der zweite Baum am selben Ort, der von Reisenden genutzt wird, um sich alter Schuhe zu entledigen. Das menschenleere weite Wüstenland, das sich anschließt, wird von der Naval Air Station Fallon als Trainingsareal für Marineflieger genutzt.
Östlich von Fallon (http://visitfallonnevada.com) – wegen des Anbaus von Heu und Knoblauch auch bekannt als „Oasis of Nevada“ – passiert man den Sand Mountain, eine 180 m hohe „singende“ Sanddüne. Gut 3,5 km lang und rund 180 m hoch, ist sie der Überrest eines vor vielen Tausenden von Jahren ausgetrockneten Sees und wird heute zu Freizeitaktivitäten genutzt.
Bei Fallon taucht man wieder in die Zivilisation ein. Dieser Ort gehört bereits zum Einzugsbereich der Metropole Reno/Sparks und zum touristischen Einflussbereich von Lake Tahoe.

INFO: https://travelnevada.com und http://travelnevada.de

©  Text & Fotos: M. Brinke – P. Kränzle

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